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Marktbürgermeister Franz Rasp (l.) und Geschäftsführer von »Parkster«, Patrik Lundberg, am Rathaus-Parkplatz, wo man die App nutzen kann. Im Markt gibt es 17 weitere »Parkster«-Parkplätze. (Fotos: Lisa Schuhegger)

»Parkster«-App: Seit Juli kann man auch in Berchtesgaden einen digitalen Parkschein lösen

Berchtesgaden – Situation am Parkautomat: »Kein Kleingeld«, stellt eine Frau fest. »Schauen Sie, ich habe ein Fünfzigerl«, sagt eine andere Frau, wirft die Münze ein. Der Automat spuckt ein Parkticket aus, das die Frau ins Auto an die Scheibe legt. Auf dem als »Reiner-Parkplatz« bekannten Parkplatz hinter der Post kann die Frau für 50 Cent eine Stunde lang stehen bleiben. Sie geht in den Markt, bummelt, entscheidet spontan noch in ein Café zu gehen. Eine Stunde ist vorbei. Nun muss sie entweder zurück zum Parkplatz und ein neues Ticket lösen, riskiert ein Bußgeld oder lädt sich die »Parkster«-App auf das Smartphone, über die seit 1. Juli im Markt Berchtesgaden ein digitales Ticket gekauft werden kann. Über die App kann die Parkzeit problemlos verlängert oder verkürzt werden. Man bezahlt für die Zeit, für die man sein Auto auf dem gebührenpflichtigen Parkplatz abgestellt hat.


Das ist »Parken 2.0«. Die schwedische Firma »Parkster«, die Lösungen zur Parkraumverwaltung für Kommunen und Tourismusverbände anbietet und die Parkgebührenabrechnung übernimmt, hatte die App vor elf Jahren in Schweden auf den Markt gebracht und führte sie 2018 in Deutschland ein. Der Geschäftsführer von »Parkster« Deutschland, Patrik Lundberg, war am Montag zu Gast im Rathaus Berchtesgaden, um gemeinsam mit Marktbürgermeister Franz Rasp gut einen Monat nach Einführung der App in Berchtesgaden Funktionsweise und Vorteile von »Parkster« zu erläutern. Nach Patrik Lundberg ist es ganz einfach, die App zu nutzen: Die kostenlose »Parkster«-App auf das Smartphone laden, Kennzeichen abspeichern, Rechnungsadresse oder Zahlungsmethode hinterlegen, Parkplatz finden, Auto abstellen, Parkplatz und geplante Parkzeit in die App eingeben, Parkschein digital buchen.

Bleibt man doch länger oder kürzer auf dem Parkplatz stehen, kann die Parkzeit über die App verkürzt und verlängert werden. Bezahlt werden muss nur die tatsächliche Parkzeit. Die Rechnung schickt die Firma »Parkster« immer am Ende des Monats an die angegebene Rechnungsadresse. »Die Summe kann überwiesen werden, wenn nicht schon eine gewünschte Zahlungsmethode hinterlegt ist«, erklärte Patrik Lundberg, der weiß, dass manche Leute ungern Kontonummer und Co. in eine App speichern. Der Geschäftsführer und Franz Rasp betonten, dass für »Parkster«-Nutzer keine zusätzlichen Kosten anfallen. »Es gilt der reguläre Tarif.«

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Es ist ganz einfach:» Parkster«-App herunterladen und nutzen.

Alle »Parkster«-Nutzer, die in der App hinterlegt haben, ihr Fahrzeug auf einen Parkplatz im Markt abgestellt zu haben, meldet die Firma der Verwaltung des Marktes Berchtesgaden und begleicht die Summe. »Wir treiben die Gebühren ein«, erklärte Patrik Lundberg, der hervorhob, dass die Firma sich um die gesamte Abwicklung kümmert. »Wir haben durch die App bis jetzt keinen Mehraufwand«, bestätigte auch Franz Rasp. Der Bürgermeister versicherte bei dem Termin im Rathaus, dass es in den nächsten zehn Jahren nach wie vor noch Münzautomaten gebe. Sie würden sukzessive um die Möglichkeit der Kartenzahlung erweitert, ergänzte er. Die App lohne sich für eine Kommune, wenn sie 20 Prozent der Autofahrer nutzten, so Patrik Lundberg. Die Nachbargemeinden Schönau am Königssee und Ramsau bieten Parken per App bereits seit 2018 an. In Schönau am Königssee würde die App bereits etwa jeder Fünfte nutzen, informierte er.

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Friedl Winkelmann wirft ein Fünfzigerl in den Parkautomat, eine Stunde lang kann sie nun am »Reiner-Parkplatz« hinter der Post stehen bleiben.

Franz Rasp sagte: »Es ist höchste Zeit gewesen, dass auch wir mit dem digitalen Parkschein endlich eine zeitgemäße Alternative zum Münzenparken anbieten.« Er erläuterte, warum Berchtesgaden erst so spät reagiert hat. Es hatte ein Schnittstellen-Problem gegeben. In Berchtesgaden hatte bis vor kurzem eine Politesse der Polizeiinspektion Berchtesgaden, die nun in den Ruhestand geht, die Parkscheine kontrolliert. Künftig übernimmt der Zweckverband kommunale Verkehrsüberwachung Südostbayern alleine die Kontrolle, der eine Schnittstelle zur »Parkster«-Software habe. Es gibt also keine Probleme mehr. So steht dem Parken 2.0 nichts mehr im Wege. Kein Kleingeld parat: »Parkster«-App herunterladen, bummeln und spontan in ein Café gehen.

Lisa Schuhegger