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Nordkorea bietet der Welt die Stirn

Seoul/New York (dpa) - Der Atomstreit mit Nordkorea eskaliert: Trotz aller Warnungen hat das kommunistische Land genau zwei Monate nach dem weltweit verurteilten Raketenstart einen dritten Atomtest unternommen.

Atomanlage in Nordkorea
Ein Satellitenbild vom 18. Februar 2003 zeigt eine nordkoreanische Atomanlage. Foto: Space Imaging Asia/GeoEye Foto: dpa

Der unterirdische Atomversuch sei am Dienstag erfolgreich verlaufen, berichteten die nordkoreanischen Staatsmedien. Bei dem Test sei ein «miniaturisierter» Sprengsatz mit höherer Explosionskraft als bei den früheren Tests gezündet worden.

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Der Atomtest wurde weltweit scharf kritisiert. Der Sicherheitsrat der Vereinten Nationen verurteilte den Test, der gleich mehrere Resolutionen des Gremiums verletzte und eine Bedrohung für Frieden und Sicherheit der Welt sei, teilte der Rat nach einer kurzfristig einberufenen Sondersitzung in New York mit. Das mächtigste UN-Gremium kündigte an, sofort mit der Arbeit an einer neuen Resolution zu beginnen, die angemessene Maßnahmen beinhalten werde. Erst im Januar hatte der Rat mit einer Resolution die bereits bestehenden Sanktionen gegen Nordkorea ausgeweitet.

Nordkorea legte am Abend mit weiteren Drohungen nach. Der Test sei nur eine «erste Gegenmaßnahme» gewesen, hieß es in einer Erklärung des Außenministeriums in Pjöngjang. Sollten die USA durch ihr «feindseliges Vorgehen gegen die Volksrepublik» die Angelegenheit kompliziert machen, werde das Land keine andere Wahl haben, «zweite und dritte, stärkere Schritte in Folge zu unternehmen».

Mit dem dritten Test nach 2006 und 2009 könnte Nordkorea nach Meinung von Beobachtern seinem Ziel näher gekommen sein, einen Sprengkopf zu bauen, der auf einer Rakete installiert werden kann. Bisher ging man in Südkorea und den USA davon aus, dass Nordkorea diese Technologie noch nicht beherrscht.

Nordkorea hatte den Test aus Protest gegen die Ausweitung von UN-Sanktionen gegen das Land wegen seines umstrittenen Raketenstarts im Dezember angekündigt. Die USA, Südkorea und andere Staaten sehen diesen als verschleierten Waffentest im Rahmen des nordkoreanischen Atomwaffenprogramms.

Bei den Vereinten Nationen und den fünf ständigen Mitgliedern des UN-Sicherheitsrats (USA, Russland, China, Frankreich und Großbritannien) stieß der Test auf ebenso scharfe Kritik wie bei der Internationalen Atomenergiebehörde IAEA, der Europäischen Union (EU) und der Nato. Der südkoreanische Geheimdienst NIS wollte nicht ausschließen, dass Nordkorea im Falle einer Bestrafung durch den UN-Sicherheitsrat einen weiteren Atomtest durchführen sowie eine neue Langstreckenrakete testen könnte.

US-Präsident Barack Obama sprach in einer vom Weißen Haus verbreiteten Stellungnahme von einer höchst provokativen Aktion. Der Test erfolgte nur wenige Stunden vor der Rede Obamas zur Lage an die Nation. Moskau forderte die Führung in Pjöngjang unter Androhung weiterer Sanktionen zum Verzicht auf ihr Raketenprogramm auf.

China forderte Nordkorea «dringend auf, sich an seine Verpflichtung zur Denuklearisierung zu halten und keine weiteren Aktivitäten durchzuführen, die die Situation verschlimmern könnten». In Peking wurde Nordkoreas Botschafter in das Außenministerium zitiert, wo ihm Minister Yang Jiechi einen geharnischten Protest und die «starke Unzufriedenheit» Chinas mit der «Missachtung der Haltung der internationalen Gemeinschaft» übermittelte.

Frankreichs Präsident François Hollande verlangte von Pjöngjang, sein Atomprogramm vollständig zurückzufahren. Der britische Außenminister William Hague sprach von einer «Bedrohung der internationalen Sicherheit und der Sicherheit in der Region». Der Iran, der vom Westen verdächtigt wird, selbst heimlich eine Atombombe zu bauen, forderte ein weltweites Verbot von Atomwaffen.

Bundesaußenminister Guido Westerwelle (FDP) forderte weitere internationale Sanktionen gegen Nordkorea. Japan kündigte eine Verschärfung seiner Sanktionen gegen das Nachbarland an. Südkorea berief wie Japan den nationalen Sicherheitsrat ein. Die Streitkräfte Südkoreas wurden in erhöhte Alarmbereitschaft versetzt. Nach Angaben Südkoreas erfolgte der Test kurz vor Mittag (04.00 MEZ) auf dem nordkoreanischen Atomtestgelände Punggye-ri im Nordosten des Landes.

Bei der zuständigen UN-Behörde wurde der Atomtest weiterhin als «Ereignis» behandelt. Um den genauen Grund für die ungewöhnlichen Erdstöße zu ermitteln, brauche die UN-Behörde zur Überwachung des internationalen Kernwaffenteststopp-Abkommens (CTBTO) noch mindestens zwei Tage. Bis dahin bestätigt die Behörde den Atomtest offiziell nicht und spricht weiterhin von einem «Ereignis».

Südkoreas Verteidigungsministeriums erklärte, der Test könnte eine Sprengkraft von sechs bis sieben Kilotonnen TNT gehabt haben. Dagegen errechnete die Bundesanstalt für Geowissenschaften und Rohstoffe in Haidmühle in Bayern anhand der Messungen der Erschütterungen auf der Richterskala eine Ladungsstärke von 40 Kilotonnen TNT-Äquivalent. Zum Vergleich: Die Bombe, die 1945 über Hiroshima gezündet worden war, hatte eine Sprengkraft von 13 bis 16 Kilotonnen TNT.