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Neuer DOSB-Präsident Hörmann nach Wahl in der Defensive

Berlin (dpa) - Das Bewährungsjahr für Alfons Hörmann hat mit einem Fehlstart begonnen: Der neue DOSB-Präsident muss in den ersten Tagen seiner Amtszeit eine Negativnachricht nach der anderen kommentieren.

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Dem neuem DOSB-Präsidenten Alfons Hörmann droht ein Prozess. Foto: Arne Dedert Foto: dpa

Kaum hatte Hörmann kritische Fragen zu den Olympischen Winterspielen und dem Verzicht von Bundespräsident Joachim Gauck auf einen Besuch in Sotschi beantwortet, musste er sich wieder gegen Kartellamtsvorwürfe zur Wehr setzen. Sogar ein Prozess droht dem 53-Jährigen aus Sulzberg. Dem Ex-Manager werden illegale Preisabsprachen beim Geschäft mit Dachpfannen vorgehalten.

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«Wir haben die Vorwürfe des Bundeskartellamts geprüft und uns zu eigen gemacht», sagte ein Sprecher der Generalstaatsanwaltschaft Düsseldorf auf dpa-Anfrage. Die Akten seien dem Düsseldorfer Oberlandesgericht zugestellt worden. Das Gericht hat für das Verfahren noch keinen Termin bestimmt. Hörmann sieht in dem anhängigen Ordnungswidrigkeitsverfahren keinen neuen Stand. «Durch die Aktenabgabe an das OLG hat sich in der Sache des Ordnungswidrigkeitenverfahrens nichts geändert», heißt es in einer vom DOSB veröffentlichen Mitteilung Hörmanns.

Nur drei Tage nach seiner Wahl zum Chef des Deutschen Olympischen Sportbundes (DOSB) verwies er darauf, dass keinerlei Auswirkungen auf die Ausübung von haupt- oder ehrenamtlichen Spitzenpositionen zu erwarten seien. Dies sei in zwei unabhängig voneinander durchgeführten Prüfungen der Faktenlage durch den Deutschen Skiverband im Jahr 2008 und zuletzt durch den DOSB klar herausgearbeitet worden.

Der zunächst bis 2014 gewählte Hörmann fühlt sich durch das klare Votum der DOSB-Mitgliederversammlung gestärkt und unterstrich: «Das Verfahren werde ich in aller gebotenen Professionalität bearbeiten, so dass eine ordnungsgemäße Ausübung des Amtes im DOSB gesichert ist.» Das Bundeskartellamt hatte 2008 Bußgelder in Höhe von 150 000 Euro gegen Hörmann und 66 Millionen Euro gegen die Firma Creaton AG verhängt, deren Vorstandsvorsitzender Hörmann damals war. Dagegen hatte er Einspruch erhoben. Die Vorwürfe seien unbegründet. Nun muss der Kartellsenat des Oberlandesgerichts die Bußgeldbescheide überprüfen.

Im ZDF-«Morgenmagazin» räumte der Nachfolger von Thomas Bach viele kritikwürdige Punkte an der Vergabe der Olympischen Winterspiele an Sotschi ein. «Die Art, wie die Spiele dort umgesetzt werden, erfährt an zahlreichen Stellen berechtigte Kritik», gab Hörmann zu und bedauerte, dass Bundespräsident Gauck nicht zu den Spielen nach Russland reisen wird. «Selbstverständlich wäre es für uns ein schönes Signal gewesen, wenn er mit von der Partie wäre», sagte Hörmann, es gebe aber keinen Automatismus.

Die Politik gibt derzeit auch mit dem geplanten schärferen gesetzlichen Maßnahmen im Anti-Doping-Kampf das Tempo vor. Die DOSB-Versammlung hatte sich am vorigen Wochenende bei einer Resolution auf ein Kompromisspapier geeinigt - und ist damit aus Hörmanns Sicht einen nennenswerten Schritt weiter. Doch der Eindruck bleibt, dass der deutsche Sport derzeit hinterherläuft.