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21 Teilnehmer und 500 Besucher beim »1. Traditionellen Holzfahren« am Sulzbergkopf

Pferd und Mensch mit schwerer Fracht

Schönau am Königssee – 21 Fuhrleute brachten am Samstag 50 Kubikmeter Holz vom Sulzbergkopf zum Sulzberglehen. Sie waren mit ihren Pferden die Hauptakteure beim »1. Traditionellen Holzfahren«, zu dem der Reit- und Fahrverein Schönau am Königssee um seinen Vorstand Franz Stanggassinger eingeladen hatte.

Der brave 13-jährige »Leo« hört aufs Wort. Da braucht sein »Herr« Patrick Weiß keine Zügel.

Man sah Pferde der Rassen Noriker und Süddeutsches Kaltblut im Alter von vier bis 20 Jahren. Diese beiden Pferderassen sind genealogisch weitgehend identisch, denn es handelt sich um mittelschwere, kräftige und ausdauernde Gebirgskaltblutpferde. Sie bewältigten die einen Kilometer lange Strecke mit mehreren 4,5 Meter langen Holzstämmen drei- bis viermal talwärts.

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Die Teilnehmer kamen aus Kuchl, Golling, aus dem ganzen Land Salzburg, dem Flachgau, Teisendorf und aus Berchtesgaden. Einige von ihnen arbeiten bei den Österreichischen Bundesforsten.

Die Fuhrleute waren gerade oben am Sulzbergkopf mit dem Aufladen beschäftigt, als unten am Sulzberglehen die Sternsinger vorbei kamen und die Inschrift »C+M+B« an die Haustüre malten.

Weil es rund um das Sulzberglehen zu eng war, mussten die Zuschauer beim Egglerlehen in Unterstein parken und so wanderten rund 500 Besucher hinauf zum Sulzberglehen. Alles war bestens organisiert, Verpflegung gab es an einem Kiosk und in der Werkshalle der Schlosserei. Für Unterhaltung sorgte der GTEV »D´Untersberger«.

Das Holzziehen ist eine gefährliche Arbeit, Umsicht und Konzentration sind gefordert. Wegen der hohen Anforderung an die Körperkraft der Tiere im professionellen Einsatz wurden überwiegend Tiere der Kaltblutrassen mit einem Körpergewicht ab 700 Kilogramm eingesetzt. Aufgrund der stark wechselnden, sich oft ruckartig verstärkenden Zugwiderstände beim Rücken wurden die Pferde mit einem Kumt aufgeschirrt. Das Kumt ist ein steifer, gepolsterter Ring oder es besteht aus ebensolchen Ringsegmenten. Es wird dem Zugtier um den Hals gelegt und erlaubt es so, die Zugkraft durch eine der Tierart entsprechende Gestaltung sinnvoll auf Brustkorb, Schultern und Widerrist zu verteilen. Bei Pferden wird erst dadurch ihre Zugkraft in vollem Umfang nutzbar. Diese Anspannung gilt als die schonendste für das Tier.

Zugstränge zum Ortscheit, an das die Last mit einer Forstkette angehängt war, nutzte man, um an Hindernissen vorbei schleifen zu können. Das Ortscheit, auch Klippschwengel genannt, ist ein beweglicher Balken aus festem Holz oder Metall. Er dient als Verbindungsstück zwischen den Strängen, an denen die Zugtiere ziehen, und der Bracke oder einer Waage, die wiederum am Wagen befestigt ist. Das Ortscheit verhindert bei einem Brustblattgeschirr durch seine Beweglichkeit, dass das Pferd sich die Schultern am Geschirr aufscheuert.

Viele fachkundige Besucher, Landwirte, Pferdebesitzer und Pferdefreunde aus Berchtesgaden und Umgebung waren unter den interessierten Zuschauern. Man war sich einig, dass das 13-jährige Pferd »Leo« aus Kuchl die absolut perfekte Arbeit leistete. Sein Besitzer Patrick Weiß benötigte bei seiner Arbeit keine Zügel. Das Pferd war so brav und hörte nur auf die Stimme seines Herrn. »Leo«, der die größte Menge Holz heruntergezogen haben dürfte, blieb beim Abladen alleine stehen und musste von niemandem gehalten werden. Patrick Weiß arbeitet auch beruflich im Wald.

Die teilnehmenden Fuhrleute bekamen als Geschenk eine Berchtesgadener Filigrandose mit einem vergoldeten Hufnagel – als »letzte Reserve«. Mildes Winterwetter und ein unfallfreies Arbeiten bescherten dem »1. Traditionellen Holzfahren« am Sulzbergkopf eine durchwegs positive Bilanz. So hatte man abends beim Hogoascht auch wirklich etwas zu feiern. Bernhard Stanggassinger