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Obama geht in die Offensive - Hitzige Debatte mit Romney

Washington (dpa) - Drei Wochen vor der Wahl hat US-Präsident Barack Obama mit aggressiven Angriffen das zweite TV-Duell gegen seinen Herausforderer Mitt Romney gewonnen. Nach einer der hitzigsten Debatten in der US-Wahlgeschichte erklärten viele Medien Obama auf der Basis von Schnellumfragen zum Sieger.

Obama und Romney
US-Präsident Barack Obama (l) mit seinem republikanischen Herausforderer Mitt Romney. Foto: Michael Reynolds Foto: dpa

Allerdings bescheinigten sie auch Romney nach seinem Auftritt am Dienstag (Ortszeit) in der Hofstra University in Hempstead (New York) eine gute Leistung. Experten gehen davon aus, dass das Rennen bis zur Wahl am 6. November eng bleibt. Obama sei es zwar gelungen, verlorenen Boden gut zu machen, hieß es in zahlreichen Kommentaren. Entscheidend sei aber am Ende, wem es gelinge, die noch unentschiedenen Wähler für sich zu gewinnen. Die beiden Kontrahenten kommen am 22. Oktober in Florida zu ihrer dritten und letzten Debatte zusammen.

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Nach einem laschen Auftritt in der ersten TV-Debatte am 3. Oktober ging Obama voll in die Offensive. Er reagierte auf Erklärungen seines Kontrahenten mehrmals mit der Aussage: «Was Romney sagt, ist nicht wahr.» Romney beschuldigte den Präsidenten in der teilweise giftig geführten Debatte, zu wenig gegen die hohe Arbeitslosigkeit getan und Wahlkampfversprechen gebrochen zu haben. Beide Kandidaten fielen einander immer wieder ins Wort, kamen sich einander mehrere Male auch physisch sehr nahe. US-Medien sprachen am Mittwoch von einer der intensivsten TV-Debatten in der US-Wahlkampfgeschichte

Obama war unter großem Siegesdruck in die Debatte gegangen. Nach seinem schwachen ersten Auftritt hatte er seinen über Monate gehaltenen Vorsprung in Umfragen eingebüßt. In einer CNN/ORC-Umfrage erklärten ihn nun 46 Prozent zum Debattensieger vom Dienstag, 39 Prozent sahen Romney vorn. Beim Auftakt vor zwei Wochen hatten 67 Prozent der Befragten Romney als Sieger gesehen. Auch laut einer CBS News-Umfrage gewann Obama das Duell mit einem Sieben-Punkte-Vorsprung vor dem Ex-Gouverneur von Massachusetts. 33 Prozent sahen ein Unentschieden. In Schnellumfragen werden allerdings nur wenige Hunderte Wähler befragt. Sie gelten nicht unbedingt als repräsentativ.

Obama porträtierte Romney als einen Politiker mit extremen Positionen, wenig Verständnis für die Mittelschicht, aber mit einem großen Herzen für die Reichen. «Er hat einen Ein-Punkte-Plan - sicherzustellen, dass es für die Leute an der Spitze andere Regeln gibt», sagte Obama. Wiederholt warf er dem Multimillionär vor, die Tatsachen in der Energie-und Sozialpolitik zu verdrehen und den Wählern Steuerversprechen zu machen, die er nicht einhalten könne.

Obama brachte auch an, dass Romney nur 14 Prozent Steuern zahle und in chinesische Firmen investiere. Als Romney konterte, Obama solle seine eigenen Pensionsfonds mit Investments anschauen, antwortete der Präsident bissig: «Ich schaue mir meine Pension nicht an. Sie ist nicht so groß wie Ihre.»

Romney warf dem Präsidenten vor, es sei nicht akzeptabel, dass zum Ende von Obamas erster Amtszeit immer noch 23 Millionen Amerikaner nach einem vollwertigen Job suchen müssten. Außerdem habe der Präsident viele seiner damaligen Wahlversprechen gebrochen. «Als er sich um das Amt bewarb, sagte er, er könne das Defizit halbieren. Stattdessen hat er es verdoppelt.» Durch die hohen Staatsschulden bringe der Präsident die USA «auf den Weg Richtung Griechenland», so Romney weiter.

Diesmal handelte es sich um eine «Town Hall Debate», eine Art Bürgerversammlung. Die Fragen stellten die Zuschauer, die vom renommierten Umfrage-Institut Gallup ausgewählt wurden. Themen betrafen die Innen- als auch Außenpolitik. Von Beginn an standen auch die Steuerpläne und die schwache US-Konjunktur im Mittelpunkt.

Die Moderatorin Candy Crowley war der heimliche Star des Abends. Die politische Chefkorrespondentin des Nachrichtensenders CNN moderierte die Debatte ebenso detailsicher wie resolut und wies beide Teilnehmer mehrmals in die Schranken. In der heiklen Frage, ob Obama wirklich 14 Tage verstreichen ließ, ehe er den Angriff auf das US-Konsulat in Bengasi einen «Terrorakt» nannte, mischte sie sich ein und korrigierte Romney: Der Präsident habe bereits früher von Terror gesprochen, sagte sie. Im gleichen Atemzug gab sie aber auch Romney in einem Punkt Recht. Dafür gab es spontanen Applaus vom Publikum.

Die jüngste TV-Debatte sorgte für eine gewaltige Resonanz in den sozialen Netzwerken. Allein beim Kurznachrichtendienst Twitter gingen in der Nacht 7,2 Millionen Beiträge dazu ein.

CNN/ORC-Umfrage im Detail

CBS-Umfrage