Prof. Dr. Ketterl als medizinischer Ansprechpartner beim Biathlon-Weltcup: »Unsere Arbeit hat sich verlagert«

Bildtext einblenden
Professor Dr. Rupert Ketterl ist auch in diesem Jahr mit seinem Team für die ärztliche Versorgung der Biathleten und Helfer zuständig. Dabei gibt's für ihn wegen der Corona-Pandemie ein neues Aufgabengebiet. (Foto: Brenninger)

Seit 1996 ist Professor Dr. Rupert Ketterl mit seinem Team beim Biathlon-Weltcup als medizinischer Ansprechpartner vor Ort. Doch in diesem Jahr ist vieles anders als sonst für das erfahrene Ärzteteam. »Unsere Arbeit hat sich verlagert«, berichtet Ketterl. »Es dreht sich vieles jetzt um das Thema Corona.« Für ihn konkret bedeutet das, dass er in den Weltcup-Tagen eben auch den einen oder anderen Abstrich machen muss. »Wenn jemand positiv ist, dann muss man zudem einige Dinge regeln und Abläufe koordinieren«, erklärt Ketterl, der auch Covid-Beauftragter des Ruhpoldinger Organisationskomitees ist. 


Bei den Sportlern hat er dabei festgestellt, dass kurz vor den Olympischen Spielen in Peking auch die Angst umgeht, sich noch anzustecken. »Alle Teams versuchen, das Infektionsrisiko so gut es geht zu minimieren«, berichtet er. Auch bei den Helfern, die bei diesem Geister-Weltcup deutlich weniger als sonst sind, wird engmaschig getestet und der eine oder andere fällt deswegen auch mal kurzfristig aus. »Im Hintergrund ist also durchaus auch Unruhe, die man abfedern muss.«

Auch das Ärzteteam ist diesmal mit einer kleineren Gruppe beim Weltcup vertreten. »Wir müssen in diesem Jahr ja keine Zuschauer betreuen«, sagt Ketterl. »Damit fällt natürlich ein Großteil unserer Arbeit weg.« Diese beginnt übrigens bereits beim ersten Training des Tages. »Da muss schon ein Arzt vor Ort sein«, informiert er. Während der Rennen sind dann sogar drei Ärzte in der Chiemgau-Arena, um die einzelnen Stationen besetzen zu können. »Einer von uns muss beispielsweise immer im Zielbereich sein«, erklärt Ketterl. »Wenn die Sportler dann ausgepowert sind, kann es durchaus mal sein, dass sie auch mal Hilfe benötigen.« Da müsse man eben sofort reagieren und eingreifen können, schiebt der erfahrene Unfallchirurg, der seit rund zweieinhalb Jahren im Ruhestand ist, hinterher.

Beim Sprint der Männer am Donnerstag war Ketterl selbst im Zielbereich und bei der Siegerehrung im Stadion kurz nach dem Rennen dann ebenfalls hautnah dabei – und hatte auch die leere Zuschauertribüne im Blick. Ein tristes Bild. »Es ist schon eine sonderbare Stimmung«, betont er. »Wenn man die Wettkämpfe so ohne Zuschauer erleben muss, dann ist das schon etwas anderes. Es fehlt etwas.« Letztlich gehe man schon am Morgen »mit einem ganz anderen Gefühl als sonst in die Arena rein und am Abend dann auch wieder mit demselben Gefühl raus«.

Dennoch blickt Professor Dr. Ketterl auch mit Zuversicht auf die kommenden Monate. Er gehe davon aus, dass der Weltcup 2023 in Ruhpolding wieder mit Fans sein werde. »Wir werden uns auch weiterhin mit dem Thema Corona befassen müssen, aber halt in einer anderen Art und Weise«, glaubt der erfahrene Mediziner, der unter anderem noch an der Krankengymnastikschule in Traunstein unterrichtet und über den Kreistag auch nach wie vor im Aufsichtsrat der Kliniken sitzt. So ein wenig arbeiten wolle er in Zukunft auch, sagt er.

Und deshalb wird Professor Dr. Rupert Ketterl, der mit seinem Ärzteteam übrigens auch andere Biathlon-Veranstaltungen in der Chiemgau-Arena betreut, auch nächstes Jahr beim Weltcup wieder dabei sein. Und er verrät auch noch, was ihm daran neben dem Kontakt mit den ganzen Spitzensportlern aus der ganzen Welt besonders viel Freude macht: »Das ist hier doch auch ein bisschen Familie geworden. Im Laufe der Jahre hat man viele Bekanntschaften gemacht.«

SB