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Profitabler Klimaschutz als Ziel

Bad Reichenhall (lra) - 120 Bürger und Experten beteiligen sich an der Erstellung des Klimaschutzkonzeptes für den Landkreis Berchtesgadener Land. Mit der vom Kreistag beschlossenen Erarbeitung eines Klimaschutzkonzeptes wird das konkrete Ziel verfolgt, den Energiebedarf im Landkreis in den Bereichen Strom, Wärme und Mobilität bis im Jahr 2030 ausschließlich aus erneuerbaren Energien zu decken. Der Einladung des Landkreises zur Auftaktveranstaltung im Landratsamt folgten kürzlich über 120 »Energieakteure« wie Unternehmer, Energieberater, Gemeinde- und Verbandsvertreter sowie Bürgerinnen und Bürger.

Nach drei Stunden intensiver Diskussion in den Arbeitsgruppen wurden über 15 konkrete Maßnahmenideen entwickelt, die in der Folge aufgegriffen und umgesetzt werden sollen. Landrat Grabner zeigte sich beeindruckt von der Motivation, mit der sich die Teilnehmer in die Diskussionen der vier Arbeitsgruppen »Rund ums Haus«, »Energiemanagement in Unternehmen«, »Regionale erneuerbare Energieerzeugung und -versorgung« und »Mobilität« einbrachten. Zu Beginn stellte er die bisherigen Erfolge im Landkreis heraus und appellierte, dass sich die Energiewende und Anstrengungen zum Klimaschutz nur gemeinsam mit allen beteiligten Gruppen der Region meistern lassen.

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Diese Einschätzung konnten Michael Wedler und sein Team von B.A.U.M. Consult München, beauftragt mit der Konzepterstellung, bestätigen. Im ersten, sehr zeitintensiven Arbeitsschritt hat das Unternehmen seit April von den Gemeinden, Fachverwaltungen, Energieversorgungsunternehmen und anderen Institutionen umfangreiche Daten erhoben, um zunächst für den Landkreis eine Energie- und Kohlendioxid-Bilanz sowie eine Potenzialanalyse zu erheben.

Bei der Vorstellung seiner Zwischenergebnisse zu Energiebilanz und Potenzialanalyse zeigte sich, dass die Energieverbräuche der öffentlichen Liegenschaften nur wenige Prozent des Gesamtenergieverbrauchs der Region ausmachen. Deren vorbildliche Entwicklung in Sachen Energieeinsparung und Einsatz erneuerbarer Energie dient vielmehr als wichtiges Vorbild und Anlass für die örtliche Handwerkerschaft, sich auf neueste und kommende Anforderungen der energetischen Gebäudeoptimierung einzustellen.

Schwergewichte des Energieverbrauchs sind die Haushalte - vor allem mit ihrem Wärmebedarf - und die Wirtschaft. Beide Sektoren zeigen in den letzten 10 bis 20 Jahren sinkende Energieverbräuche. Anders der Bereich Verkehr. Hier sind die Verbräuche seit 1990 um 13 Prozent gestiegen.

Aus der Untersuchung der realisierbaren Einspar-, Effizienz- und Erzeugungspotenziale, die er gemeinsam mit Prof. Bernhard Zimmer vom Bayerischen Institut für nachhaltige Entwicklung erarbeitet hat, stellte Wedler Szenarien für das Jahr 2035 vor. Nach denen ist bilanziell eine Deckung des regionalen Strombedarfs aus heimischen erneuerbaren Energien mehr als möglich (130 Prozent - hauptsächlich Ausbau von Wasserkraft, Fotovoltaik und einigen Windkraftanlagen). Im Wärmebereich kann bei erheblichen Einsparungen um 40 Prozent durch Gebäudesanierung die Hälfte des künftigen Bedarfs aus heimischen Energiequellen gedeckt werden (Biomasse, Solarthermie und Erdwärme).

Im Verkehrsbereich gibt es kaum Potenziale zur eigenen Versorgung. Mit einem forcierten Einsatz von Elektroantrieben können Stromüberschüsse genutzt werden. Die Königsseeschifffahrt beispielsweise praktiziert dies bereits erfolgreich. Auch der Umstieg auf mehr öffentliche Verkehrsmittel sollte in einer ländlichen Region wie dem Landkreis Berchtesgadener Land möglich sein.

Die von den Teilnehmern erarbeiteten Maßnahmenvorschläge zeigen die Richtung: Es werden flexible bedarfsgerechte Angebote benötigt. Auch Gäste werden dies nutzen, wenn es bequem mit einer Tourismuskarte über die Kurtaxe läuft.

Für die Unternehmen und Haushalte sollen systematisch aufeinander abgestimmte Angebote, Informationen und Beratungsangebote helfen, die Effizienz- und Einsparpotenziale ausfindig zu machen und gerade wirtschaftliche Möglichkeiten aufzuzeigen. Profitabler Klimaschutz ist die Devise.

Die verschiedenen Projektideen werden über die Sommerpause von allen Beteiligten weiterentwickelt und in der zweiten Regionalkonferenz am 11. Oktober abschließend in das Klimakonzept eingebracht. Ende 2012/Anfang 2013 wird der Konzeptentwurf dann dem Kreistag vorgestellt werden können.