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»Orientierung am christlichen Menschenbild«

Waging am See. Die Gleichheit aller Menschen stellte Ministerpräsident a. D. Günther Beckstein in den Mittelpunkt seiner Rede in Waging am See. Der 67-Jährige war auf Einladung der Waginger CSU am Mittwoch ins Kurhaus gekommen. Vor gut 100 Besuchern mahnte er nicht zuletzt Mandatsträger und Menschen in höheren Positionen zur Bescheidenheit: »Die Gefahr ist, dass du glaubst, selber der Allerhöchste zu sein, nicht mehr dem Allerhöchsten verantwortlich. Doch vor dem Herrgott ist der Bettler so viel wert wie ein Ministerpräsident oder der Vorsitzende eines großen Unternehmens«.

Vor diesem christlichen Hintergrund belaste es ihn sehr, »dass wir einen Paragraphen 218 haben, der erlaubt, dass weit über 100 000 Kinder im Jahr abgetrieben werden«. Dies sei außerordentlich bedauerlich, aber der Versuch einer Änderung wäre angesichts der politischen Verhältnisse in Berlin »völlig chancenlos«.

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Und auch im »letzten Lebensabschnitt« sieht Beckstein eine Gefahr für eine Unterwanderung der unantastbaren Menschenwürde: durch die – teils sogar schon gewerblich betriebene – Sterbehilfe: »Wir als CSU sind dazu aufgerufen, die Initiative zu ergreifen, um die Würde des Menschen auch im letzten Lebensabschnitt zu sichern«. Beim Thema Familie räumte Beckstein ein, dass die CSU hier »lange einen großen Fehler gemacht« habe. Es sei in der Vergangenheit immer pauschal gesagt worden, das Kind gehöre zur Mutter; daher sei in Richtung außerfamiliärer Kinderbetreuung nichts getan worden: »Da habe ich auch selber mitgewirkt«, gestand er ein. Von daher sei es richtig, dass jetzt alles getan werde, damit Frauen berufstätig bleiben können, wenn sie wollen oder – was häufig genug der Fall sei – wenn sie müssen.

Der Sozialstaat müsse verteidigt werden, »sodass alle ein menschenwürdiges Leben haben und dass der Unterschied zwischen Arm und Reich nicht noch weiter auseinandergeht«.

Die anschließende Diskussion verlief lebhaft. Der ehemalige Ministerpräsident hatte viele Fragen (siehe Kasten) zu beantworten.

Ministerpräsident a. D. Beckstein war bei seiner Ankunft im Kurhaussaal von der Jugendkapelle Waging mit dem Marsch »Mein Heimatland« und viel Beifall begrüßt worden. Nach seiner Rede trug er sich in Anwesenheit des Zweiten Bürgermeisters Hans Kern – Bürgermeister Herbert Häusl war kurzfristig erkrankt – ins Goldene Buch der Gemeinde und ins Gästebuch des Kurhauses ein. he