weather-image
15°

Rasant und im sicheren Galopp

Berchtesgaden – Wenn der Kulturkreis Berchtesgaden zum Konzert lädt, darf man in der Regel Besonderes erwarten. Die Konzerte am Jahresende im Schönhäusl stehen seit ein paar Jahren genau dafür. Mit dem Gitarristen Alfred Schillmeier gelang es eindrücklich, sicher auf dieser selbst gezogenen Linie zu balancieren. Der Musiker aus Bergen begeisterte und überzeugte mit virtuosem und filigranem Spiel bei einem Konzert der leisen Töne, die dennoch knisternde Spannung auszulösen vermochten und von denen man keinen einzigen verpassen mochte.

Faszinierte die Zuhörer beim Schönhäusl-Konzert des Kulturkreises Berchtesgaden: Alfred Schillmeier. Foto: Anzeiger/Meister

Francisco Tárrega, Atahualpa Ypanqui, Hector Ayala, Antonio Lauro, Namen, die der hiesige Musikliebhaber bisher kaum gekannt haben dürfte. Südamerikanische Komponisten dominieren das Programm Schillmeiers wesentlich. Weitestgehend unbekannte Wohlklänge allerdings, die neugierig machten.

Anzeige

Zwischendurch die Romanze aus dem Film »Jeux interdits« (»Verbotene Spiele«), ein Ohrwurm. Den es aber nicht unbedingt gebraucht hätte, um auch den letzten Zuhörer von Schillmeiers überragender Spieltechnik und hoher Fingerfertigkeit zu überzeugen. Schillmeier braucht keinen Notenständer, hat die Musik »im Kopf« verinnerlicht. Und tritt offensichtlich mit der Musik und seinem Instrument in Dialoge. Auch optisch faszinierte dies.

»Serenata de Guitarra Clásica« hatte er seinem Konzert als Titel gegeben. So heißt übrigens auch eine vor einigen Jahren erschienene CD.

Vor dem offiziellem musikalischen Schlusspunkt des Abends, einer für Sologitarre arrangierten Filmmusik aus einem Italo-Western von Enno Moricone, dem dann noch eine Zugabe folgte, hatte Alfred Schillmeier, auch Initiator der Traunsteiner Gitarrenkonzerte, einen Block mit Kompositionen von David Qualey installiert, einem Amerikaner, der in Norddeutschland lebt. Und dessen Name mit dem so genannten »Fingerstyle« in Verbindung gebracht wird.

Die schnellen Finger besitzt Alfred Schillmeier neben anderen zum Staunen animierenden Fertigkeiten zweifellos. Als der Qualey in Traunstein zu Gast war und Schillmeier gerade den »Ritt des kopflosen Reiters« einstudierte, hat ihm der Komponist geraten: »Alfred, das Pferd darf nicht ins Straucheln kommen.« Das passierte nicht beim rasanten »The Ride Of The Headless Horseman« und auch nicht bei den anderen Stücken, die der Musiker seinem am Ende sehr begeisterndem Publikum darbot. Dieter Meister