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Polizei schnappt Bande von Autodieben

Sie sollen teure Autos in ganz Deutschland geklaut, diese in Tschechien zerlegt und dann verkauft haben: Die Polizei hat eine Bande von Autodieben geschnappt. Bei ihren Taten gingen die Verdächtigen laut Ermittlungen äußerst professionell vor.

Blaulicht auf einem Polizeiauto
Das Blaulicht auf einem Polizeiauto leuchtet. Foto: Patrick Pleul/Archiv Foto: dpanitf3

Bayreuth (dpa/lby) - Der Polizei ist ein schwerer Schlag gegen eine internationale Bande von Autodieben gelungen. Die Verdächtigen sollen einen Schaden von rund 1,2 Millionen Euro verursacht haben. Allein von Juni 2015 bis Juni 2016 seien sie für mehr als 100 Straftaten verantwortlich, teilte die Polizei am Freitag in Bayreuth mit. Sieben Bandenmitglieder wurden inzwischen nach Deutschland ausgeliefert und sitzen wegen schweren Bandendiebstahls in Untersuchungshaft. Die mutmaßlichen Täter sollen vorwiegend aus Moldawien und Rumänien stammen, Kopf der Bande sei ein 39-jähriger Tscheche.

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Dieser Auftraggeber und Hintermann «bestellte» laut den Ermittlungen detailliert hochwertige Fahrzeuge, die zuvor über Automärkte im Internet oder durch Auskundschaften ausgesucht worden waren. Die Autos wurden dann gestohlen und nach Tschechien gebracht.

Im Westen des Landes habe der Drahtzieher einen sogenannten Zerlegebetrieb sowie mehrere Lagerplätze gehabt. Das Diebesgut sei dort in der Regel komplett auseinandergenommen worden - bis auf die einzelnen Kabelstränge. Die Verdächtigen hätten sämtliche Merkmale ausgetauscht, mit denen die Autos identifiziert werden konnten oder diese fachmännisch verändert. Zudem hätten sie Teile von legal gekauften Schrottfahrzeugen mit anderen Fahrzeugteilen kombiniert.

Nach dieser professionellen Verschleierung habe der Hintermann die Fahrzeuge mit gefälschten Dokumenten überwiegend in Tschechien wieder zugelassen. Einzelne Fahrzeugteile habe der 39-Jährige auch ins Ausland verkauft. Bei den Auto-Aufbrüchen seien die Täter «äußerst konspirativ und professionell» vorgegangen. In ihren Fahrzeugen hätten sie äußerst geschickt Aufbruchsutensilien verbaut und in Alltagsgegenständen Notizen mit Autodaten und Adressen versteckt.

Im Juni 2016 nahm die Polizei zunächst zwei 33 Jahre alte Verdächtige in Nürnberg fest. Anfang März 2017 durchsuchten dann mehr als 20 Beamte neun Gebäude in Tschechien, hauptsächlich im Raum Pilsen und in Prag. Sie nahmen Hallen, Werkstätten, Garagen und Scheunen sowie Wohnungen unter die Lupe und entdeckten fast überall Diebesgut: 17 gestohlene Fahrzeuge, etwa 56 Fahrzeugteile, mehr als 35 Autositze, rund 100 Autoschlüssel, mehr als 80 Fahrzeugbriefe und -scheine.

Die Dokumente seien teilweise aus dem Ausland gewesen, manche blanko oder fachmännisch verfälscht. Ebenso entdeckte die Polizei gefälschte Plaketten, Aufkleber und Stempel sowie technische Geräte und Werkzeuge für den Diebstahl verschiedener Automarken. Zudem konnten die Ermittler den mutmaßlichen Kopf der Bande festnehmen.

Kurz nach der Durchsuchungsaktion wurden zwei Mittäter im Alter von 30 und 35 Jahren in Prag gefunden. Einen 25-jährigen Verdächtigen verhafteten Polizisten später in Belgien, einen 30-Jährigen Rumänen nahmen sie in der Ukraine fest. Gut zwei Jahre lang hat die Polizei ermittelt. Zu fast 80 Diebstählen und acht Versuchen wurde bereits Anklage erhoben.

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