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»Oberste Priorität hat die Sicherheit der Kinder auf dem Schulweg«

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Der Bauhof des Marktes Berchtesgaden sammelt den Schnee – hier noch an der Maximilianstraße im Markt – auf dem Salinenplatz.
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Die große Schleuder des Staatlichen Bauamts Traunstein ist auf der Buchenhöhe im Einsatz. (Fotos: Kastner/Voss)

Berchtesgaden – Es herrscht Lawinenwarnstufe vier. »Eine Ausnahmesituation«, sagen Andreas Hölzl, Obmann der Lawinenkommission Schönau am Königssee, und sein Stellvertreter Michael Hallinger. Diese »extreme Lage« hat unter anderem zur Folge, dass an manchen Schulen im Landkreis der Unterricht ausfällt. Mehrere Straßen im Landkreis wurden gesperrt. Und die Bauhof-Mitarbeiter haben alle Hände voll zu tun, die Schneemassen wegzuschaffen oder aufzutürmen.


Ettenberger Straße bis auf Weiteres gesperrt

Die Marktgemeinde Marktschellenberg hat gestern Nachmittag bekannt gegeben, dass die Ettenberger Straße in Marktschellenberg ab sofort offiziell gesperrt ist. Grund ist die Gefahr von Lawinen und umstürzenden Bäume. »Die Sperrung gilt bis auf Weiteres.« Darauf weist ein Schild an der Straße hin. Die Fällung von gefährdenden Bäumen wurde bereits in die Wege geleitet, so die Gemeinde. Wie Polizeichef Wilhelm Handke auf Nachfrage bekannt gab, sind sowohl der Fußweg als auch die Straße zwischen Hinterbrand und Mittelstation am Jenner gesperrt. Der Söldenweg in Bischofswiesen, der ab der Bachmannkapelle bis zum Söldenköpfl führt, darf nicht betreten werden. Und auch auf der B 305 gibt es nur eingeschränkt freie Fahrt: Der Bereich Weinkaser zwischen Schneizlreuth und Weißbach an der Alpenstraße ist gesperrt.

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Polizeibergführer und Obmann der Lawinenkommission Schönau am Königssee Andreas Hölzl berichtete gestern auf Nachfrage, dass es in den vergangenen Tagen innerhalb des Talkessels keine Lawinen gab – »zum Glück«. Nur kleinere Hangrutschungen in der Metzenleiten in Berchtesgaden. Derzeit herrsche allerdings Lawinenwarnstufe vier. Nicht nur in den höheren Lagen, sondern erstmals gleichzeitig in ganz Bayern. »So etwas hat es noch nie gegeben«, sagte Hölzl. Das bedeutet, dass auch in Lagen, die sonst als sicher gelten, Lawinen abgehen können, wie es zum Beispiel vor wenigen Tagen auf der Stoißer Alm geschehen ist. Bei dieser Lawine starb eine 20-jährige Skitourengeherin (wir berichteten).

Andreas Hölzl erklärt, was die Lawinenwarnstufe vier für Wintersportler bedeutet: »Es ist von Touren im freien Gelände derzeit generell abzuraten.« Nur im Pistenbereich sei es sicher. Die Aufgabe der Lawinenkommission, die in der Schönau etwa aus zwölf Mitgliedern besteht, ist es, die Situation in Skigebieten zu überwachen. »Wenn ein Mitglied etwa am Jenner eine Gefahr von Lawinen ausmacht, schauen sich drei Leute gemeinsam den Zustand der Schneedecke an und entscheiden dann mit Mitarbeitern der Jennerbahn, ob gesprengt werden muss«, erklärt Hölzl. Die Kommission ist dem Bayerischen Lawinenwarndienst untergeordnet, den es seit 1967 gibt. »Seitdem gab es in Bayern keinen einzigen Lawinentoten auf einer Skipiste«, sagt der Polizeibergführer und spricht von einer Erfolgsgeschichte. Am Jenner ist die Lawinenkommission derzeit nur für den unteren Teil des Skigebiets zuständig – oben gibt es momentan keinen Liftbetrieb, daher gilt dieser Bereich als »freies Skigelände« und wird nicht überwacht. Informationen zur aktuellen Lawinen-Lage gibt es auf der Internetseite www.lawinenwarndienst-bayern.de.

Land unter am Dürreck

Was den einen Sorgen bereitet, ist für die anderen eher erfreulich – so haben die Schüler in manchen Orten des Landkreises Berchtesgadener Land gezwungenermaßen schulfrei. Besonders von den Schneemassen betroffen ist die CJD Christophorusschule am Dürreck. Auf die Frage, wie viele Meter der weißen Pracht dort schon liegen, seufzt Sebastian Waldherr von der Verwaltung und sagt: »ausreichend.« Am Sonntag trafen Schulleiter Stefan Kantsperger und sein Team die Entscheidung, das Gymnasium und die Fachoberschule für Montag und Dienstag zu schließen. Gestern gab Waldherr auf Nachfrage noch bekannt: »Ab wann der Unterricht wieder stattfindet, wird am Dienstag in einer finalen Lagebesprechung entschieden.« Die Eltern würden wie auch am Sonntag rechtzeitig informiert, sei es durch die Lehrer oder mit einer Email.

Marktschellenberger Schule heute geschlossen

Der Schulamtsdirektor des Landkreises, Klaus Biersack, muss in diesen Tagen die gleichen wichtigen Entscheidungen fällen. »An der Grundschule Marktschellenberg etwa findet am Dienstag kein Unterricht statt«, informierte er gestern. Auch in Neukirchen nicht, was aber die Schüler des südlichen Landkreises nicht betrifft. In Berchtesgaden hatten die Schüler, die aus Maria Gern in den Markt fahren mussten, am Montag Probleme in die Schule zu kommen.

»Die Sicherheit unserer Kinder hat derzeit oberste Priorität«, so Biersack. Gefährlich sei vor allem der schwere Schnee auf den Bäumen. Daher wurden die Eltern gestern informiert: »Wer keinen sicheren Schulweg hat, der muss heute nicht unbedingt in die Grundschule Berchtesgaden gehen.«

Und wie geht es im Markt Berchtesgaden weiter? Wenn es so weiter schneit, gibt es bald kein Durchkommen durch die engen Gassen mehr. Die Schneeberge werden immer größer. Aber dort soll die weiße Masse ja nicht ewig bleiben. Laut Simone Hager vom Bauhof Berchtesgaden häufen die Mitarbeiter des Marktes den Schnee so gut es geht auf dem Salinenparkplatz auf. Annabelle Voss