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Platzhirsch zur Brunftzeit

Berchtesgaden - Nepo Fitz - Nachwuchsstar. Er ist pfiffig und charmant, spritzig, witzig, ein Allrounder. Als Sohn der allseits bekannten Kabarettistin Lisa Fitz gilt der Sprössling inzwischen als »lustigster Mann im ganzen Universum«. Selbstbeweihräucherung, definitiv nicht ganz ernst gemeint. Ist er wirklich so lustig? Im Kongresshaus gab Fitz eine Kostprobe seiner abwechslungsreichen Bühnenshow »Brunftzeit«.

Nepo Fitz war mit seinem neuen Programm zu Gast in Berchtesgaden. Foto: privat

31 Jahre ist er alt - und sein Name hat sich mittlerweile weit herumgesprochen. Kein Wunder: Immerhin ist Nepo Fitz ein echtes Talent in Sachen Bühnenunterhaltung: Er ist ein fantastischer Sprecher, reiht Wörter in Windeseile aneinander, beherrscht das Spiel mit der Sprache in Perfektion. Darüber hinaus ist er gar kein so schlechter Tänzer, was er in seiner eineinhalb Stunden dauernden Show immer wieder bestens zur Geltung bringt. Hervorstechende Qualitäten beweist er aber als Musiker am Klavier. »Sein« Instrument, das er in perfekter Weise zu spielen beherrscht. Das ist noch nicht alles, denn das Singen liegt ihm ebenso. Fitz nimmt die Bühne, auf der er sich bewegt, vollkommen in Beschlag, so viel ist klar.

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Sein Auftritt: funkensprühend, voll von Herzblut. Vielseitig bis zur letzten Minute, Fitz ist die gesamte Zeit über ein Energiebündel der Extraklasse. Fitz gelingt, was nicht viele schaffen: Er berichtet und parodiert, er verstellt die Stimme, schlüpft in die Rolle des Feng Shui-Beraters ebenso wie in die der Freundin (inklusive piepsig hoher Stimme). Fitz wird zum Gorilla, er zeigt, was es heißt, sich in der Brunftzeit zu bewegen. Pantomimisch gelingt dem Bühnentalent so manche tolle Einlage, große Klasse beweisen aber seine musikalischen Ausflüge. Wenn Nepo Fitz bei »She's like the wind« die Herzen der Zuschauer im Sturm erobert, nur um zu beweisen, dass die deutschen Songschreiber kaum vergleichbares Song-Potenzial in petto haben, wenn er Feng Shui als »Ikea für Spirituelle« bezeichnet, wenn er den Zehn-Punkte-Lebensplan erörtert oder offen- legt, dass die Schwiegermütter meistens verliebter in ihn waren als die Freundinnen selbst - spätestens da wird klar, dass Fitz vieles richtig - und so manches besser - macht in seinem Bühnenprogramm. Denn die Lacher hat er stets auf seiner Seite.

In Teil drei seines erfolgreichen Programms wird Nepo Fitz langsam erwachsen, eine Familie soll her, der Entschluss steht, in ein Reihenhaus zu ziehen. Doch der idyllische Schein trügt nur. Bevor er sich überhaupt auf sein neues Leben so richtig einlässt, befindet er sich auch schon wieder auf der Flucht. Denn die Panik vor dem Siedlungscowboy ist allgegenwärtig: Ob Falschparker, Mülltrennung oder unsauber beschriftete Klingelschilder - der Siedlungscowboy aus dem Reihenhausviertel ist Fitz alles - nur nicht geheuer.

Ungemein komisch wird es beim »Abhitlern«, einer vor Skurrilität nur so strotzenden Tanzperformance, die ihresgleichen sucht. »Töte den Nazi in dir«, sagt Fitz und macht vor, was kaum einer wagt. Absurd ist der Hitlergruß-Tanz zwar, das Zappeln des Bühnenprotagonisten erinnert an einen Fisch, der sich außerhalb des rettenden Wassers umherwindet und nach Luft schnappt.

So folgt eins auf das andere, der Abend wird zum bunten Blumenstrauß, zur großen Unterhaltung für ein überschaubares Publikum, das vom jungen Fitz positiv überrascht zu sein scheint. Dass Nepo Fitz irgendwann zum brünftelnden Platzhirsch werden könnte, ist nur eine Frage der Zeit. Kilian Pfeiffer