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Queen gratuliert: Briten verneigen sich vor Murray

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Andy Murray bescherte den Briten einen Tag des Triumphs. Foto: Kerim Okten Foto: dpa

London (dpa) - Sogar die Queen gratulierte zum historischen Wimbledon-Coup. Premierminister David Cameron forderte den Ritterschlag für Andy Murray und beförderte ihn kurzerhand zum Traumfänger und Stimmungsaufheller für das ganze Land.


Das Vereinigte Königreich verneigte sich vor dem Schotten, der in einer ersten Aufarbeitung seiner Heldentat überraschend nüchtern wirkte. »Hier zu gewinnen, ist das Größte, was man im Tennis erreichen kann«, analysierte der Olympiasieger vor der Weltpresse. Wie immer lächelte Murray nur selten, stützte das Kinn auf die Hand oder spielte mit dem Mikrofonständer.

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Die ganz großen Gefühle hatte der 26-Jährige bereits unmittelbar nach seinem bemerkenswert souveränen 6:4, 7:5, 6:4 gegen den Weltranglisten-Ersten Novak Djokovic gezeigt, als er den heiligen Rasen geküsst hatte. Endlich war die britische Sehnsucht nach einem eigenen Wimbledonsieger gestillt - nach mehr als 28 000 Tagen Wartezeit, errechneten die Medien. »Nach 77 Jahren, 15 Premiers und drei Monarchen...« stellte die »Sun« auf Seite eins fest.

Alle Zeitungen räumten am Montag ihre Titelblätter frei und druckten ganzseitige Bilder des neuen Wimbledon-Königs, der darauf entweder die begehrteste Henkeltrophäe seiner Sportart küsste oder sie mit einem erstaunt-erleichterten Grinsen in die Höhe stemmte. »Nach 77 Jahren ist das Warten vorbei«, dichtete »The Daily Telegraph«.

Spätestens an diesem 7.7. ist aus dem anfangs so schwierigen Verhältnis der Briten zu dem Tennisprofi aus dem kleinen schottischen Örtchen Dunblane eine Liebesbeziehung erwachsen. »Ich habe durchgehalten«, sagte Murray. »Wahrscheinlich ist das die Geschichte meiner Karriere. Ich hatte heftige Niederlagen zu verkraften, aber das eine, was ich sagen kann: Ich habe mich immer ein bisschen verbessert. Ich habe immer alles gegeben.«

Seit 1936 waren die Möchtegern-Nachfolger des legendären Fred Perry alle gescheitert. Zuletzt Tim Henman viermal im Halbfinale. »Jedes Jahr stellten die Leute die gleichen Fragen. Jetzt muss er nie wieder Fred Perrys Namen hören«, sagte der amerikanische BBC-Experte John McEnroe.

Auf Murrays austrainierten Schultern lastete seit Jahren der Druck einer ganzen Nation. Seine ersten vier Grand-Slam-Endspiele hatte er verloren, von ehemaligen Größen wie Virginia Wade war er als »drama queen« verspottet worden. 2012 stand er hier schon einmal im Finale, unterlag Roger Federer und musste seine Rede bei der Siegerehrung mit tränenerstickter Stimme mehrmals unterbrechen.

Auch an jenem Sonntag, der Eingang fand in die Geschichtsbücher, flossen reichlich Tränen. Murrays Mutter Judy, die er bei seiner ersten Gratulationsrunde in der Spielerbox fast vergessen hätte, rieb sich die Augen. Selbst der bärbeißige Coach Ivan Lendl, selbst nie Wimbledonsieger, schluckte mehrfach. Seine Augen hatte er hinter einer sehr dunklen Sonnenbrille versteckt.

Noch nie in der langen Geschichte der Offenen Englischen Tennis-Meisterschaften wurde es so laut auf dem Centre Court wie am 7. Juli 2013 um 17.24 Uhr (Ortszeit) nach dem vierten Matchball Murrays. »Großbritannien hat gedacht, dass dieser Tag nie kommen würde«, schrieb der »Independent«. Für den »Daily Express« war »magic Murray« geboren, für die »Times« der »Junge für die Geschichtsbücher«. Das britische Fernsehen vermeldete Rekordquoten.

Direkt nach dem erst am Ende hochklassigen Finale hatte Queen Elizabeth II. eine »private Botschaft« an Murray geschickt, wie der Palast vermeldete. Für Cameron hob Murray »den Gemütszustand des ganzen Landes«. Er habe dem United Kingdom gezeigt, dass sich Träumen lohne. Und: »Ich kann mir keinen vorstellen, der eine Ehrung mehr verdient hätte.« So war es am Montag nicht nur die »Daily Mail«, die sich sicher war: »Bald wird es heißen: Erhebe Dich, Sir Andy!«

GROSSBRITANNIEN:

»The Guardian«: »Murray bezwingt den Everest des Sports und lässt das Herz einer Nation erglühen.«

»The Times«: »The History Boy - Nach dem historischen Sieg in Wimbledon fühlt Andy Murray, wie sich der Druck legt.«

»The Sun«: »Andy Murray platziert einen historischen Schmatz auf die Wimbledon-Trophäe. Endlich: Nach 77 Jahren, 15 Premierministern und drei Monarchen gewinnt ein Brite Wimbledon.«

»Independent«: »Ein unvergesslicher Triumph. Eine Inspiration für jeden, der zugeschaut hat. Auf diesen Moment hat die Nation 77 Jahre lang gewartet, am Ende kam der Sieg im leichten Galopp.«

»Daily Mail«: »Der Ritter von Wimbledon - Jetzt wird es heißen: Erhebe Dich, Sir Andy!«

FRANKREICH:

»L'Équipe«: »Dieser Triumph belohnt Nerven aus Stahl, brillante Karriereentscheidungen und eine große Fähigkeit, sich an den Rasen anzupassen. Um zu verstehen, welch' tonnenschwere Last von den Schultern von Murray fällt, muss man Brite sein.«

»Le Parisien«: »Murray wird zum Volksheld.«

»Le Figaro«: »Andy Murray beendet 77 Jahre Wartezeit in Großbritannien.«

SPANIEN:

»El Mundo«: »Murray begleicht die Rechnung mit der Geschichte. Der Sieg in Wimbledon macht ihn zum Erben von Fred Perry, dem nun vorletzten britischen Sieger vor 77 Jahren. Ein enttäuschender Djokovic wurde klar bezwungen.«

»As«: »Murray erbt das Vermächtnis von Fred Perry. Djokovic erlag den Aufschlägen des Schotten, die 210 Stundenkilometer erreichten.«

»El País«: »Murray schreibt die Geschichte um. Der Schotte ist der erste Brite, der Wimbledon seit dem Triumph von Fred Perry vor 77 Jahren erobert.«

»Sport«: »Djokovic vom Platz gefegt. Murray ist der neue König von Wimbledon.«

»Mundo Deportivo«: »HELD. Andy Murray schafft einen legendären Triumph in Wimbledon 77 Jahre nach dem letzten britischen Titelgewinn.«

»Marca«: »Gott erhalte Murray. Titelgewinn 77 Jahre nach Perry.«

SERBIEN:

»Informer«: »Nole setzt Murray die Krone auf.«

»Blic«: »Murray spielte wie im Rausch.«

SCHWEIZ:

»Blick«: »Nicht mal in Flushing Meadows - dem größten Tennis-Stadion der Welt - schien der Lärm so ohrenbetäubend wie gestern auf dem Centre Court in Wimbledon. Der coole Schotte hat die ultimative Nervenprobe bestanden. Das Tennis-Königreich 77 Jahre nach Fred Perry vom Fluch befreit.«

»Tages-Anzeiger«: »Wie berauscht zur grossen Erlösung. Andy Murray, der erste britische Wimbledon-Sieger seit 77 Jahren, wusste nicht, wie ihm geschah.«

»Neue Zürcher Zeitung«: »In Paris hatte er wegen Rückenproblemen pausiert - wahrscheinlich nicht zuletzt, weil er Wimbledon die ganze Aufmerksamkeit widmen wollte. Nun hat er an der Church Road Tennis-Geschichte geschrieben.«

ÖSTERREICH:

»Kronen-Zeitung«: »"Rasen-Held" Murray erlöste das Königreich.«

»Standard«: »Andy Murray erlöst Großbritannien. Wimbledon hat endlich wieder einen britischen Tennis-König: Andy Murray hat ausgerechnet an einem 7.7. 77 Jahre nach Fred Perry die gesamte Insel in Freudentaumel versetzt...«

»Die Presse«: »Murray gewinnt Wimbledon - das Ende einer Odyssee. 77 Jahre wartete Großbritannien auf einen Heimsieg im Herren-Einzel. Andy Murray erlöste Sonntagnachmittag eine ganze Nation.«

SCHWEDEN:

»Dagens Nyheter«: »Murray hat den Fluch gebrochen - Großbritannien hat 77 Jahre gewartet. Am Sonntag übertraf Andy Murray alle Erwartungen des heimischen Publikums.«

»Svenska Dagbladet«: »Es hat seine Zeit gedauert. Aber nun ist das Warten endlich vorbei. Die Frage ist, ob Andy Murray nicht geadelt wird, nachdem er sich als erster Brite seit Fred Perry 1936 in Wimbledons Siegerrolle eingeschrieben hat.«

NORWEGEN:

»Aftenposten«: »Der Augenblick, auf den Großbritannien 77 Jahre gewartet hat - Andy Murray setzt dem britischen Wimbledon-Ärgernis ein Ende.«

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