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Fuß ohne Betäubung amputiert

Nordkorea-Flüchtling bei Para-Eishockey-Team des Südens

In Nordkorea kämpfte der Para-Eishockey-Spieler Choi Kwang Hyouk als Kind ums Überleben. Sein Fuß wurde nach einem Unfall ohne Betäubung abgenommen. Jetzt ist er bei den Winter-Paralympics für Südkorea dabei.

Choi Kwang Hyouk
Choi Kwang Hyouk flüchtete als Jugendlicher aus Nordkorea spielt jetzt für das Para-Eishockey-Team des Südens. Foto: Dirk Kodder Foto: dpa

Pyeongchang (dpa) - Wenn der 30-jährige Choi Kwang Hyouk über seine Vergangenheit erzählt, klingt es wie ein Wunder, dass er überlebt hat. Als Straßenkind erlebte er in Nordkorea die große Hungersnot Mitte der 1990er Jahre, die viele Menschen das Leben kostete.

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«Die Vergangenheit war nicht so hell, eigentlich will ich nicht mehr darüber nachdenken», sagt Choi, der 2001 aus Nordkorea geflüchtet ist, heute in Südkorea lebt und bei den Paralympischen Winterspielen in Pyeongchang in der Eishockey-Mannschaft des Gastgeberlandes steht.

Geboren wurde Cho 1987 in der Provinz Nord-Hamgyong im Nordosten von Nordkorea. Als er sieben Jahre alt war, trennten sich seine Eltern. Er zog zur Großmutter, die zwei Jahre später verstarb. Danach war er auf sich allein gestellt, ohne ein festes Dach über dem Kopf. Er habe sich von Essensresten ernähren müssen, sagt er.    

Um zu überleben, verkaufte er später in Zügen Eis am Stiel an die Fahrgäste. Weil er sich kein Ticket leisten konnte, fuhr er oft heimlich von Station zu Station auf den Waggondächern mit oder hielt sich an der Seite fest. «100 Eis-Lollies wogen etwa 15 Kilogramm», erzählt er.  

Vier Jahre lang kämpfte sich Choi so durch, als das große Unglück passierte. Er fiel von einem anfahrenden Zug und verletzte sich so schwer, dass sein linker Fuß amputiert werden musste. Weil es keine Arzneien gab, sei er ohne Betäubung operiert worden. «Ich wohnte in einem Land, in dem das Leben schon für Menschen mit gesunden Armen und Beinen schwierig war. Und ich dachte: Jetzt, wo ich auch noch behindert bin, werde ich sterben.» Er überlebte, schlug sich durch. «Aber das Leben war so schwierig, dass ich an Selbstmord dachte.»    

Schließlich gelang es seinem Vater, der mittlerweile in Südkorea lebte, über einen Mittelsmann Kontakt mit ihm aufzunehmen. Choi wurde herausgeschmuggelt und kam im August 2001 als 14-Jähriger nach Südkorea.

Später lernte er an einer Schule, wie man Prothesen herstellt. Ein Lehrer brachte ihn mit dem Para-Eishockey in Verbindung, bei dem die Spieler auf speziellen Schlitten dem Puck nachjagen. Sein Training zahlte sich aus, im vergangenen Jahr wurde er für die Para-Nationalmannschaft nominiert.

In Pyeongchang möchte sich Choi eigentlich nur auf seinen Sport konzentrieren und seinem Team zu einer Medaille verhelfen. Doch er weiß auch: «Ich kann der Aufmerksamkeit nicht entgehen.» Seine Geschichte weckt nicht nur das Interesse der Medienvertreter in Pyeongchang. Auch jedes Aufeinandertreffen mit Nordkoreanern erinnert ihn an sein Leben in seiner alten Heimat. Diese Zusammenkünfte sind nicht immer ganz unkompliziert.

Zunächst habe er keine Distanz gespürt, als er im Athleten-Dorf den Sportlern und anderen Delegationsmitgliedern aus Nordkorea über den Weg gelaufen sei, sagte Choi: «Wir sprechen die gleiche Sprache.» Wenig später sagte er aber auch: «Ich bin nicht verstört, doch ein wenig Distanz ist da.» In einem Interview der britischen Zeitung «The Guardian» sagte er vor Beginn der Paralympics: «Sie werden denken, dass ich ein Verräter bin.»

Bei den Olympischen Winterspielen im Februar habe er sich die Spiele der gesamtkoreanischen Eishockey-Mannschaft der Frauen angeschaut, sagt Choi. Das habe ihn sehr berührt. Nach dem letzten Match habe er die süd- und nordkoreanischen Spielerinnen gesehen, wie sie sich weinend in den Armen gelegen hätten. «Warum all dieser Schmerz, wenn wir in Frieden vereint sein können, dachte ich.»

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