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Organspende-Skandal : Ermittler werten Krankenhausakten aus

Regensburg (dpa) - Im Organspende-Skandal an der Regensburger Uniklinik rechnet die Staatsanwaltschaft frühestens in zwei Wochen mit ersten Ermittlungsergebnissen.

Organspende-Skandal
Logo des Transplantationszentrums Göttingen: Hier soll ein ehemaliger Oberarzt in mehreren Fällen Krankendaten manipuliert haben. Foto: Julian Stratenschulte Foto: dpa

Die Anklagebehörde habe mittlerweile die Unterlagen des Krankenhauses erhalten, sagte Oberstaatsanwalt Wolfhard Meindl am Montag in Regensburg. Die Auswertung der Akten werde jedoch einige Zeit in Anspruch nehmen. Meindl schloss nicht aus, einen Gutachter hinzuziehen. Ob es neben dem bislang verdächtigten Oberarzt weitere Verdächtige gibt, konnte er nicht sagen.

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Unterdessen verzögert sich ein für Anfang dieser Woche geplantes Gespräch des bayerischen Wissenschaftsminister Wolfgang Heubisch (FDP) mit den Verantwortlichen der sieben Transplantationszentren im Freistaat. Dabei soll ausgelotet werden, wie Missbrauch bei Organspenden künftig besser verhindert werden kann. Eine Sprecherin des Ministeriums sagte am Montag, das Treffen solle «schnellstmöglich» stattfinden.

Unter anderem wolle man dabei über die Einrichtung eines Runden Tisches diskutieren. Welche Gruppen und Verbände daran teilnehmen könnten, blieb zunächst unklar. Das Gesundheitsministerium solle jedoch auf jeden Fall einbezogen werden. Auch «strukturelle Veränderungen» bei der Organisation von Transplantationen sollten thematisiert werden. Möglicherweise müsse ein Sechs-Augen-Prinzip zur Kontrolle der Abläufe eingeführt werden.

Zugleich warnte Heubisch vor einer übereilten Strafverschärfung. Die Untersuchungsergebnisse müssten abgewartet werden, bevor über eine erneute Änderung des Transplantationsgesetzes nachgedacht werde, sagte ein Sprecher des Ministers. «Jetzt drastische Maßnahmen zu fordern, fällt leicht.» Der CDU-Gesundheitsexperte Jens Spahn hatte harte Strafen verlangt und eine Gesetzesänderung ins Gespräch gebracht.

Der Oberarzt steht unter Verdacht, zuerst in Regensburg und später im Göttinger Uniklinikum Krankenakten gefälscht zu haben. Dabei soll er die Krankheit auf dem Papier verschlimmert haben, damit den Patienten schneller eine neue Leber implantiert wurde - obwohl andere sie vielleicht nötiger gehabt hätten. Von 2004 bis 2006 sollen in Regensburg in 23 Fällen die Krankendaten bei Lebertransplantationen manipuliert worden sein. Der Arzt, der seit November vom Dienst suspendiert ist, bestreitet nach Angaben der Göttinger Klinik die Vorwürfe.

Nach Informationen der «Süddeutschen Zeitung» (Montag) waren der Oberarzt und der mittlerweile beurlaubte Chirurgie-Chef des Universitätsklinikums Regensburg seit Jahren sehr vertraut. Die beiden Ärzte hatten sich demnach bereits Mitte der 1990er Jahre an der Medizinischen Hochschule Hannover kennengelernt. Als der Chefarzt die Chirurgie in Regensburg übernommen habe, habe er den Oberarzt in seine Abteilung geholt. Beide seien von da an häufiger ins arabische Ausland geflogen, um dort zu transplantieren. Der Chefarzt habe zudem die bis dahin schleppend verlaufene Karriere des Oberarztes in Gang gebracht.

Mitteilung des Klinikums