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Neueste Entwicklungen in der aktuellen globalen Jazzszene ...

... verspricht der 33. Jahrgang des Internationalen Jazzfestivals Saalfelden in einer Art Momentaufnahme abzubilden. Vom 23. bis 26. August wird im Pinzgauer Städtchen auf den Kosmos Jazz in seiner unendlichen Vielfalt fokussiert, was – vergleichsweise für Mathematiker – in etwa der Quadratur des Kreises entspricht. Klangstilistisch kündigen sich diesmal leicht tektonische Verschiebungen an: Weg von den Laptop-generierten Electro-Beats, hin zu den akustisch dominierten Ensembles.

Mit den Projekten der amerikanischen Musikerinnen Mary Halvorson (Gitarre) und Jenny Scheinman (Violine) sowie der japanischen Pianistin Aki Takase und ihrem New Blues Project darf in Saalfelden der weibliche Anteil der Musikerzunft endlich wieder verstärkt Akzente setzen.

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Der nimmermüde Freejazz-Veteran Pharoah Sanders überrascht mit seinem brandneuen Sextett Sao Paulo and Chicago Underground und setzt gleichzeitig einen würdigen Schlusspunkt für die insgesamt 31 Konzerte auf vier Bühnen. Intendant Mario Steidl: »Wir bekennen uns nach wie vor zu den experimentellen Wurzeln, die dieses Festival immer geprägt haben. Eine Hinwendung zu einer Hitparade der großen Alten wird es nicht geben.« Schließlich wetteifern in Saalfelden ja drei Musikergenerationen um den Spannungsbogen zwischen einer reichhaltigen Tradition und nie dagewesenen Ansätzen.

Besonders gespannt sein darf man auf die nach gut 50 Jahren wieder rekrutierte Experimental Band des 81-jährigen Pianisten und Komponisten Muhal Richard Abrams. Dessen spektakuläres Nonett besteht fast zur Gänze aus höchst eigenständigen Musikerlegenden, die allein schon ganze Kapitel in der Jazzgeschichte füllen – nicht zuletzt auch wegen der politischen Dimension ihrer radikalen Klangkunst. Einer von ihnen ist der Saxofonist/Flötist Henry Threadgill, den die »Zeit« einmal den »sperrigsten Visionär in der aktuellen amerikanischen Musik« nannte. Das Fotoporträt zeigt Threadgill backstage beim Saalfeldener Jazzfestival 2007. Besonders erfreulich: Für schnell entschlossene Neugierige wie auch für diejenigen »Einsteiger«, die beim Wort »Jazz« (zu Unrecht) reflexartig und generell an eine anstrengende und verkopfte Eliteveranstaltung denken – die kostenlosen Konzerte auf der Bühne am Stadtplatz als auch auf den umliegenden Almen bieten mit ihrem weltmusikalischen Schwerpunkt eine durchwegs hochwertige und ebenso vergnügliche Ergänzung zum Programm auf den zwei Hauptbühnen im Kongress und im Nexus. Das ausführliche Programm mit Hörbeispielen befindet sich im Netz unter www.jazzsaalfelden.com. (Text/ Foto: Norbert Klinge)