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Preisschlacht im Bäckerhandwerk geht weiter – Qualität hat aber Bestand

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Vor allem Backwaren vom Discounter machen den Bäckern große Konkurrenz.

Traunstein – Der Preiskampf geht weiter, das Bäckersterben ebenso. Die Situation verschärft sich, denn vor allem das Fachpersonal fehlt. Trotzdem zeigt man sich bei der Bäckerinnung Berchtesgadener Land-Traunstein zuversichtlich, dass Qualität Bestand haben wird. Gegen die marktdominierenden Discounter-Preise wird es aber auch weiterhin kaum eine Chance geben.


Wer in den Discounter geht, bekommt Massenware aus »maschineller Herstellung«, so Irmengard Rossingoll von der Bäckerinnung Berchtesgadener Land-Traunstein. Die Ware werde mit entsprechend geeigneten Rohstoffen produziert – »mit einem Bruchteil von Mitarbeitern«. Das klassische Bäckerei-Handwerk dagegen sei personalintensiv. Hier werde der Teig gemacht, würden Brezen mit der Hand gelegt. Jeder Arbeitsschritt werde noch von Menschenhand erledigt.

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Bei der Bäckerinnung sei man daher zuversichtlich, dass es auch weiter Abnehmer für selbst gemachte Semmeln und Brezen, jene Wertarbeit der hiesigen Bäcker, geben wird. Selbst, wenn man noch keine Lösung dafür hat, wie man gegen die Discounter-Konkurrenz in Zukunft ins Rennen geht – und darin bleibt.

Die Situation sei nicht einfach, heißt es aus der Innung, und das schon seit Jahren. Vor allem, seit automatische Backstationen mittlerweile in fast jedem Discounter den Bäckern das Leben schwer machen und auf Knopfdruck aufgewärmte Semmeln, Croissants oder Pizzaecken ausspucken. Fachpersonal wird dafür nicht benötigt, nur sorgen Mitarbeiter dafür, dass die Automaten stets befüllt sind.

80 Cent für eine Breze sind beim Bäcker mittlerweile die Regel, bei Discountern kostet das Laugengebäck oft weniger als die Hälfte. Dennoch gibt es für die Bäckerinnung einen guten Grund, weiter den heimischen Bäcker aufzusuchen: die Waren würden aus regionalen Rohstoffen hergestellt und von Mitarbeitern, die tariflich bezahlt werden, produziert. Vergleichbar sei das mit der Milch einer heimischen Molkerei, die zwar teurer ist als manche andere Discounter-Milch. Man fördere aber den Regionalitätsbonus, den Erhalt der heimischen Milchwirtschaft, auch marketingtechnisch. Heimische Milch liege deshalb im Trend, trotz höherer Kosten.

Aktuell gibt es im Berchtesgadener Land etwas mehr als 20 eigenständige Bäckereibetriebe, im Landkreis Traunstein 27. In den vergangenen Jahren sind mehrere Filialen geschlossen worden, Bäcker haben aufgegeben. Allerdings haben die Bäcker nicht nur mit Billigpreisen zu kämpfen, sondern vor allem mit dem Mangel an Fachpersonal. »Es gibt kaum noch Bäcker oder Verkäuferinnen«, sagt Irmengard Rossingoll.

Ähnliches sagt auch schon der Obermeister der Bäckerinnung Berchtesgadener Land-Traunstein, Stefan Neumeier. So hätten Handwerker allgemein ein Problem, Nachfolger zu finden. Die Verantwortung, als Selbstständiger in einem schwierigen Markt zu agieren, sei groß. Nicht jeder möchte diese tragen. »Leider müssen manche Filialen geschlossen werden, weil das Personal fehlt«, sagt Rossingoll. Ein Punkt, weshalb wenige Bäcker lernen wollen, sei die Arbeitszeit: In der Nacht aufzustehen und mit der Arbeit zu beginnen, gilt als wenig attraktiv. kp

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