Fahrkartenautomat
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Ratlosigkeit bei 9-Euro-Ticket – Landratsamt: Busunternehmer selbst zuständig

Berchtesgadener Land – In nicht einmal zwei Wochen soll es gelten, das von der Bundesregierung eingeführte 9-Euro-Ticket, mit dem man den Lokal- und Regionalverkehr jeweils einen Monat lang nutzen kann, zumindest bis Ende August. Doch viele Fragen sind noch offen, zum Beispiel, wo man die Tickets kaufen kann oder wie die Unternehmer den Einnahmeausfall ersetzt bekommen. 


»Zum Start der Aktion müssen auch alle Ticketautomaten an Bahnhöfen, Haltestellen und in Bussen umgestellt und umgerüstet werden, wer bezahlt das?«, fragt so auch Busunternehmer Thomas Richter. Keine Antworten erhält er aus dem Landratsamt: Verkehrsmanager Johann Wick informiert auf eine schriftliche Presse-Anfrage, der Landkreis sei in die Planungen nicht unmittelbar eingebunden. Fragen gibt es genug, die auch Fahrgäste jetzt schon an die Chauffeure und diese an die Busunternehmer weitergeben. »Was ist mit Besitzern von Wochen-, Monats- und Jahreskarten, wie bekommen die die Differenz für die drei Monate ersetzt, gutgeschrieben?« Wick wiederholt hierzu allgemein, dass der Bund für die Zeit von Juni bis August 2022 die Einführung eines 9-Euro-Monatstickets für den gesamten öffentlichen Personennahverkehr beschlossen habe.

»Die ÖPNV-Aufgabenträger, also zum Beispiel die Landkreise, sind bislang nur über die wesentlichen Eckpunkte des neuen bundesweit gültigen Tickets in Kenntnis gesetzt worden, aber noch nicht über das genaue Verfahren zur Ermittlung und Auszahlung des durch die Ticketausgabe verursachten Defizits«, gemeint sind also die fehlenden Einnahmen. »Aufgrund der fast ausschließlich eigenwirtschaftlich erbrachten Verkehrsleistungen im Bereich der ÖPNV-Aufgabenträgerschaft des Landkreises Berchtesgadener Land ist der Landkreis – in Gegensatz zu Verkehrsverbünden – nicht unmittelbar in die Planungen eingebunden.« Das bedeutet demnach, die Busunternehmer müssen sich selbst darum kümmern, wer die Defizite ausgleicht.

Viele klassische Ausflugsziele fürchten einen Ansturm im Sommer, wenn 9-Euro-Ticket-Benutzer ihren Fahrschein auch am Wochenende ausnutzen wollen. Diese Angst hat der Verkehrsmanager nicht, denn »in den öffentlichen Verkehrsmitteln ist aktuell die Auslastung noch nicht wieder auf dem Vor-Corona-Niveau angelangt und die Kapazitätsreserven werden aktuell noch höher als vor der Pandemie eingeschätzt«. Darüber hinaus könne der ÖPNV für Inhaber der Gästekarten ohnehin bereits kostenfrei genutzt werden.

Ein günstiges Monatsticket sei zwar zu begrüßen, aber für attraktive Bus- und Bahnverbindungen sei ein Zusammenspiel aus mehreren Faktoren entscheidend. »Der Landkreis setzt mit der Umsetzung des Nahverkehrsplans auf eine deutliche Angebotsausweitung, also Taktverdichtung der Linienbusverkehre, bessere Umsteigezeiten an den Knotenpunkten sowie auf ein flächendeckendes und bedarfsorientiertes On-Demand-Angebot«. Letzteres bezieht sich auf ein Rufbus-System, das eingeführt werden soll.

Als weiterer wesentlicher Bestandteil seien langfristig günstige und attraktive Tarife entscheidend. »Hierfür arbeitet der Landkreis intensiv am Aufbau eines gemeinsamen Verkehrsverbundes mit den Nachbarregionen«.

hud