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Rebensburg und das Hundertstelpech: Nur Zweite in Abfahrt

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Viktoria Rebensburg verpasste ihren ersten Abfahrtssieg nur hauchdünn. Foto: Alessandro Trovati/AP Foto: dpa

Mickrige drei Hundertstelsekunden fehlen Viktoria Rebensburg zum ersten Weltcupsieg in einer Abfahrt. In Andorra muss die Oberbayerin lange zittern - und am Ende werden ihr die wechselnden Bedingungen zum Verhängnis. Sie erlebt ein bitteres Déjà-vu.


Soldeu (dpa) - Viktoria Rebensburg fasste sich ungläubig an den Helm, strahlte im Sonnenschein von Andorra in die Kamera und bekam sogar schon Glückwünsche zum Abfahrtssieg.

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Doch dann wurde die beste deutsche Skirennfahrerin vom Hundertstelpech erwischt - schon wieder! Fünf Wochen nach ihrer unglücklich verpassten Super-G-Medaille bei der WM in Are konnte sich die Oberbayerin am Mittwoch in Soldeu immerhin mit Platz zwei hinter der Österreicherin Mirjam Puchner trösten. Dass ihr zum ersten Weltcup-Erfolg in der Königsdisziplin Abfahrt nur 0,03 Sekunden fehlten, musste aber verdaut werden.

»Klar, im ersten Moment ist es schade, dass die Hundertstel aktuell nicht auf meiner Seite sind«, sagte sie. »Trotzdem bin ich mega-happy mit meiner Fahrt. Das ist ein guter Einstand in die Final-Woche.«

Auch Bundestrainer Jürgen Graller musste erstmal schlucken mit Blick auf die Ergebnistafel. »Das zwickt mich schon an«, sagte er der Deutschen Presse-Agentur in seinem markanten österreichischen Dialekt. Rebensburg hatte beim Saisonfinale in den Pyrenäen ein starkes Rennen gezeigt, die Besten des Winters um Disziplinsiegerin Nicole Schmidhofer hinter sich gelassen und lange wie die Siegerin ausgehen. Als viertletzte Starterin war Puchner aber doch schneller. Dritte wurde Corinne Suter (Schweiz) 0,05 Sekunden hinter Rebensburg.

»Mit der Leistung hätte sie den Sieg verdient gehabt«, sagte Graller und erklärte, dass seine Top-Athletin vor allem im oberen Teil der Strecke deutlich mehr Gegenwind hatte als ihre beiden Kontrahentinnen auf dem Podest. »Es haben sich die Bedingungen sehr geändert.«

Die Erfahrung kennt Rebensburg nur zu gut. Bei der WM im Februar musste sie im Super-G wegen eines Sturzes von Lindsey Vonn lange auf ihren Start warten, hatte deswegen klar schlechtere Sichtbedingungen als die vor ihr gestarteten Rennfahrerinnen. Die Folge: Zu Gold fehlten sieben Hundertstelsekunden, zu Bronze gar nur zwei. Diesmal war Rebensburg zwar schon im Ziel, als das Rennen im Zwergstaat wegen eines Sturzes von Cornelia Hütter aus Österreich unterbrochen wurde. Just in der Zeit flachte der Wind im ersten Teil der Strecke ab, und Puchner konnte ihren entscheidenden Vorsprung herausfahren.

Als die Österreicherin über die Ziellinie kam, schien sich die Athletin vom SC Kreuth hinter ihren Ski verstecken zu wollen. Nach 14 Siegen in ihrer Paradedisziplin Riesenslalom und zwei im Super-G hätte Rebensburg erstmals in der Abfahrt jubeln können. Die bis dato letzte Athletin des Deutschen Skiverbands ganz oben auf einem Abfahrtspodium war Maria Höfl-Riesch im Januar 2014 in Cortina.

Bei der Siegerehrung hatte Rebensburg die Enttäuschung überwunden. Mit der Platzierung nach einer durchwachsenen Speed-Saison und mauen Trainingsläufen hatte sie selbst nicht gerechnet. »Das war ein Riesensprung nach vorne«, sagte Coach Graller. Seine Athletin war in dem Winter nur bei fünf Schussfahrten angetreten, um sich zu schonen und auf den Riesentorlauf zu fokussieren. Nachdem sie dreimal die Top Ten verpasste, war Platz zwei nun ein Mutmacher für die nächste Saison.

Dann will die erfahrene Sportlerin und Riesenslalom-Vizeweltmeisterin weiter abwägen, wie viele Abfahrten samt der aufwendigen Trainings in ihren Zeitplan passen. Mehr im Fokus stehen soll der Super-G, der beim Weltcup-Finale am Donnerstag (10.30 Uhr) ansteht. Dort sollen die Hundertstelsekunden dann endlich mal auf Rebensburgs Seite sein.