weather-image

»Pro Musica Salzburg« beim »Musiksommer«

0.0
0.0
Bildtext einblenden
Die Solo-Flöte (rechts) hatte in den einzelnen Werken viel zu sagen. Das Orchester »Pro Musica Salzburg« unter der Leitung von Professor Wilfried Tachezi gastierte im Rahmen des »Musiksommers zwischen Inn und Salzach« in der Ruhpoldinger Pfarrkirche. (Foto: Janoschka)

Das Konzert im Rahmen des »Musiksommer zwischen Inn und Salzach« in der Pfarrkirche St. Georg in Ruhpolding mit dem Orchester »Pro Musica Salzburg« unter der Leitung von Professor Wilfried Tachezi war gleichzeitig das Auftaktkonzert der 14. Ruhpldinger Konzerttage.


Pfarrer Otto Stangl freute sich in der Begrüßung, dass das Orchester bereits zum 12. Mal bei der Kulturinitiative Ruhpolding zu Gast ist. Deren Vorstandsmitglied und Cellist im Orchester, Simon Nagl, begrüßte alle Gäste und Ehrengäste, darunter die Bürgermeister von Traunstein und Ruhpolding, Christian Kegel und Claus Pichler. Er dankte allen Verantwortlichen und drückte seine Freude darüber aus, dass das Konzert mit »Pro Musica Salzburg« auch heuer in die Musiksommer-Konzertreihe aufgenommen worden war.

Anzeige

Das hochkarätige Programm mit der Sinfonie Nr. 104 D-Dur mit dem Beinamen »Londoner« von Joseph Haydn (1732 bis 1809), der Ouvertüre zur Oper »Der Freischütz« von Carl Maria von Weber (1786 bis 1826) und mit der Sinfonie Nr. 8 in G-Dur, op. 88 von Antonin Dvorak (1841 bis 1904) wartete mit musikalischen Höhepunkten des 18. und 19. Jahrhunderts auf. Das Orchester auf der Bühne des Altarraums begeisterte das Publikum mit seiner engagierten Interpretation voller Transparenz sowie einer spannenden, dynamischen Gestaltung und setzte das Konzept des Musiksommers, das in einer gelungenen Verbindung zwischen herausragender Musik und bedeutender Architektur in der oberbayerischen Landschaft liegt, wirkungsvoll um.

Professor Wilfried Tachezi, der diesen September 83 Jahre alt wird, saß beim Dirigieren zwar auf einem Hocker, »weil er nicht mehr hatsch’n kann,« wie er im Pausengespräch sagte, aber »das Musizieren mit diesen ambitionierten Musikern sei für ihn höchste Erfüllung und Freude«, was sich sicht- und hörbar in der Musik zeigte – einer der Gründe, warum ein Live-Konzert das menschliche Empfinden tiefer zu berühren vermag als eine CD.

Nach der langsamen Adagio-Einleitung des ersten Satzes der Haydn-Sinfonie folgten ein bewegtes Allegro und der variationsreiche zweite Andante-Satz, in dem die Solo-Flöte ausdrucksstark zu Wort kam. Das Menuett erklang ganz im Stil eines höfischen Tanzes, den sich der Zuhörer im barocken Rahmen der Kirche gut vorstellen konnte. Fast wie ein Quodlibet wirkte danach das Spirituoso im Finale, wo die Begleitung mit dem immer gleichen Intervall, aber in unterschiedlicher Höhe wie eine Melodie durch die Instrumentengruppen wanderte.

Ein beschwörender Anfang in der Ouvertüre zum Freischütz, wunderbare Melodien in den Celli, denen das Pizzicato der Kontrabässe leicht Bedrohliches verlieh, und das Tremolo der Streicher zauberte die authentische Stimmung der Wolfsschlucht in den Kirchenraum. Der Einschub der aus der Oper bekannten Melodien machte neugierig auf die kommenden Ereignisse der Handlung. Durch kompositorische Gags wie etwa ein kurzes Glissando in den Posaunen verfremdete Weber eine heitere Melodie ins Düstere und stimmte so den Zuhörer erwartungsvoll. Einer Kehrtwende gleich entwickelte sich dann daraus ein neuer Anfang – das glückliche Ende der romantischen Oper wird hier bereits vorweggenommen.

Was Johannes Brahms in Dvoraks 8. Sinfonie aus seiner Sicht heraus noch »als Fragmentarisches und Nebensächliches« bezeichnete, erklang in diesem Musiksommer-Konzert als melodienreiche Tondichtung, die im Kopfsatz »Allegro con brio« mit einer wunderbaren Legato-Melodie begann. Nach dem Adagio beeindruckte auch das tänzerische Allegretto grazioso mit einfallsreichen, musikalischen Passagen, bevor das »Allegro ma non troppo« das Werk mit einem Fortissimo spannungsreich und wirkungsvoll zu Ende führte.

Mit begeistertem Applaus erklatschten sich die Zuhörer die delikat musizierte Ouvertüre zur Oper »Die Hochzeit des Figaro«. Brigitte Janoschka