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Oper zum Anfassen

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Zigeunermädchen Carmen feiert mit Leutnant Zuniga. Hinten ist Dirigentin Elisabeth Fuchs mit dem Orchester zu sehen. (Foto: Benekam)

Wer zum ersten Mal in seinem Leben in die Oper geht, zum ersten Mal eintaucht in diese schillernde Welt aus großer Musik, atemberaubenden Arien, pompösen Kostümen und beeindruckendem Bühnenbild, für den bleibt dies sicher ein unvergessliches Erlebnis. Nicht wenige verlieben sich unsterblich in diese so ganz eigene Welt und finden immer wieder den Weg dorthin zurück, um in sie einzutauchen, in ihr aufzugehen, um sich in ihr zu vergessen.


Oper verzaubert. Und sie scheint unsterblich zu sein, denn ihre Geschichte reicht bis ins Mittelalter zurück. Die Oper schafft es, sich in unserer hochtechnisierten Welt ihren Platz zu erhalten. Damit das auch so bleibt, hat sich Elisabeth Fuchs, Gründerin der Kinderfestspiele Salzburg, ein wirkungsvolles Konzept einfallen lassen: In einem 60-minütigen Konzert, welches perfekt auf die Bedürfnisse seines jungen Publikums ausgerichtet ist und dessen Rahmenhandlung gezielt dessen Alter angepasst wurde, werden die Kinder an die Oper herangeführt.

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Das Interesse war zweifelsohne groß, was die erfreulich hohe Besucherzahl im Traunreuter k1 zeigte. Die kleinen Zuschauer mussten von den Eltern oder Großeltern nie zum Stillsitzen und Zuhören angehalten werden. Es war ja auch wirklich in keinem Moment langweilig, was da auf der großen Bühne geboten war.

Zunächst saßen da unzählige Musiker mit ihren Instrumenten im Rampenlicht, schade eigentlich, dass die im großen Opernhaus immer im Orchestergraben verschwinden. Und dann erschienen da immer wieder andere Figuren in wunderschönen Kostümen, welche die Handlung der bekannten Oper »Carmen« von Georges Bizet teils gesungen, teils gesprochen wiedergaben. Ganz besonders eindrucksvoll war auch mit anzusehen, wie die Dirigentin Elisabeth Fuchs mit großem Körpereinsatz und enormem Temperament ihr Orchester sowie die Opernsänger führte und motivierte. Wie ein musikalisches Feuerwerk, das sich da im Saal ausbreitete und Groß wie Klein in seinen Bann zog.

Der Inhalt der Oper um das feurige Zigeunermädchen Carmen war für die Kinder leicht zu verstehen. Zwischen den in französischer Sprache gesungenen Arien wurde von den Akteuren immer wieder, teils auch interaktiv, erzählt und kommentiert. Auf großer Leinwand waren im Hintergrund zur Szene passende Bilder zu sehen, wie etwa eine riesige Stierkampfarena. Die inmitten des Orchesters agierenden Akteure vereinten die Musik, das gesprochene Wort, den Tanz sowie die im Hintergrund zum Geschehen passenden Bilder zu einem gemeinsamen Ganzen.

Urkomisch und bestimmt einer der Höhepunkte der Kinderoper war die Demonstration eines Stierkampfes, für die sich die Dirigentin selbst als Stier hergab. Unnötig zu erwähnen, dass der »Dirigenten-Stier« bei soviel anfeuernden Kindern seinem Torero keine Siegeschance gewährte. Die Kinder verfolgten Carmens Geschichte aufmerksam und beteiligten sich immer wieder lautstark klatschend und mit Zurufen am Geschehen. Sie hatten das Gefühl, ein Teil dessen zu sein, was sich da zutrug, manchmal sogar Einfluss auf den Verlauf der Kinderoper zu haben.

Nicht nur die Kinderfestspiele Salzburg und ihre Leiterin Elisabeth Fuchs sind für die hervorragende Umsetzung ihrer Idee »Familienoper« zu beglückwünschen, sondern auch alle Opernfans. Denn nur wenn man Begeisterung weckt, sorgt man für Nachwuchs und sichert dadurch den Fortbestand dieser so vielseitigen Musikkunst. Große und kleine, alte und junge Zuschauer bedankten sich mit lautstarkem Applaus und kräftigem Füßestampfen für die »Mitmach-Oper«. Kirsten Benekam

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