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Berchtesgadener Fußballfans und Sportfachleute empören sich über die Fehlentscheidungen der WM-Schiedsrichter

Pfeifen da Pfeifen?

Berchtesgaden – Es sollte ein großes Fußballfest werden, die Weltmeisterschaft in Brasilien. Doch äußerst fragwürdige Schiedsrichterentscheidungen brachten in den ersten drei Spielen die Wut von Fußballanhängern zum Kochen. Die Experten fragen sich, warum man unkompetente Unparteiische aus Asien oder Afrika an die Pfeife lässt und nicht die Besten ihres Fachs aus der europäischen Champions League holt. Bei manchen keimte sogar der Verdacht auf, dass die »mafiöse« FIFA absichtlich schwache Schiedsrichter einsetzt, um die Spiele nach ihren Vorstellungen zu lenken. Man stelle sich nur vor, was im Pulverfass Brasilien passieren würde, wenn die Mannschaft früh aus dem Turnier ausscheiden würde.

Hartmut Karstens.
Manfred Vonderthann.
Helmut Kurz.
Josef Brandner.
Michael Flunk.
Wolfgang Fegg.

Der ehemalige Skisprung-Bundestrainer, Spieler und Trainer Helmut Kurz versteht nicht, warum der Fußball-Weltverband solch unfähige Schiedsrichter wie bei den ersten Gruppenspielen einsetzt. Bei einer WM müssten die besten der Welt die Spiele leiten. Und es gebe in Europa genügend geeignete Kräfte, erklärte der Fußballkenner. »Mit derartigen Leuten macht man den Fußballsport kaputt«, sagt er. Es sei aber, wie in anderen Sportarten, so, dass die Verbände Geschenke an vermeintlich Verdiente verteilten. Aber das passe ja gut zur FIFA-Mafia, so Kurz, der das Fair Play im Spitzensport ganz allgemein immer mehr vermisst.

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Nicht ganz so drastisch sieht die Situation der ehemalige Klassetorhüter der SG Schönau, Manfred Vonderthann: »Ein Schiedsrichter muss im Bruchteil einer Sekunde entscheiden, das ist nicht leicht«, verteidigt Vonderthann die bisherigen Schiedsrichterleistungen.

»Wie kommt die FIFA dazu, Schiedsrichter wie den Japaner Yuichi Nishimura ein Eröffnungsspiel leiten zu lassen«, fragt sich der ehemalige Auswahlspieler und langjährige Libero des TSV Berchtesgaden, Michael Brandner, dem sich sein Bruder Josef anschließt, der in seiner Jugend bei den Amateuren des FC Bayern München gespielt hat: »Das Schlechteste an der Fußballweltmeisterschaft sind bisher die Schiedsrichter«, bemängelt Brandner.

»Keine Auswahl nach Leistung«

Der langjährige Trainer des TSV Berchtesgaden und des heutigen Bundesligisten SV Grödig, Michael Brandner, versteht zum einen nicht, warum man Großereignisse an Länder wie Brasilien vergibt, und kann des Weiteren nicht nachvollziehen, warum die FIFA bei der Auswahl der Schiedsrichter nicht nach Leistung geht, sondern nach Kontinenten.

»Bei einer Weltmeisterschaft sollten die Besten pfeifen und die Schiedsrichtereinteilung nicht nach Erdteilen erfolgen. Die Besten Schiedsrichter der Welt sitzen fast alle daheim«, bemängelt der Schönauer Stadionchef Wolfgang Fegg.

»Einige unfähige Schiedsrichter gehörten sofort aus dem Spielbetrieb gezogen und nach Hause geschickt«, urteilt Bobfahrer Michael Flunk.

»Brasilien hat Sieg Schiedsrichter zu verdanken«

Auch der Leiter des Olympiastützpunktes Chiemgau, Hartmut Karstens, hat von einigen Schiedsrichterleistungen bisher keine hohe Meinung. Jeder der weltbesten Fußballspieler kämpfe um das höchste Ziel und habe so auch den Anspruch, gerecht behandelt zu werden, findet der Sportkenner. So habe Rekordweltmeister und Hausherr Brasilien seinen Sieg alleine dem Schiedsrichter zu verdanken. Und das könne es wohl nicht sein.

Als bescheiden und einer Weltmeisterschaft nicht würdig bezeichnet auch Aschauer-Wirtin Michaela Weinbuch einige bisher gezeigte Schiedsrichterleistungen. Das sei schade für den Sport, meint sie.

Als Schiedsrichter-Katastrophe bezeichnet aus dem Urlaub in der Türkei der Leiter der alpinen Stützpunkte am Götschen und am Jenner, Helmuth Wegscheider, die Umstände in Brasilien. »Da leiten ja unsere heimischen Schiedsrichter die Spiele besser«, regt er sich auf. Christian Wechslinger