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Nits zaubern wieder eine ganz eigene Klangwelt

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Nits
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«angst» ist das 19. Studioalbum von den Nits. Foto: Tabea Hüberli Foto: dpa

Einst besangen sie augenzwinkernd nicht existierende holländische Berge, heute sehr melancholisch ein Stück niederländische Geschichte. Die Nits waren und bleiben eine der originellsten europäischen Popbands.


Berlin (dpa) - Eigentlich sind die Nits viel zu zurückhaltend und zu vornehm für einen echten Hit. Und doch hatten sie mal einen - noch dazu mit dem spaßigen Titel «In The Dutch Mountains».

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30 Jahre ist es jetzt her, dass die Artpop-Band aus Amsterdam in den Charts-Sendungen auftauchte mit diesem eingängigen Liedchen, das nicht ganz typisch war für ihr Schaffen. Obgleich: Unter all den fiesen Eighties-Hits war dieser eine wahre Wohltat.

Die Mitte der 70er Jahre gegründete Formation um Frontmann Henk Hofstede und Schlagzeuger Rob Kloet - zu denen sich seit langem Keyboarder Robert Jan Stips gesellt - stand immer für ambitionierte Musik zwischen Gitarren- und Pianopop, Chanson und moderner minimalistischer Klassik. Höhepunkt war das so federleichte wie intensive «Ting» (1992).

Danach war der Nits-Output eher wechselhaft, an ihre Form der späten 80er und frühen 90er schienen sie nicht mehr so recht anknüpfen zu können. Bis jetzt: Über 40 Jahre nach dem Start gelingt dem Trio mit «angst» (Bertus exclusive/H'art) nochmal so ein Wunderwerk wie «Adieu Sweet Bahnhof» (1984) oder «Ting».

Wieder kreieren die Nits ihre ganz eigene Spielart von intelligenter, sehr freier Popmusik, ihre ganz eigene Klangwelt. Hofstedes typische, oft leicht nasal meckernde und doch angenehme Stimme, der sorgsame Umgang mit Elektronik, Kloets jazziges, ungeheuer einfallsreiches Schlagzeugspiel - alles wieder da.

Auch inhaltlich ist das Album höchst anspruchsvoll, es geht um das Leben in den Niederlanden während der deutschen Besatzung und in der Nachkriegszeit. Hitler und Hakenkreuze, die Stadt Köln und Kreidler-Mopeds, aber auch US-Soldaten und Elvis tauchen in den englischen Texten mit einigen deutschen Einsprengseln («Zündapp nach Oberheim»).

«angst» ist ein bezaubernd meditatives, oft wehmütiges Album. Die Nits sind damit wieder so gut, wie man sie sich nur wünschen kann - also eine der feinsten Popbands Europas. Das beweisen sie übrigens auch bei ihren Konzerten. Im Mai 2018 kommen Hofstede & Co zu sicher wieder faszinierenden Auftritten nach Deutschland - bitte vormerken: 4.5. Karlsruhe, 15.5. Hamburg, 16.5. Berlin, 17.5. Berlin.

Website Nits