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Gemeinderat von Seeon-Seebruck hinterfragte Nahversorgungskonzept für Seeon kritisch

Professionelle Hilfe für ein intaktes Dorfleben

Seeon-Seebruck – Die Schließung von Geschäften bekommen vor allem die Menschen auf dem Land zu spüren. Es droht eine Unterversorgung, unter der auch das soziale Leben in einem Dorf leidet. Ganz nach dem Motto: Ist der letzte Krämerladen erst einmal geschlossen, dauert es nicht mehr lang, bis im Ort die Lichter ausgehen. Auch die Seeoner machen sich Sorgen um ihre Nahversorgung.

Die ortsansässige Bäckerei hat quasi über Nacht zugesperrt und aktuell kursieren Gerüchte, dass sich auch die Apotheke aus dem Ort verabschieden möchte. Übrig bleiben dann noch ein Lebensmittelgeschäft, ein Getränkemarkt und ein Friseur. »Wenn dann auch noch die Dienststelle der Gemeinde wegfällt, bricht schön langsam alles weg«, befürchtet Gemeinderat Stefan Berger von der Freien Wählergemeinschaft Seeon (FWS). Deshalb hat die FWS in der Gemeinde einen Antrag gestellt, durch einen unabhängigen Anbieter ein Nahversorgungskonzept erstellen zu lassen.

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Der Antrag wurde in der jüngsten Gemeinderatssitzung behandelt und kritisch hinterfragt. Die FWS verspricht sich durch einen externen Gutachter eine professionelle Hilfestellung, die fundiert aufzeigt, wo überhaupt angesetzt werden soll oder kann. Es sei schwierig, nach was man suchen soll, versuchte Martin Bartlweber (FWS) dem Gremium verständlich zu machen. Deshalb wäre in seinen Augen zunächst eine Hilfe von außen sinnvoll, um festzustellen, »was braucht man am Ort und was ist realisierbar.« Er stellte auch zur Diskussion, das Konzept schrittweise auf das gesamte Gemeindegebiet auszuweiten.

Rudi Mayer von der Freien Wählergemeinschaft Seebruck (FWGS) unterstützte den Antrag der FWS: »Wir sollten zuerst einen Profi beauftragen, der uns Daten an die Hand gibt, und hinterher über diese Daten dann in einem Arbeitskreis diskutieren«, schlug Mayer vor. Dritter Bürgermeister Andreas Dorn (FWGS) erklärte, er habe das Thema auch auf Seebruck bezogen schon mehrfach angesprochen und werde den Antrag deshalb auch unterstützen. Die Gründung eines Arbeitskreises hatte auch Josef Freiwang (CSU) vorgeschlagen. Allerdings mit der Maßgabe, die Seeoner Bürger mit ins Boot zu nehmen.

»Wir müssen die Leute mit einbinden«, forderte auch seine Fraktionskollegin Christine Eglseer. Zweite Bürgermeisterin Martha Gruber (PWT), die sich auch nach den Kosten eines Konzepts erkundigte, sprach Klartext: »Wir müssen uns selber an der Nase nehmen und daheim einkaufen.« Über die Kosten eines Nahversorgungskonzepts durch einen externen Gutachter wurden keine konkreten Angaben gemacht.

Bürgermeister Bernd Ruth, der sich des Versorgungsproblems durchaus bewusst ist, warnte davor, die Erwartungshaltung an ein solches Konzept zu hoch anzusetzen. Er bot dem Gemeinderat an, sich an einem Samstagvormittag für zwei Stunden zu treffen und ausführlich darüber zu diskutieren. Auch Sepp Daxenberger (CSU) warnte vor einer zu hohen Erwartungshaltung. Die Umsetzung eines Konzepts mit oder ohne professionelle Hilfe funktioniere nur dann, wenn auch die Wirtschaftlichkeit gegeben sei, sagte Daxenberger.

Sein Fraktionskollege Michael Regnauer schlug in dieselbe Kerbe, fand aber, dass der Antrag ein guter Ansatz sei. »Wir sollten das Thema nicht wegdelegieren«, sagte er und unterstützte den Vorschlag des Bürgermeisters für eine interne Klausur. Franz Wörndl (CSU) bot an, für das Gespräch einen Experten hinzuzuziehen. Das Gespräch soll im Mai oder Juni stattfinden. ga