Pleite in Bielefeld: Schalker Abstieg besiegelt

Arminia Bielefeld - FC Schalke 04
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Fabian Klos (2.v.l) brachte Bielefeld gegen Schalke auf die Siegerstraße. Foto: Friso Gentsch/dpa Pool/dpa Foto: dpa

Für Schalke ist nach 30 Jahren in wenigen Wochen das Kapitel Bundesliga beendet. Die 21. Saisonpleite macht den vierten Abstieg des traditionsreichen Clubs perfekt. Bielefeld darf dagegen hoffen.


Bielefeld (dpa) - Gerald Asamoah stockte die Stimme, der frühere Schalker Fan-Liebling hatte dicke Tränen in den Augen.

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»Man hat so viel erlebt und so viel gesehen. Wir wussten, was auf uns zukommt. Wenn man merkt, es ist vorbei, das ist schon brutal. Es ist hart. Mir geht es nicht gut«, sagte Asamoah, der eine der bittersten Stunden in der ruhmreichen Geschichte des Traditionsclubs hautnah miterlebte, dem TV-Sender Sky.

Aus und vorbei! Der FC Schalke 04 muss nach einer weiteren schwachen Vorstellung zum vierten Mal nach 1981, 1983 und 1988 den schweren Gang in die 2. Fußball-Bundesliga antreten. Die Königsblauen kassierten bei Arminia Bielefeld eine 0:1 (0:0)-Niederlage und sind vier Spieltage vor Schluss nicht mehr zu retten. 13 Punkte, 21 Saisonpleiten und 76 Gegentore dokumentieren den rasanten Niedergang des einst ruhmreichen Altmeisters und früheren Champions-League-Teilnehmers.

»Ich kann mir vorstellen, wieviele Schalker Fans zu Hause vor dem Fernseher sitzen und weinen. Wir haben alle enttäuscht«, fügte Asamoah, der heutige Koordinator der Lizenzspielerabteilung, hinzu: »Das Emblem von Schalke zu tragen, bedeutet sehr viel und die Frage stellt sich, ob alle das verstanden hat. Jeder sollte sich hinterfragen, ob er alles dafür getan hat, den Verein am Leben zu halten.«

Auch die Spieler um Klaas-Jan Huntelaar schlichen mit hängenden Köpfen vom Platz, Eigengewächs Timo Becker weinte auf der Bank bittere Tränen. »Das ist nicht heute passiert, es hat sich abgezeichnet. Es tut trotzdem ungemein weh. Wir trauern mit unseren Fans, unseren Mitgliedern und allen Menschen, die Schalke 04 die Treue halten«, sagte Sportvorstand Peter Knäbel und versprach: »Wir tun alles, um diesen Verein wieder da hinzubringen, wo er hingehört.«

Die Arminia landete dagegen einen wichtigen Sieg im Abstiegskampf und schob sich mit 30 Punkten zumindest für 24 Stunden auf den 14. Tabellenplatz vor. Vier Punkte beträgt der Vorsprung zum Relegationsplatz. Allerdings haben die derzeit in Quarantäne befindlichen Berliner zwei Spiele weniger absolviert. Den Bielefelder Sieg schoss Fabian Klos (50.) heraus. Ein weiteres Tor vergab der Stürmer mit einem verschossenen Foulelfmeter (80.). Zu der Zeit waren die Gäste bereits in Unterzahl, nachdem Malick Thiaw die Gelb-Rote Karte gesehen hatte (71.).

»Wir wussten, dass es sehr schwer wird. Es war ein Kampfspiel«, sagte Bielefelds Manuel Prietl und spendete dem abgestiegenen Gegner Beileid: »Mir tut es für Schalke leid. Aber das ist so ein großer Club, dass sie irgendwann wieder in der Bundesliga sind.«

Er wolle eine Mannschaft sehen, die bis zum Schluss alles für den Verein gibt, hatte Trainer Dimitrios Grammozis gefordert. Schalkes fünfter und ebenfalls glückloser Trainer in dieser Saison musste dieses Mal zwar nicht ein weiteres Debakel wie zuletzt in Freiburg (0:4) mit ansehen, das große Aufbäumen fand aber auch nicht statt. Bielefeld drückte und drängte, war aber vor dem Tor oftmals nicht clever genug. Die Offensive der Gäste - mit 18 Saisontoren ohnehin nicht Bundesliga-reif - blieb dagegen blass.

7:1 Torschüsse wies die Arminia schon zur Pause auf. Vor allem Ritsu Doan brachte viel Schwung in die Offensivaktionen der Ostwestfalen. Der Japaner war an fast allen gefährlichen Aktionen beteiligt und auch in den Zweikämpfen präsent. Das Chancenplus sollte sich aber noch nicht auszahlen. Andreas Voglsammer scheiterte bei der besten Gelegenheit aus kurzer Entfernung an Ralf Fährmann (35.). Der Distanzschuss von Prietl war weniger gefährlich (9.), Doans Versuch wurde gerade noch von Omar Mascarell geblockt (13.).

Und Schalke? Da präsentierte sich Grammozis in der Coaching-Zone aktiver als seine Spieler. Ein harmloser Schuss von Gonçalo Paciência (20.), mehr war in den ersten 45 Minuten nicht zu sehen. Die Leihgabe von Eintracht Frankfurt stand nach langer Verletzungspause erstmals wieder in der Startformation. Auch Ex-Weltmeister Shkodran Mustafi durfte mal wieder von Beginn an ran, nachdem er zuletzt nur Ersatz oder ganz außen vor war.

Verhindern konnte Mustafi den Rückstand auch nicht. Nach einem völlig unnötigen Ballverlust von Mascarell setzte Klos den Ball aus rund 25 Metern ins Tor. Ein Schuss, bei dem Fährmann nicht gut aussah. Damit zeigte der wuchtige Angreifer, der in der Vorsaison Bielefelds Aufstiegsgarantie war, mal seinen Wert. Für Klos war es erst das vierte Saisontor, aber gegen Schalke trifft er besonders gern. Auch im Hinspiel war er zur Stelle. Ein weiteres Tor ließ Klos jedoch mit einem schwach geschossenen Elfmeter liegen.

© dpa-infocom, dpa:210420-99-284531/4

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