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Neue Ideen in altem Lehen

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Zum Heumandlfest am Faselsberg haben Anke und Reinhard Joas am Samstag eingeladen. Das Ehepaar hatte vor rund vier Jahren das denkmalgeschützte Hinterbrandlehen erworben. (Foto: Kastner)

Schönau am Königssee – Seit rund vier Jahren sind Anke und Reinhard Joas Eigentümer des 500 Jahre alten Hinterbrandlehens. In dieser Zeit hat sich das Münchner Unternehmer-Ehepaar den Respekt der Faselsberger Nachbarn erworben, denn die beiden kümmern sich liebevoll um das historische Anwesen und suchen den Kontakt zu den Einheimischen. Am Samstag lud die Familie Joas zum Heumandlfest nach Hinterbrand – und rund 60 Nachbarn sind gekommen.


Eine gewisse Skepsis war schon da, als es hieß, Münchner hätten das Lehen erworben. Wäre das wohl im Sinne der Traudl und des Nannei gewesen? Die hoch betagten Schwestern hatten zuletzt alleine in dem Baudenkmal gewohnt und waren weit und breit bekannt. Nach deren Tod ging das Haus an eine Erbengemeinschaft und schließlich an die neuen Eigentümer über.

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Und die warfen nicht gleich alles über den Haufen, sondern gingen mit Ruhe und Liebe zum Detail an die Arbeit. Ihr Anliegen ist es, das denkmalgeschützte Gebäude in seiner Eigenart zu bewahren, seine Geschichte zu respektieren und das Lehen, wo es möglich ist, behutsam zu sanieren. Teilweise ist das bereits gelungen, viele Kompromisse waren aber notwendig. So sahen die beiden ein, dass das Hangwasser bei starken Regenfällen nicht aus dem Gebäudeinneren fernzuhalten ist. Man sorgte dann halt dafür, dass die Nässe schnell wieder abfließen kann.

Mit wie viel Engagement die Familie Joas in den letzten Monaten ans Werk gegangen war, erlebten die Faselsberger am Samstag selbst. Alle Gegenstände, die die Eigentümer im Zuge der Aufräumarbeiten gefunden haben, bewahren sie sorgfältig auf: Uralte genagelte Kinderschuhe aus Leder, Essbesteck aus Holz oder altes Werkzeug. Und im Herrgottswinkel hängen immer noch die Portraitbilder vom Nannei und der Traudl. Das soll auch so bleiben. Darüber hinaus kümmern sich die Münchner – teilweise mit ihren vier erwachsenen Kindern – um Grund und Boden. Sie haben ein paar Schafe und Ziegen und verrichten mit großer Leidenschaft die Waldarbeit. Mehr als die Hälfte ihrer Zeit verbringen Anke und Reinhard Joas mittlerweile am Hinterbrand.

Und sie wissen um die Bedeutung des Hinterbrandlehens für das Berchtesgadener Land. Schließlich soll der sogenannte Zwiehof, der also als Gmoa oder Doppel-Bauernhof genutzt wurde, aus der ersten Hälfte des 16. Jahrhunderts stammen. Die originale Holzbalkendecke inklusive Stiege sind noch erhalten.

Die Faselsberger genossen jedenfalls das Treffen bei ihren Nachbarn auf 1000 Metern Höhe. Auf deren Wunsch gingen alle freiwilligen Spenden an diesem Tag an eine örtliche Institution: an die Freiwillige Feuerwehr Königssee. Ulli Kastner