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Religionslehrer fehlen und Geld wird knapp

Traunreut. Fehlende Religionslehrer, der Erhalt der kirchengemeindlichen Gebäude und in Verbindung damit der Umgang mit der sogenannten Ergänzungsrücklage sind zentrale Themen der Herbstsynode des evangelisch-lutherischen Dekanatsbezirks Traunstein im Wilhelm-Löhe-Zentrum in Traunreut gewesen. 52 176 Gemeindemitglieder, 428 weniger als im vergangenen Jahr, sind im Dekanat aktuell registriert, stellte Dekan Bertram in seinem Bericht fest.

Dekan Peter Bertram (rechts) und der Leiter der Verwaltungsstelle des Dekanats, Bertram Haas, informierten bei der Synode in Traunreut über Details der Immobiliensicherung. (Foto: H. Eder)

Pfarrer Johann-Albrecht Klüter aus Töging hatte in Sachen Religionsunterricht von einer »desolaten Situation im Nordwesten des Dekanats« gesprochen. Obwohl fast alle Überstunden machten, sehe die Situation so aus, dass vielfach mehrere Jahrgänge zusammengefasst werden müssten, dass manche Schüler und Lehrer für den Religionsunterricht am Nachmittag eigens nochmals an die Schule kommen müssten, dass sich der Unterricht dann teilweise bis 17 Uhr ausdehne. Außerdem seien nicht wenige Lehrer an verschiedenen Schulen eingesetzt, was viel zusätzlichen Zeitaufwand und Fahrten mit sich bringe.

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Dekan Peter Bertram stimmte zu: »So kann es nicht weitergehen«, meinte auch er. 35 kirchlich angeforderte Stunden könnten derzeit nicht besetzt werden, wobei sich die Situation in den kommenden Jahren noch verschärfen werde. Man sei bereits in intensiven Gesprächen, auch mit der Schulabteilung im Landeskirchenamt. Pfarrerin Susanne Vogt aus Mühldorf äußerte die Ansicht, die Landeskirche sollte Katecheten mehr arbeiten lassen. Das aber ist nicht möglich, wie die Schulbeauftragte des Dekanats, Gabriela Hofmann, feststellte: Die Katechetinnen, die – anders als beim Staat – nur ein Examen haben, dürften nur maximal 13 Wochenstunden arbeiten: »Da ist keine Änderung zu erhoffen.«

Ein großes Thema bei den Synoden ist immer die sogenannte »Immobiliensicherung«, das heißt der Erhalt und die Finanzierung der Gebäude der Kirchengemeinden im Dekanat. Vor Jahren war dafür eine sogenannte Ergänzungsrücklage eingeführt worden: Fünf Prozent der landeskirchlichen Zuweisungen an die einzelnen Gemeinden behält das Dekanat dafür ein. Auf Antrag und unter gewissen Voraussetzungen werden diese Gelder an Gemeinden ausgezahlt, die eine größere Bau- oder Unterhaltsmaßnahme nicht allein schultern können. Das war bisher aber eher selten der Fall, sodass sich in dem Topf bereits 350 000 Euro angesammelt haben.

Die Mühldorfer Pfarrerin Vogt stellte von daher den Antrag, die fünf Prozent heuer nicht einzubehalten und überhaupt die Rücklage auf 200 000 Euro »abzuschmelzen«. Es mache keinen Sinn, so meinte sie, hier große Beträge anzuhäufen, während die Kirchengemeinden für den Gebäudeunterhalt auf eigene Reserven zurückgreifen müssten. Über dieses Thema wird sicher in der nächsten Synode weiter diskutiert werden.

Bertram Haas von der Verwaltungsstelle des Dekanats zitierte eine Stellungnahme der Landeskirche zum Thema Immobilien, wonach Anmietung statt Neubau empfohlen werde, etwa für die Wohnung einer zweiten Pfarrstelle. »Qualität statt Quantität« nannte Dekan Bertram die Devise. Insgesamt sei man bei der Landeskirche der Überzeugung, dass der Gebäudebestand verringert werden müsse.

Der Leiter der Verwaltungsstelle informierte schließlich noch über die laufende Verwaltungsreform der Landeskirche, der »größten in der Geschichte«. Neben der Einführung einer zeitgemäßen Buchführung seien Verwaltungsverbünde beschlossen worden: So werden Rosenheim und Traunstein ab Januar 2015 zu einer Verwaltung zusammengefasst, allerdings weiterhin an zwei Standorten. Dadurch ließen sich, so Haas, Zuständigkeiten und Spezialwissen besser zusammenfassen.

Zu Beginn des Treffens hatten Landrat Hermann Steinmaßl, Traunreuts Bürgermeister Franz Parzinger und Olivier Dantine, Superintendent der Diözese Salzburg/Tirol, Grußworte gesprochen. Hauptthema war dabei die große Flüchtlingswelle aus Syrien und Zentralafrika, die derzeit alle bewege. Die Hilfe für die Flüchtlinge könne nur funktionieren, so der Landrat, wenn, verteilt auf den ganzen Landkreis, alle mitmachten: »Wenn wenige auf viele treffen, kriegen wir das hin.« Auch Parzinger appellierte an das Mitmachen aller. Man solle die Herausforderung optimistisch und offensiv angehen, sagte er. he