weather-image
15°

Neues Mitglied für die Landschaftspflege

4.8
4.8
Bildtext einblenden
Zur Freude des Vorsitzenden Anton Kern (l.) unterzeichnete Landwirtschaftsministerin Michaela Kaniber den Mitgliedsantrag beim Landschaftspflegeverband Bioshärenregion Berchtesgadener Land. (Foto: Konnert)

Bayerisch Gmain – Der Landschaftspflegeverband (LPV) Biosphärenregion Berchtesgadener Land sieht sich drei Jahre nach seiner Gründung auf einem guten Weg. »Es geht aufwärts«, war die klare Botschaft des 1. Vorsitzenden Anton Kern an Landwirtschaftsministerin Michaela Kaniber, die den Verband in Bayerisch Gmain besuchte. Mit dabei waren auch Beate Krettinger, Landeskoordinatorin für Bayern beim Deutschen Verband für Landschaftspflege, Vorstandsmitglied Anton Mühlbauer aus Ainring und die Geschäftsführerin des LPV Susanne Thomas.

Anzeige

Gemeinsam besichtigten sie eine 3,5 Hektar große Streuwiese am Sonnensteig in Bayerisch Gmain. Hier erläuterten Anton Kern und Susanne Thomas die Ziele, Organisation und Arbeitsweise des LPV in der Region. Bei einem anschließenden intensiven Austausch im Gasthof »Dreisesselberg« ging es um derzeitige Kooperationen der Landschaftspflegeverbände mit dem Landwirtschaftsministerium sowie Möglichkeiten einer verstärkten Zusammenarbeit im Bereich Beratung und Projektförderung in der Zukunft. Die Streuwiese am Sonnensteig sei ein typisches Beispiel für Flächen, die für die Zielsetzung des LPV interessant sind. Solche Flächen haben zwar keinen aktiven landwirtschaftlichen Nutzung mehr, haben aber ein breites Potenzial für den Naturschutz. Der LPV erstellt Pläne zum fachlichen Umgang auf der Fläche, schafft Fördergelder für die Durchführung der notwendigen Maßnahmen, beauftragt Landwirte mit der konkreten Umsetzung und kontrolliert die Antragsvorgaben.

Erfolgreiche Maßnahme am Sonnensteig

Laut Kern sei die Zusammenarbeit mit dem LPV sowohl für die Flächeneigentümer als auch für die ausführenden Landwirte freiwilig. Jährlich könnten Landwirte über eine weitere Zusammenarbeit mit dem LPV entscheiden. Für Kern sei die Pflege solcher Flächen ein wichtiger Beitrag zum Erhalt der Kulturlandschaft. Landwirte hätten hier ein wichtiges zusätzliches Einkommen. Die vom LPV beantragten Fördergelde würden damit in der Region bleiben. Eine erfolgreiche Maßnahme sei laut Susanne Thomas die gemeindliche Streuwiese am Sonnensteig. Die Fläche wurde lange nicht gepflegt, weil es sich für den Eigentümer nicht gelohnt hat. Dadurch haben sich Neophyten, das Indische Springkraut oder die Kanadische Goldrute massiv ausgebreitet. Das Haus Hohenfried pflegt nun im Auftrag des LPV diese Streuwiese. Um die Aussamung der Neophyten zu verhindern, mähen die Verantwortlichen bereits früh im Jahr die Wiese und kompostieren das Schnittgut. Der Zustand der Fläche verbessere sich zunehmend, die Vielfalt von Insekten sei beeindruckend. Man müsse aber dran bleiben, denn man habe hier auch mit Brombeerwuchs zu kämpfen.

Für die Ministerin sei eine Einrichtung, die die Erhaltung und Entwicklung der Kulturlandschaft im Berchtesgadener Land anstrebe, wichtig. Die paritätische Besetzung der Vorstandschaft mit jeweils drei Vertretern der Landwirtschaft, des Naturschutzes und der Kommunen schaffe neue Allianzen und Chancen für den Erhalt der Heimat.

Gestärkt durch Volksbegehren und Initiative

Durch das Volksbegehren und anschließende Versöhnungsgesetz seien die Landschaftspflegeverbände gestärkt und in Bayern flächendeckend eingerichtet worden. Ihr Ministerium kooperiere mit dem LPV bei der Heckenerneuerung, wo die Verbände im Rahmen des Kulturlandschaftspflegeprogramms Förderanträge dafür stellen können. Auch im Rahmen der Initiative »boden:ständig« zu Verbesserungen beim Boden- und Gewässerschutz sieht Kaniber wichtige Berührungspunkte mit dem LPV. Sowohl bei der Planung als auch bei der Umsetzung in der Landschaft. Eine Zusammenarbeit im Beratungsbereich erachtet die Ministerin derzeit als nicht notwendig. Beratung zur Biodiversität sei eine klassische staatliche Aufgabe, die durch das Versöhnungsgeste noch gestärkt worden sei. Man wolle keine Doppelstrukturen aufbauen. Beate Krettinger stellte zwei Projektskizzen vor. Zum einen soll man damit bei der Pflege von LPV-Flächen das anfallende Material für Kompostierungsställe prüfen. Zum anderen soll sich die Biodiversität beim Eiweißpflanzenanbau beispielsweise durch Luzernestreifen erhöhen. Kaniber versprach, die Förderfähigkeit zu prüfen.

Verschiedene Projekte

Geschäftsführerin Thomas hat verschiedene Projekte: So möchte man bei der Beweidung mit Schafen aktiv werden. Alte regionale Schafsrassen, Weidezäune und Entbuschung sind die Stichworte. Auch werde eine Biosammelzertifizierung von Streuobstwiesen geprüft. Personell sei eine Verstärkung des LPV im Landkreis notwendig, um die wachsenden Aufgaben zu bewältigen.

Anton Kern informierte zudem die Ministerin, dass aktuell 13 von 15 Kommunen im Landkreis sowie der Landkreis selbst Mitglied im LPV Biosphärenregion Berchtesgadener Land seien. Insgesamt habe man zur Zeit 52 Mitglieder, neben den Kommunen seien dies Firmen, Vereine, Verbände und Privatpersonen. Seit dem Treffen in Bayerisch Gmain hat der Verband ein prominentes Mitglied mehr. Landwirtschaftsministerin Michaela Kaniber ließ sich nicht lange bitten und unterschrieb noch bei dem Treffen den Mitgliedsantrag. Monika Konnert