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Parteienforscher: Rösler bringt nicht genug auf die Waage

Mainz/Berlin (dpa) - FDP-Chef Philipp Rösler fehlt nach Einschätzung des Parteienforschers Jürgen Falter das Format dafür, die Liberalen aus der Krise zu führen.

Philipp Rösler
Parteienforscher Falter: Philipp Rösler bringt "in der Öffentlichkeit nicht das Gewicht auf die Waage, das man von einem Spitzenpolitiker erwartet». Foto: Maurizio Gambarini Foto: dpa

«Herr Rösler ist ein ungemein angenehmer, charmanter, intelligenter Mann. Er bringt aber einfach in der Öffentlichkeit nicht das Gewicht auf die Waage, das man von einem Spitzenpolitiker erwartet», sagte Falter vor dem FDP-Dreikönigstreffen in einem Gespräch mit der Deutschen Presse-Agentur. «Er wirkt tatsächlich ja noch viel jünger als er ist, er wirkt wie ein Anfang 20-Jähriger. Den nehmen zu wenige Leute ernst.»

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Die heftigen Attacken auf Rösler (39) kurz vor der Landtagswahl in Niedersachsen zeigten, dass die Partei sich angesichts schlechter Umfragewerte auf dem Weg «von der latenten Panik in die akute Panik» befinde. Fliege die Partei in Hannover am 20. Januar aus dem Landtag, könne sich Rösler wohl nicht mehr halten. «Für die FDP schlimmer wird es, wenn die FDP in Niedersachsen 5,1 Prozent kriegt und Rösler sich weigert, den Hut zu nehmen.» Eine Tandemlösung von Wirtschaftsminister Rösler mit Fraktionschef Rainer Brüderle für den Bundestagswahlkampf sei wenig überzeugend. «Das wäre ein Tandem, das sich nicht ganz einig wäre, in welche Richtung gelenkt werden soll und in welchem Rhythmus zu treten ist», meinte Falter, der Professor an der Uni Mainz ist.

Für ihn wäre es nicht überraschend, wenn Brüderle bald das Ruder übernehmen würde: «Er ist ein sehr guter Wahlkämpfer, der Säle zum Kochen bringen kann. In dieser bedrängten Situation wäre er sicher der bessere Spitzenkandidat», sagte Falter. Der 67-jährige Brüderle wäre aber ein Mann des Übergangs. Langfristig komme nur der nordrhein-westfälische Landeschef und Ex-Generalsekretär Christian Lindner als Erneuerer der FDP infrage.

Rösler beging nach Ansicht Falters wie sein Vorgänger Guido Westerwelle den Fehler, das Themenspektrum der FDP zu verengen. «Insofern wird den Leuten nicht richtig klar, warum sie eigentlich FDP wählen sollen.» Mit dem Fokus auf Wachstum und Haushalt sei Rösler auf dem Wirtschaftsgebiet stehen geblieben. «Das hat kein reformerisches Element, das in die Zukunft weist.» Die Argumentation, allein die FDP stehe im Parteienwettbewerb für solide Haushalte und Wirtschaftswachstum, gehe nicht auf: «Das glaubt doch niemand», sagte Falter.

Informationen zum Dreikönigstreffen