Neue Jennerbahn trotz Winterchaos und Corona auf Höhenflug

Königssee: Neue Jennerbahn trotz Winterchaos und Corona auf Höhenflug
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Die Jennerbahn ist aktuell beliebter denn je. Die Aktionäre konnten auf der BBAG-Hauptversammlung viele positive Zahlen zur Kenntnis nehmen. (Fotos: Ulli Kastner)

Schönau am Königssee – Trotz Schneechaos und damals noch eingeschränkten Winterfahrbetriebs blickt die neu gebaute Jennerbahn auf ein erfolgreiches Geschäftsjahr 2018/2019 (1. November bis 31. Oktober) zurück.


Vorstand Franz Moderegger präsentierte den Aktionären auf der ordentlichen Hauptversammlung der Berchtesgadener Bergbahn AG (BBAG) am Montag im Gasthof »Unterstein« einen Geschäftsbericht, der unter anderem mit fast 265.000 Fahrgästen einen neuen Rekord aufwies. Dass die Kosten für das Neubauprojekt zuletzt noch einmal von 56 auf 60,7 Millionen Euro angestiegen sind, beunruhigte die Aktionäre nicht. Die Entlastung von Vorstand und Aufsichtsrat erfolgte einstimmig.

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Corona-bedingt nicht in der Jenner-Bergstation, sondern im großen Saal des Gasthofs »Unterstein« traf man sich zur ordentlichen Hauptversammlung. Trotz der kritischen Infektionslage habe man vonseiten des Landratsamtes noch grünes Licht für die Abhaltung der Veranstaltung bekommen, sagte Aufsichtsratsvorsitzender Peter Hettegger, der die Versammlungsteilnehmer an die Pflicht zum Maskentragen erinnerte.

Bereits am Montagnachmittag war dann klar, dass die Behörden dem Landkreis einen Lockdown verordnen würden. Seit Dienstag herrscht nun auch bei der Jennerbahn Stillstand. Die zur Hauptversammlung gekommenen Aktionäre vertraten 84,34 Prozent des Grundkapitals. Das entsprach 17.711 von insgesamt 21.000 Aktien.

Nach den Worten Hetteggers ist seit der letzten Hauptversammlung Stefan Pfnür aus dem Aufsichtsrat ausgeschieden, dafür rückte Bürgermeister Hannes Rasp in den Aufsichtsrat nach. Pfnür soll für seine langjährige Tätigkeit noch ein Geschenk erhalten. Stellvertretender Aufsichtsratsvorsitzender wurde Georg Hinterleitner. Als technischer Betriebsleiter bestätigt wurde Richard Wagner, für ihn rückte Maximilian Bosch als Arbeitnehmervertreter in den Aufsichtsrat nach.

Erfolgreiche Neueröffnung zu Pfingsten

Laut Vorstand Franz Moderegger war das Geschäftsjahr 2018/2019 der BBAG geprägt von der Fertigstellung der Bergbahn. In diese Zeit fiel auch das Schneechaos im Januar 2019. »Das hat uns während des teilweisen Winterbetriebs die Arbeit erschwert und natürlich auch zu Kostensteigerungen geführt«, betonte Moderegger.

Grund zur Freude gab es dann aber bereits an Pfingsten 2019, als die neue Bahn trotz weitergehender Bauarbeiten am Berg offiziell eröffnet wurde. 10.000 Besucher nutzten am Pfingstwochenende die moderne Aufstiegshilfe. »Wir hatten einen super Start und haben dann alle Rekorde gebrochen«, freute sich Franz Moderegger. Bis zum Ende des Geschäftsjahres am 31. Oktober zählte man 263.585 Fahrgäste. Das waren 19 Prozent mehr als im bisherigen Rekord-Geschäftsjahr 2015/2016 und 29,6 Prozent mehr als im Fünf-Jahres-Vergleich.

»Das zeigt, wie sehr Gäste und Einheimische auf dieses Angebot gewartet haben«, betonte der Vorstand, der auch finanziell Positives berichten konnte. Die Bilanzsumme beträgt mittlerweile 70,3 Millionen Euro und ist fast zu einem Drittel aus Eigenkapital und eigenkapitalähnlichen Mitteln finanziert. »Das kann man als solide bezeichnen«, so Moderegger. Die betrieblichen Erträge konnten von 3,6 Millionen auf 6,3 Millionen Euro gesteigert werden. Das Jahresergebnis ist zwar mit einem Fehlbetrag von 1,2 Millionen Euro noch einmal negativ ausgefallen, das hatte man wegen des stark eingeschränkten Betriebs aber auch so erwartet. »Die Liquidität war jederzeit gegeben«, betonte der Vorstand.

Aktuelles Jahr auf gutem Weg

Auch das laufende Geschäftsjahr 2019/2020 kann sich laut Franz Moderegger trotz massiver Beeinträchtigung durch die Corona-Pandemie sehen lassen, wenngleich es zum Start des Winterbetriebs nicht ganz rund lief. »Wir waren leider noch nicht ganz so weit, wie wir es geplant hatten«, zeigte sich Franz Moderegger selbstkritisch. Und auch die Schneebedingungen waren im vergangenen Winter zunächst nicht ideal. Die Talabfahrt ging erst später in Betrieb, »aber vor allem im oberen Bereich hatten wir ideale Bedingungen und haben viel Lob bekommen«.

Dann kam Corona und die Einstellung der Bahn vom 15. März bis zum 30. Mai. Zunächst waren die Gäste wegen der hygienischen Maßnahmen noch zurückhaltend. »Aber am Tag nach Fronleichnam ging es richtig los«, freute sich der Vorstand. Die 3807 gezählten Erstzutritte stellten einen neuen Rekord dar. Und von Juli bis September gab es dann beste Fahrgastzahlen ohne irgendwelche negativen Vorkommnisse. Aktuell liegt man bei 275.000 Fahrgästen, »damit haben wir das Vorjahresergebnis trotz der Einschränkungen toppen können«.

Die Gesamtkosten für die neue Bahn bezifferte Franz Moderegger auf 60,7 Millionen Euro. Dass man die Mehrkosten stemmen konnte, verdanke man vor allem den Hauptgesellschaftern: der Hotel Edelweiss GmbH, der Harlander Baumanagement GmbH und der Spiluttini Bau Gesellschaft, die die Kostenerhöhung durch Gesellschafterdarlehen aufgefangen hätten. »Wir sind stolz auf das, was hier geschaffen wurde und können uns damit überall sehen lassen. Die Gäste sind extrem zufrieden«, fasste Franz Moderegger zusammen.

Zum 30. September beschäftigte die BBAG 36 Mitarbeiter, technischer Betriebsleiter ist seit dem 1. Juli Richard Wagner. Sie alle sind aktuell vor allem mit den Wintervorbereitungen beschäftigt. Die Schneeerzeuger sind in Stellung gebracht, bis Ende des Monats will man bereit sein. Und das Hygienekonzept vom Sommer soll weitgehend übernommen werden.

In der Aussprache gab es diesmal nur eine einzige Wortmeldung. Margarete Pfnür wollte die Gründe für das Ausscheiden des bisherigen Vorstands Michael Emberger wissen. Laut Aufsichtsratsvorsitzendem Peter Hettegger sei es Michael Emberger »einfach zu viel geworden«. Es sei seine erste große Baumaßnahme gewesen und er habe dann auf eigenen Wunsch um eine einvernehmliche Trennung gebeten.

Vorstand und Aufsichtsrat entlastet

Einstimmig fiel die Entlastung aller zwischenzeitlichen und aktuellen Aufsichts- und Vorstandsmitglieder aus. Entlastung erhielten Bürgermeister Hannes Rasp, Peter Hettegger, Stefan Pfnür, Martin Harlander, Georg Hinterleitner, Klaus Gföll und Richard Wagner. Einverstanden waren die Aktionäre auch damit, dass die Dr. Fendt Diplomkaufmann Kluge GmbH Wirtschaftsprüfungsgesellschaft Bad Reichenhall wieder die Abschlussprüfung durchführt.

Ulli Kastner