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Porträt: Michail Saakaschwili

Tiflis (dpa) - Für den exzentrischen Machtmenschen Michail Saakaschwili (44) ist die Schlappe bei der Parlamentswahl gegen den reichsten Mann des Landes die größte Niederlage seines Lebens.

Saakaschwili
Kritiker bezeichnen Michail Saakaschwili (l) als «machtbewussten Demagogen» mit überdurchschnittlicher Intelligenz. Foto: Irakli Gedenidze Foto: dpa

Ruhig und gefasst verkündet er, dass er seinem Kontrahenten Bidsina Iwanischwili, dem reichsten Mann des Landes, das Feld überlassen werde. Dabei hatte er eben noch seinen Gegner als Kremlagenten und Freund seines Moskauer Erzfeindes Wladimir Putin beschimpft, der die Südkaukasusrepublik in eine Sowjetdiktatur zurückführen werde.

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Doch vier Jahre nach dem Südkaukasuskrieg, als Saakaschwili sein Land 2008 in einen aussichtslosen Kampf gegen Russland führte, will die Mehrheit der Georgier wieder bessere Beziehungen zum Nachbarn. Saakaschwilis alte Strategie, Wahlen zu einer Frage der nationalen Sicherheit vor einem Angriff Russlands zu stilisieren, scheiterte.

Zudem hatten sich viele frühere Gefolgsleute von dem einstigen Helden der Rosenrevolution, der 2003 Eduard Schewardnadse aus dem Amt drängte, abgewandt. Sie kritisierten Saakaschwilis abgehobene Selbstherrlichkeit und die autoritären Züge im Stile Putins.

Saakaschwilis Berater Raphael Glucksmann, Sohn des französischen Philosophen André Glucksmann, allerdings lobt den Präsidenten in diesen heißen Herbsttagen als lupenreinen Demokraten. Georgien sei unter ihm auf dem Weg in die EU und in die Nato vorangekommen.

Viele Georgier erkennen an, dass der einstige Held einiges erreicht hat. Sie nennen den Sieg über die früher extrem korrupte Verkehrspolizei, den Ausbau der Infrastruktur sowie große Erfolge gegen die Straßenkriminalität. Sie stören sich aber an der anhaltend hohen Armut und Arbeitslosigkeit.

Die Menschen in dem Land mit rund 4,6 Millionen Einwohnern kritisieren, dass es kaum Fortschritte gebe, die Machtführung einen ausschweifenden Lebensstil pflege und am Volk vorbei entscheide. Dass ausgerechnet vor der Wahl Videos von Folter und Vergewaltigungen in den Gefängnissen des Landes öffentlich wurden, ließ viele Georgier endgültig mit Saakaschwili brechen.

Nun hat der Parteichef der Vereinten Nationalen Bewegung zwar die Mehrheit im Parlament verloren. Er kann aber als Präsident noch bis Oktober 2013 im mächtigsten Amt des Landes bleiben. Dann läuft seine laut Verfassung zweite und letzte Amtszeit aus. Und er selbst gibt zu verstehen, dass er sich als Demokrat bewähren wolle.

Schon 2007 wandelte sich das Bild des einstigen Hoffnungsträgers Saakaschwili zu dem eines autokratischen Herrschers, der nicht vor Gewalt gegen das eigene Volk zurückschreckt. Als er im November 2007 Polizeiattacken mit Knüppeln, Gummigeschossen und Tränengas auf Regierungskritiker zuließ, wandten sich auch im Westen viele Verbündete enttäuscht von ihm ab.

Kritiker bezeichnen den groß gewachsenen Mann, der am 21. Dezember 1967 in Tiflis geboren wurde, als «machtbewussten Demagogen» mit überdurchschnittlicher Intelligenz. Neben seinem Studium in den USA arbeitete Saakaschwili in einer Anwaltskanzlei in New York und war später auch Lobbyist der Ölbranche. Der Vater von zwei Söhnen ist mit einer Niederländerin verheiratet.

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