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Neuer Laxersteig am Jenner: »Die Senkrechte ist ein stiller Erzieher«

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Königssee: Pate des Laxersteigs am Jenner: »Die Senkrechte ist ein stiller Erzieher«
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Eine ganze Seilschaft steht hinter dem Projekt Laxersteig (v.l.): Pate Thomas Huber, die beiden »Laxara« Stefan Lochner und Hans Wein, Bürgermeister Hannes Rasp, Sepp Bernegger, Zweiter Vereinsvorsitzender Ulli Heimann, Franz Moderegger und Jenneralm-Chef Thomas Hettegger. (Fotos: Veronika Mergenthal)

Schönau am Königssee – Für alle ambitionierten Klettersteiggeher gibt es am Kleinen Jenner eine sportliche Erweiterung zum Schützensteig: den »Laxersteig« im Schwierigkeitsgrad C. Bei der Eröffnungsfeier im kleinen Kreis an der Jennerbahn-Bergstation übernahm Extremkletterer Thomas Huber die Patenschaft für diesen Steig. Eine weitere Überraschung: Der Verein SC Grünstein-Klettersteig dankte Ideengeber und Initiator Michael Grassl mit einer Ehrentafel.


»Es ehrt mich, hier Pate zu sein«, erklärte der Wahl-Berchtesgadener Thomas Huber. Normalerweise geht er keine Klettersteige, eine Ausnahme machte er am Freitag bei der Begehung des Laxersteigs mit einem Team des Bayerischen Fernsehens. »Der Grassl Michael hat verrückte, gute Ideen. Er hat den Klettersteig so super in die Landschaft eingefügt, er ist von unten bis oben ein Erlebnis«, so sein Urteil.

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Normalerweise ist Hubers Philosophie beim Klettern, nichts als die eigenen Fußspuren zu hinterlassen. Er erklärte, warum er dennoch als Pate hinter diesem Eingriff stehen kann: Der bestehende Klettersteig sei für ihn »nicht erweitert, sondern optimiert« worden. Der größte Fehler seien Erweiterungen in noch unberührte Gebiete: »Damit verbauen wir unsere Zukunft.«

Mit solchen Optimierungen hingegen könne man Gäste, von denen man im Talkessel definitiv lebe, und ambitionierten Bergliebhabern in eine Welt entführen, die normalen Wanderern und Berggehern verschlossen bleibt: die Senkrechte. Dies gebe den Menschen einen »Heiden-Respekt«. »Da merkt man, dass man als Mensch nicht derjenige ist, der alles im Griff haben muss, sondern dass man Teil dieses Ökosystems ist.« Oben am Gipfel angekommen werde man demütig und erlebe ein Glücksgefühl, das lange nachwirkt. »Dann hast du vielleicht eine ganz andere Achtsamkeit gegenüber dem Ganzen. Die Senkrechte ist ein stiller Erzieher.«

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Stefan Lochner überreichte seinem Nachfolger als Vorsitzender des Klettersteigvereins, Michael Grassl, eine Ehrentafel.

»Das Feuer, das in uns brennt, wollen wir gerne an unsere Gäste weitergeben«, erklärte Hubers Seilpartner, der Bergführer Michael Grassl, seine Beweggründe, aus denen er sich seit 1997 mit den Übungsklettersteigen am Hanauer Stein in Unterstein für die Schaffung von mittlerweile sechs Varianten am Grünstein und Jenner engagiert. Er möchte die Leute an Grenzen heranführen und ihnen Sicherheit vermitteln, dank derer sie dann auch beim Wandern souveräner unterwegs sind.

Er und Bürgermeister Hannes Rasp zeigten sich stolz darauf, dass man im Tourismus in der Gemeinde Schönau nicht stehen geblieben ist und durch die große Nachfrage bestätigt wird.

Hannes Rasp, selber begeisterter Klettersteiggeher, dankte dem Klettersteigverein und zeigte sich erfreut, dass die Namensgebung wieder auf die Gemeinde und Heimat bezogen ist. Der Klettersteig sei auch gut für alle Einheimischen, »die sich beim normalen Kraxeln fürchten«.

Der Steig ist dem 1986 am Mawenzi Kilimandscharo verunglückten »Laxer Tonei« und dem langjährigen Klettersteigvereins-Vorsitzenden Stefan Lochner alias »Laxara«, Tonis Cousin, gewidmet. Der Tonei habe ihn sehr inspiriert, zur Bergwacht gebracht, zum Klettern mitgenommen und ihm sogar das Schuhplatteln beibringen wollen, was aber nicht ganz geklappt habe, erzählte Michael Grassl. Unter den Gästen begrüßte er unter anderem Vertreter von Seilbahn und Tourismus, Helfer wie den Steigbohrer Sepp Bernegger und Tonis Bruder, der »Laxer Hansi« (Hans Wein). Den Beitrag zum »Erlebnisberg« Jenner würdigte Jennerbahn-Vorstand Franz Moderegger mit einer Geldspende und begrüßte wie seine Vorredner, dass dafür andere Bereiche geschont werden.

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Wenn der Klettersteig den Menschen Respekt, Demut und Achtsamkeit vermittelt, hat er für Thomas Huber seine Aufgabe erfüllt.

Die Ehrentafel möchte der Verein zusammen mit Grassl noch an passender Stelle aufstellen. Bei Überreichung zeigte sich Stefan Lochner stolz, dass der Steig den Namen des Laxerlehens trägt. Gemeinde, Tourismus und viele Klettersteiggeher hätten Michael Grassl, der sich selber immer in die zweite oder dritte Reihe gestellt habe, viel zu verdanken. »Ohne Klettersteige gäbe es keinen Verein, ohne Verein keine Vorstandschaft, ohne Verein keine so schöne Kameradschaft, Harmonie und Zusammenhalt.« Nicht nur als Ideengeber, auch beim Bauen oder bei der Reparaturarbeit sei Grassl stets ganz vorne dabei gewesen. Sicherheit beim Bau sei für ihn oberstes Gebot.

»Es hätten viele eine Tafel verdient«, betonte Grassl. »Es geht nur miteinander, als Team und als Seilschaft.« Der Klettersteigverein, dem Grassl seit einem Jahr vorsteht, sei beispiellos. Viele Klettersteige würden in Privatinitiative gebaut und hätten nicht diesen Rückhalt in der Bevölkerung. »Der Laxersteig ist mein Lieblingssteig«, verriet Grassl. Er wünschte ihm, dass er gut angenommen wird und unfallfrei bleibt. Eine Gedenktafel für den Laxer Tonei solle noch aufgestellt werden.

Hintergrundinfos

Der Beitrag des Bayerischen Fernsehens mit Extremkletterer und Laxersteig-Pate Thomas Huber wird am Freitag, 19. Juni, zwischen 17.30 und 18.30 Uhr in der Abendschau ausgestrahlt. Bei teils widrigen Verhältnissen mit Regen und Schnee wurden von sechs Helfern in Rekordzeit in etwa 150 Arbeitsstunden 200 Meter Stahlseil mit 16 Millimeter Dicke, 65 Sicherungsstifte, 82 Trittbügel und zwei Trittstifte nach gängigen Empfehlungen der Klettersteig-Richtlinien verbaut.

Zum Einsatz kamen eine Benzin-Bohrmaschine und eine mit einem Aggregat betriebene Schlagbohrmaschine, wobei die Bohrlöcher mit einem Durchmesser von 24 Millimetern und einer Mindesttiefe von 15 Zentimetern gebohrt und die Stifte mit Verbundmörtel verklebt wurden. Die Durchstiegs-Zeit vom neuen Laxersteig beträgt etwa eine Stunde, die Gesamtgehzeit in Kombination mit dem Schützensteig etwa zwei bis zweieinhalb Stunden. vm

Veronika Mergenthal