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Polizisten sorgen für eine Sternstunde der Blasmusik

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Das Symphonische Blasorchester der Polizei Oberösterreich sorgte mit dem Konzert zum 175-jährigen Bestehen der Stadtkapelle Bad Reichenhall für einen eindrucksvollen Blasmusik-Abend. (Foto: Bauregger)

Es war eine gute, ja sehr gute Idee der Stadtkapelle Bad Reichenhall, anlässlich ihres 175-jährigen Bestehens, das Symphonische Blasorchester der Polizei Oberösterreich in die Kurstadt einzuladen. Die Besucherresonanz war zwar nicht so groß wie erwartet, dafür übertraf die Gastkapelle, mit ihrer mitreißenden Art alle Erwartungen. Man darf das Konzert getrost als eine Sternstunde der Blasmusik bezeichnen und diejenigen bedauern, die es versäumt haben.


Die etwa 70 Musikerinnen und Musiker bereiteten den Zuhörern, mit dem Vorspiel zum 3. Akt aus der Oper »Lohengrin« von Richard Wagner, einen ersten bemerkenswerten Hörgenuss. Bestechend bereits hier, mit welcher Leichtigkeit und Selbstverständlichkeit dieses anspruchsvolle Orchesterwerk erklang, engagiert und exakt geleitet von Magister Dr. Harald Haselmayr.

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Soli kommen immer wieder wunderbar zur Geltung

Die Moderation übernahm Michael Saler, der es genial verstand, die wichtigsten Details zu den aufgeführten Werken zu nennen, in einer trockenen Art und Weise immer wieder aber auch die Lachmuskeln der Zuhörer zu strapazieren.

Als zweites Musikwerk intonierte das Orchester die Ouvertüre zur Oper »Die Italienerin in Algier«, die Rossini 1813 in nur vier Wochen komponiert hat. Aus einem stillen, schreitenden Eingang löste sich die Oboe mit einem wunderbaren Solo. Auch im weiteren Verlauf wurde das Hauptthema immer wieder im Holzbläsersatz solistisch oder im Zusammenspiel moduliert. Wunderbar kamen die Soli an diesem Abend zur Geltung, weil sich das Gesamtorchester – mit sicherer Hand, engagiert und gefühlvoll geleitet von Magister Haselmayr – fein und rücksichtsvoll im Hintergrund hielt.

Der darauf folgende Konzertwalzer »Mein Lebenslauf ist Lieb‘ und Lust« begann mit einem Soloeinsatz der Hornisten und Trompeter und ging nach einer Dynamiksteigerung in eine Kadenz von Klarinette und Querflöte über. Die bekannte, wiederkehrende Melodie des Konzertwalzers von Josef Strauß versetzte die Zuhörer unvermittelt zurück in die musikalische Blütezeit Wiens.

Mit »Trumpet Town« gelang es dem zeitgenössischen Komponisten Otto M. Schwarz im Jahr 2009, ein hochklassiges Werk für sinfonische Blasmusik zu schreiben, in dem die Solotrompete eine tragende Rolle einnimmt. Othmar Engleder stellte sich dieser Herausforderung und löste die gestellte Aufgabe, auf der Trompete und dem Cornett mit sicherem, ausdrucksstarken Ton in allen Höhenlagen und vielschichtig geforderten Spieltechniken bravourös.

Ein weiteres fulminantes Werk für sinfonische Blasmusik stammt aus der Feder des Engländers Philip Sparke, der »Music for a Festival« 1985 – im Alter von 34 Jahren – als Auftragwerk für die Brass Band Meisterschaft komponierte. Markant erklingen die Melodien in minimalistischer Besetzung und konträr dazu im voluminösen Orchestersound. Das vielfarbige und vielschichtige Klangbild wechselt durch alle Register, geprägt von häufigen Rhythmuswechseln, synkopischen Passagen und einer starken Dynamik. Prägend sind auch Soloparts und Kadenzen des Fagotts, die harmonisch durch Nebensoli von Klarinette und Querflöte erweitert werden.

Mit Klangqualität und Virtuosität überzeugte im Anschluss auch Michael Keplinger auf seiner E-Gitarre mit dem Titel »Europa« von Carlos Santana. Sicher ein ungewöhnlicher, wenngleich sehr markanter Programmpunkt, der die vielfältigen Möglichkeiten sinfonischer Blasmusik offenbarte. Der zeitgenössische, ungarische Komponist Silvester Levay schuf das Musical »Mozart«, das 1999 in Wien uraufgeführt wurde. Im Rock-, Pop- und Klassikstil erklangen in dem Medley bekannte Titel wie »Mozart, Mozart«, »Hier in Wien« oder »Gold von den Sternen«. Effektvolle Nuancen erhielt der Vortrag durch Einsatz eines Glockenspiels, von Glockensäulen oder dem Solopart mit dem Xylofon.

Inspirierende Welt der Filmmusik des Jerry Goldsmith

Ewald Brunner und Michael Stadlbauer traten im Anschluss im Duett als Solisten auf ihrem Eufonium vor das Konzertpublikum. Der ehemalige Dirigent der Stadtkapelle, Thomas Hauber, Paukist im Polizeiorchester, hat das bekannte, von Sängern wie Frank Sinatra zelebrierte Liebeslied »Solfly, As I Leave You« für Eufonium und Orchester arrangiert. Mit tragendem, sauberem und kräftigem Ton vorgetragen in genialer Homogenität, erfüllten die beiden Bläser ihre Aufgabe meisterhaft.

Als letzten Programmpunkt nahmen die Musiker das Publikum mit in die inspirierende Welt der Filmmusik des Jerry Goldsmith. In dem Werk »Goldsmith« kamen noch einmal viele rhythmische und klangfarbliche Aspekte zum Ausdruck, die den Klangraum des Konzertsaales fein, schwungvoll, filigran oder auch martialisch füllten.

Bereits während des Konzertes bedankten sich die Zuhörer immer wieder durch spontanen Zwischenapplaus. Mit seinem Schlussapplaus »erzwang« das Publikum schließlich vier Zugaben. Nach dem letzten Stück, dem Radetzky Marsch, erhob sich der ganze Saal und dankte den Musikerinnen und Musikern für einen grandiosen Konzertabend. Werner Bauregger