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Porträt: Richterin Syrowa leitet ersten großen Prozess

Moskau (dpa) - Mit scharfem Blick wacht Richterin Marina Syrowa über den aufsehenerregendsten Prozess in Russland seit Jahren. Stoisch verfolgt die 50-Jährige über ihre randlose Brille, was Anklage und Verteidigung im Verfahren gegen die drei jungen Künstlerinnen der kremlkritischen Punkband Pussy Riot ausführen.

Regungen erlaubt sie sich nicht: Ihre nach unten gezogenen Mundwinkel scheinen wie in Stein gemeißelt. Nachfragen presst sie leise zwischen ihren schmalen Lippen hervor.

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Das Verfahren ist ihr erster großer Prozess. 2008 wurde Syrowa von Putin zur Richterin ernannt. Und bislang hat sie sich lediglich um kleinere Delikte wie Einbrüche oder Taschendiebstahl gekümmert, wie der Kolumnist Dmitri Butrin schreibt.

Kritiker halten die Juristin mit der kinnlangen Betonfrisur nicht nur deshalb für eine willfährige Verwalterin in einem politisch motivierten Verfahren. Und Syrowa tut wenig, um diesen Eindruck zu zerstreuen. Sieben Befangenheitsanträge der Verteidigung gegen sich weist sie ab. Den Angeklagten gönnt sie nur kurze Pausen. «Antrag abgelehnt», schnarrt Syrowa wiederholt in Richtung des Plexiglas-Kastens, in dem die Künstlerinnen sitzen müssen. Mehrere Entlastungszeugen lehnt sie ab.

Berüchtigt ist die Richterin für ihre schnellen Urteile. 10 bis 15 Fälle pro Tag soll sie durchgepeitscht haben. Auch den Prozess gegen Pussy Riot scheint sie nach wenigen Marathonsitzungen von rund zwölf Stunden pro Tag zu den Akten legen zu wollen. Den drei jungen Frauen auf der Anklagebank im Moskauer Chamowniki-Gericht drohen allerdings wegen «Rowdytums» lange Haftstrafen.

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