Ökumenischer Berggottesdienst mit Bläserensemble am Predigtstuhl

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Pfarrer Markus Moderegger und Pfarrerin Claudia Buchner hielten den Gottesdienst. (Fotos: Veronika Mergenthal)
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Das Bläserensemble der Evangelischen Stadtkirche umrahmte den Berggottesdienst.

Bad Reichenhall – Die positive Bedeutung des Zweifels stand im Mittelpunkt des ökumenischen Berggottesdienstes am Predigtstuhl. Viele Gläubige versammelten sich am Gipfelkreuz – darunter auch Oberbürgermeister Dr. Christoph Lung mit seiner Lebensgefährtin.


Bei bestem Bergwetter leiteten die Feier Pfarrer Markus Moderegger von der Katholischen Stadtkirche und die Pfarrerin der Evangelische Stadtkirche, Claudia Buchner. Für sie war es die erste Messe als Kur- und Urlauberseelsorgerin, für Pfarrer Markus Moderegger das Berufsjubiläum. Vor Jahren hatte er die Primiz gefeiert. Das Bläserensemble der Evangelischen Stadtkirche unter Leitung von Kantorin Margarethe Schlegl eröffnete den Gottesdienst mit einer »Intrade in Jazz«.

Musikalische Begleitung

Im Ensemble spielten mitunter der zehnjährige Nicola Curovic – Sohn des Trompeters Zoran Curovic von den Bad Reichenhaller Philharmonikern – und der etwa gleichaltrige Christian Walter, der bei dem Berufstrompeter Unterricht nimmt, mit. Der Gottesdienst thematisierte Zweifel. Die Bibelstelle aus dem Kapitel 20 des Johannesevangeliums erzählt von der Erscheinung Jesu nach dem Tod in der Runde der Jünger. Apostel Thomas ist nicht dabei gewesen, hat an Jesu Erscheinung gezweifelt.

»Habe ich den richtigen Weg eingeschlagen? Habe ich beim letzten Gespräch mit dem Freund die richtigen Worte gefunden? Passt mein Beruf eigentlich zu mir?« Zweifel tauchten immer wieder auf, verdeutlichte Claudia Buchner in der Predigt mit den Fragen, die sie den Gläubigen stellte.

Es gebe Menschen, die vieles infrage stellen, andere, die in den Tag hineinleben und sich weniger Gedanken machen. »Wo stehen Sie?«, regte Claudia Buchner zum Nachdenken an. Für Zweifel lasse das Leben jedoch oft keinen Platz. »Welche Weltsicht ist die richtige?« Antworten seien gefragt, Zweifel hingegen seien quälend, bohrend, nagend, plagend.

»Der Zweifel ist ein unerwünschter Gast im seelischen Haushalt«, zitierte die Pfarrerin einen Psychoanalytiker.

»Ohne Zweifel keine Veränderung«

Das Wort Zweifel stamme vom althochdeutschen »zwifal« ab. »Zwifal« bedeutet Zweifalt – das Gegenteil von Einfalt. Warum also sei der Zweifel verpönt, wandte sie sich an die Gläubigen.

Zweifeln bedeute auch: Fragen stellen, kritisch sein, nicht blind folgen. Vor jedem Neuanfang, vor jeder neuen Idee stehe ein Zweifel, doch nur so sei Veränderung möglich.

Die Pfarrerin fragte die Versammelten, wie sie reagieren würden, wenn sie ihre Familie aufgeregt mit den Worten empfinge: »Jesus ist gerade da gewesen.«

Es sei kein Wunder, dass Apostel Thomas Zweifel gekommen sind und er Beweise sehen hat wollen.

Jesus habe Thomas' Zweifel ernst genommen ihm geholfen, wieder festen Boden unter den Füßen zu bekommen. So spreche der Apostel Thomas als Erster in der Erscheinungsgeschichte das Bekenntnis »Mein Herr und mein Gott« aus.

Mit dem Gedanken, dass Jesus mitten in der Welt in seiner Gemeinde weiterlebt, schloss Claudia Buchner die Predigt. »Wir alle sind Christus, so wie er jetzt sichtbar ist. Und sollte mancher bei so einem großen Satz ins Zweifeln kommen: Das macht nichts. Jesus hält unsere Zweifel aus, so wie damals den Zweifel von Thomas.«

In den von Dr. Christoph Lung vorgetragenen Fürbitten betete die Gemeinde unter anderem für alle, die an der Kirche zweifeln, die unter dem Klimawandel leiden, denen die Kraft zum Leben ausgegangen ist und die sich nach Ruhe und Erholung sehnen.

Claudia Buchner hatte den Berggottesdienst vorbereitet. Dafür dankte Markus Moderegger. Er feierte den Gottesdienst in seinem Urlaub mit. Nach dem Segenslied »Vertraut den neuen Wegen« gab das Ensemble den Gläubigen einen »Irischen Reisesegen« mit.

Veronika Mergenthal