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Premiere von »Pension Schöller« begeisterte

4.3
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Salztheater Traunstein GRabenstätt ension Schöller
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Gutsbesitzer Philipp Klapproth (Kurt Lohwasser) erzählt der Schriftstellerin Josephine Krüger (Verena Wannisch) seine abenteuerliche Lebensgeschichte. (Foto: Müller)

Grabenstätt – Wie schwer ist es doch schon im gewöhnlichen Leben, zu unterscheiden, wer verrückt ist und wer nicht? Verrückt sind meistens die anderen, Normalität und Wahnsinn letztlich nur eine Frage der Perspektive. Genau dies trifft den Kern von »Pension Schöller«, einer Posse in drei Aufzügen von Wilhelm Jacoby und Carl Laufs, die 1890 uraufgeführt wurde. Spätestens seit der umjubelten Premiere des Salztheaters Traunstein in der Theater-Strickerei Grabenstätt kann man die Frage, ob man mit so einem betagten Humor immer noch den Geschmack des Publikums trifft, mit einem klaren »Ja« beantworten.


Selbiges gilt freilich auch für die Frage nach der Fortexistenz der Verrückten, denn diese werden auch in den nächsten 128 Jahren nicht aussterben und das deftige Berliner Lustspiel ein »Dauerbrenner« auf den Bühnen bleiben. Seine Grabenstätt-Premiere hätte nicht besser verlaufen können, fand auch Regisseur Gerhard Brusche: »Ihr habt euch heute selbst übertroffen, ich bin unheimlich stolz auf euch«. Lang anhaltender Applaus, Jubelstürme und »Bravo«-Rufe waren für das Ensemble der verdiente Lohn für die harten Probenwochen.

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Gutsbesitzer Philipp Klapproth, großartig von Kurt Lohwasser mit Berliner-Dialekt interpretiert, möchte als nicht ganz ausgelasteter Privatier zu gerne einmal in der Weltstadt Berlin eine Irrenanstalt von innen sehen. Sein Neffe Alfred Klapproth (gelungene Bühnenpremiere von Sebastian Veres), der auf Onkelchens Alimente angewiesen ist, will ihn dabei unterstützen und schleppt ihn mangels Alternativen in die angesehene Berliner Familienpension »Pension Schöller«. Die extrovertierten Gäste erscheinen für einen Schwindel verrückt genug. Sie sind zwar klinisch unbescholten, aber tausendmal idiotischer, als es sich jeder Psychodoktor ausdenken könnte. Und so fühlt sich Onkel Klapproth auf Anhieb pudelwohl und amüsiert sich prächtig.

Zum illustren Käfig voller Narren zählen der Großwildjäger Fritz Bernhardy, fantastisch gespielt von Dirk Jaczek, die schreibwütige, wunderbar überdrehte Schriftstellerin Josephine Krüger, kongenial dargestellt von Verena Wannisch, Eugen Rümpel, ein Möchtegern-Schauspieler mit »l«-Sprachfehler, der die »Knassiker« der »Wentniteratur« rezitiert (Lukas Herschke kann einfach in jede Rolle schlüpfen), und der völlig unberechenbare Militarist Major a.D. Gröber, authentisch dargestellt von Dieter Bender.

Die Situation eskaliert, als Philipp Klapproth auf sein beschauliches Gut zurückkehrt und dort von den vermeintlichen Irren besucht wird. »Das muss ein Massenausbruch sein, ich muss den Direktor Schöller anrufen«, weiß er sich nicht mehr anders zu helfen. Auch seine verwitwete Schwester Ulrike Sprosser (Christine Pauli) ist dem Nervenzusammenbruch nahe.

Schöller, unverwechselbar gespielt von Walter Grünbauer, weiß aber nichts von seinem Berufswechsel, er führe nach wie vor eine seriöse Pension, »mit lauter anständigen Leuten«, wie er sich verwundert rechtfertigt. In den weiteren Rollen brillieren die Schwäbin Moni Weber (Schöllers Schwägerin Amalie Pfeiffer) und Juliane Grünbauer (deren Tochter Friederike). Für Live-Musik sorgen Sängerin Simone Berger und Pianist Wolfgang Wiedemann.

»Wenn es ihnen gefallen hat, gehen sie bitte in die Welt hinaus, erzählen sie es weiter, gehen sie zu ihrem Nachbarn, auch wenn sie ihn nicht mögen, bei unserem Programm in der Theater-Strickerei ist auch sonst für jeden etwas dabei«, wandte sich Brusche an die Besucher. Doris Biller hatte die Idee für Bühnenbild und Kostüme, die aus dem Fundus der Chorgemeinschaft Neubeuern des verstorbenen Enoch zu Guttenberg stammen. Das Begrüßungskomitee bildeten die Salztheater-Urgesteine Horst Kamml und Ala Plaul-Weingärtner.

Weitere Vorstellungen sind am morgigen Mittwoch, am Freitag, Sonntag, Mittwoch, 7., Freitag, 9., Samstag, 10., Freitag, 16. und Samstag, 17. November, jeweils um 20 Uhr. Karten gibt es unter Telefon 08664/457 (Christine Pauli) und 0177/32 16 064 mmü