Reichenhaller lag mit Covid-19 einen Monat lang im Koma: »Nach zehn Metern bin ich völlig kaputt«

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Foto: Kay Nietfeld/dpa

Traunstein/Bad Reichenhall – »Ich lag einen Monat lang im Koma, da kann ich mich an nichts mehr erinnern«, sagt Karel Konvalinka. Der 68-jährige Reichenhaller hat noch heute Spätfolgen seiner Covid-19-Erkrankung, dabei war das Anfang April: »Wenn ich mit dem Rollator gehe, bin ich nach zehn Metern völlig kaputt«.


Karel Konvalinka ist Hochrisikopatient: Weil er Diabetes hat, wurde er am 1. April im Klinikum Traunstein an der Fußsohle operiert. Das war ein Mittwoch. »Er ging davon aus, dass er am Freitag wieder heimkommt«, erzählt seine Frau Renata. Doch für ein Telefonat am Freitag war er zu müde. Am Samstag konnte er nicht mehr selbst telefonieren. »Ein Pfleger erzählte mir, dass er über Nacht starkes Fieber bekommen habe. Er sei positiv auf Corona getestet worden und liege auf der Intensivstation.« Einen Monat lang blieb er dort, musste künstlich beatmet werden.

Zu der Angst um ihren Mann kam, dass sie ihn nicht besuchen konnte – wegen des Besuchsverbots am Klinikum und weil sie als direkte Kontaktperson 14 Tage in Quarantäne musste. »Zum Glück hat eine liebe Nachbarin für mich eingekauft.« Und die Ärzte hätten jeden Tag am Telefon berichtet, wie es ihrem Mann geht. »Als es ganz schlimm war, rief mich eine Ärztin an und sagte, ich soll mich von meinem Mann verabschieden. Die waren alle so lieb. Ich bin sehr dankbar.«

Als er nach einem Monat aus dem Koma erwachte, wurde er zur Reha nach Bad Aibling verlegt. »Ich war furchtbar schwach, und ich wusste nicht, wo ich bin und warum«, erinnert sich Karel Konvalinka. »Ich konnte nicht spazieren gehen, bei den Übungen für meinen Fuß wurde mir schlecht«. Dabei stellte sich heraus, dass eine Herzklappe kaputt war. Und er brauchte Stents, also künstliche Implantate zum Offenhalten der Gefäße. In München wurden die Herzklappe gewechselt und die sechs Stents eingesetzt.

»Aber es stellte sich heraus, dass das auch noch nicht gereicht hatte, und ich einen siebten Stent brauchte. Den setzte man mir in Bad Reichenhall in einer zweiten Operation.« Nach einer Odyssee durch verschiedenen Kliniken durfte er schließlich zur Reha in Bayerisch Gmain – und schließlich auch endlich wieder nach Hause.

Inzwischen konnte er verschiedene Termine beim Medizinischen Dienst der Krankenkassen nicht wahrnehmen, weil er immer gerade in irgendeiner Klinik war. So musste seine Frau den Antrag auf Erhöhung der Pflegestufe neu stellen.

Vor all den schweren Erfahrungen hatte Renata Konvalinka Verständnis für die Kritiker. »Ich habe früher auch gedacht, das wird alles übertrieben. Aber jetzt bin ich einfach nur dankbar für jeden, der sich an die Corona-Maßnahmen hält und die beschützt, die sich selbst nicht schützen können.«

Karel Konvalinka hat nun in seiner Wohnung im dritten Stock solche Probleme, dass sein größter Herzenswunsch zu Weihnachten eine barrierefreie Wohnung, möglichst in Bad Reichenhall, ist. Die Genossenschaftswohnungen, nach denen Renata Konvalinka gefragt hat, sind aber alle belegt. Sollte jemand helfen können, würden sich die beiden sehr freuen über einen Hinweis unter Telefon 0175/8144012 zwischen 13 und 19 Uhr. coho