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Pianist, Clown, Geschichtenerzähler

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Genialer Unterhalter: Martin Schmitt. (Foto: Flug)

Ein hervorragender Pianist, ein unterhaltsamer Clown, ein begnadeter Geschichtenerzähler, ein Texter mit ausgeprägtem Ohr für Absonderlichkeiten der Sprache, ein mitreißender Unterhalter und ein guter Sänger. Das alles vereint der Münchner Martin Schmitt in einer Person. So bereitete er mit seinem ersten Auftritt auf der Staudacher Musikbühne im Gasthof Mühlwinkl dem Publikum einen prächtigen Abend. Zu dem hatte Veranstalter Alex Welte dem Künstler nichts anderes auf die Bühne gestellt als einen großen Flügel.


Das findet der Künstler schon einen gelungenen Einstieg. Sonst ist er anderes gewohnt, behauptet er. Seine humorvollen Anekdoten und Schandtaten aus dem Miteinander von Hausmeistern großer Saalbauten und Pianisten erreichen mit einem vom Hausmeister extra frisch gestrichenen Klavier einen ersten Höhepunkt.

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Und dann das erste Instrumentalstück, von Pete Johnson; offensichtlich ein Stück, sich warmzuspielen, aber dennoch sehr einnehmend dargeboten. Unaufgeregt, aber mit Geschwindigkeit geht es dahin. Energischer Rhythmus, aber unbeschwert in Körperhaltung und Spiel, als wäre es kinderleicht, so beeindruckt Schmitt von Anfang an. Ein schönes, gefühlvolles Spiel mit harmonischen Tempowechseln. Schon im zweiten Stück kommen dann der gute Gesang, das Textgefühl und der Humor zum Ausdruck. »Schmittsche Airways«, in de mSchmitt mit viel Wortwitz den Sicherheitseinweisungen von Stewardessen seine ganz persönliche Note aufdrückt. Dass er dabei neben dem Gesang und dem Klavierspiel der linken Hand , mit Gesten der rechten Hand die Sicherheitsanweisung unterstreicht, beweist neben Können enorme Konzentration.

Schon da ist das Publikum restlos begeistert, und es kommen die Lachtränen, die bis zum Ende des Abends nicht mehr versiegen werden. Auslöser sind die Erzählungen aus dem Miteinander seiner in herzlicher Abneigung einander verbundenen Großeltern. Die Großmutter auf die Frage nach der Beziehung: »Ja, ich lieb ihn ja, ich mog ihn bloß net!«

Jetzt sieht Schmitt den Zeitpunkt gekommen, das Publikum zu aktivieren und den Rest des Abends vor sich herzutreiben. Durch und durch ein Spaßvogel mit großer Bühnenerfahrung und zudem grandios schlagfertig, animiert er erfolgreich seine Zuhörer zum Refrainsingen. Schon im ersten Versuch gelingen schwierige Versionen wie das eingeforderte »fade out«, das leise Ausklingen des Refrains. Es folgt ein grandios gespielter Boogie. »Fasten your seat belts – Anschnallen!« heißt es dann für das Publikum, um im Bild zu bleiben. Den Zuhörern bleibt der Mund ungläubig offen. Schmitt bringt gute Laune, ihm macht die Musik offensichtlich Spaß. Und er ist ein echter Clown. Mitten im schnellen Boogie springt die rechte Hand in immer gleichen Sätzen in immer gleiche Akkorde. Doch dann im Sprung nach rechts kein Akkord sondern nur eine abfällige Handbewegung: »Jetzt mal nicht.« Solche perfekt herausgearbeiteten, unterhaltsamen Feinheiten gibt es auch ständig im Text, wunderschön ausgefeilt zum Beispiel in der amüsanten Eigenkomposition »Der Marder war da«, seinem Kampf gegen einen Kabelnager. Hohe Texterkunst, überaus anspruchsvoll vorgetragen. Ähnlich sein Song mit einem Ritt durch die Fauna, in dem sich der Text aus Blumennamen zusammensetzt. Dazwischen wieder Refrain-Singen für alle und witzige Geschichten, die ein waches Auge auf die Mitmenschen beweisen. Höhepunkt ist das in Heinz Rühmann-Manier mit äußerster Zurückhaltung, aber brillantem eigenen Text vorgetragene »Sexbomb«.

Nie ist der Abend auch nur eine Sekunde langweilig, die Leute können sich nicht mehr halten vor Lachen und vor Begeisterung. Aber nach vier Zugaben will Martin Schmitt einfach nicht mehr. Leider. lukk