Paketboten getreten und beleidigt? – Saaldorf-Surheimer bestreitet Taten

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Foto: Freepik Symbolbild

Laufen – Kurz nach Mittag hatte der rumänische Paketbote an der Adresse im Gewerbegebiet von Saaldorf-Surheim angeläutet, und dort den 51-jährigen Geschäftsmann gebeten, einen eigenen Kugelschreiber für die Unterschrift zu benutzen. Der kam allerdings mit einem Messer zurück, um sogleich den Inhalt des Paketes zu prüfen. Weil der 35-jährige Bote eine Prüfung ohne Empfangsbestätigung nicht zugelassen hatte, soll ihn der Unternehmer mit »Scheiß Rumäne« und »Scheiß Zigeuner« beschimpft und ihm einen Tritt in die Nierengegend verpasst haben. Der angeklagte Geschäftsmann bestritt die Taten vor dem Amtsgericht Laufen, zahlte für eine Einstellung des Verfahrens aber dennoch 1.500 Euro.


»Viele Lieferanten bestehen auf eine Prüfung des Inhalts«, erklärte der 51-Jährige. Richtig, aber erst nach einer Empfangsbestätigung, widersprach der Paketbote den Ablauf. Denn auch dann sei es möglich, das Paket wieder zurückzuschicken. »Er hat mich beschimpft«, beteuerte der 35-Jährige, »ich hatte Angst wegen des Messers«. Als er sich umgedreht habe, um zu gehen, soll ihn der Angeklagte hinten in die Nierengegend getreten haben.

»Ich habe ihn weder beleidigt noch getreten«, beteuerte der Angeklagte, er selbst arbeite viel mit Ausländern zusammen und habe beste Freunde mit Migrationshintergrund. Er warf seinerseits dem Paketboten vor, mehrfach Pakete einfach abgestellt zu haben, obwohl eine Ablagestelle nur Hundert Meter entfernt liege. Somit sei ihm bereits eine teure Uhr abhanden gekommen.

»Die Ehefrau hat dann versucht, ihren Mann zu beruhigen und sie hat sich bei mir entschuldigt«, berichtete der Paketbote. Dennoch verständigte er die Polizei, die den Unternehmer »aufbrausend und aggressiv« angetroffen hatte, wie ein 25-jähriger Beamter der Polizeiinspektion Freilassing berichtete. »Nach der Belehrung hat der Angeklagte keine Angaben mehr gemacht.«

Uneinigkeit zwischen Angeklagtem und Paketbote bestand auch in der Sache mit der teuren Uhr. Während der Geschäftsmann behauptete, sich mit dem Rumänen auf Ratenzahlungen als Schadensersatz geeinigt zu haben, mochte sich der Paketbote an dergleichen nicht erinnern. »Ja, wir haften für verschwundene Pakete, aber in den zwei Jahren meiner Arbeit hat es keine Reklamationen gegeben.« Als Zeugin geladen war auch die Frau des Angeklagten, die aber befindet sich derzeit im Ausland. Richter Josef Haiker zeigte sich darüber nicht erfreut: »Sie hält es nicht für nötig, uns das mitzuteilen.« Staatsanwalt Dr. Christian Liegl wusste von einer weiteren Anzeige gegen den Geschäftsmann wegen einer Körperverletzung, soll der 51-Jährige doch einem gewissen Herrn W. mit der flachen Hand auf die Nase geschlagen haben.

»Ich kenne keinen Herrn W.«, versicherte der Angeklagte, »und ich war zu dem Zeitpunkt nachweislich nicht da«. Der Geschäftsmann hatte im Vorjahr einen Nachbarn im Gewerbegebiet wegen Körperverletzung angezeigt, das Gericht jedoch nicht von dem von ihm geschilderten Geschehen überzeugen können, sodass der damals angeklagte Firmennachbar freigesprochen wurde.

Dr. Liegl bot dem 51-Jährigen die Einstellung des Verfahrens nach Paragraf 153 a gegen Zahlung einer Geldauflage von 1.500 Euro an. Nach einer Besprechung mit seinem Verteidiger, Dr. Simon Herget, zeigte man sich einverstanden, wollte den Betrag jedoch auf 1.000 Euro reduzieren. »Der Abschlag ist so schon erheblich«, verneinte Liegl einen weiteren Nachlass mit Verweis auf die 90 Tagessätze aus dem Strafbefehl. »Ich habe nichts gemacht«, versicherte der Angeklagte erneut, »gerecht ist das nicht«. Am Ende war er aber doch einverstanden. Die 1.500 Euro gehen an die Bergwachtbereitschaft Bad Reichenhall.

Der Rumäne erklärte, die Schmerzen des Trittes seien rasch abgeklungen, mehr geschmerzt hätten ihn die Beleidigungen gegen ihn »als Mensch zweiter Klasse«. Der 35-Jährige hat die Stelle zwischenzeitlich gekündigt. »Man hat keine Perspektive und lernt die Sprache nicht.« Momentan absolviert der gelernte Buchhalter einen Sprachkurs.

Hannes Höfer