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»Netter Kerl«, aber betrunken nicht zu bremsen

Berchtesgaden/Laufen – An den Vorfall selbst konnte sich der 26-jährige Arbeiter nicht mehr erinnern, abstreiten wollte er das Geschehen aber nicht. In der Dreikönigsnacht hatte er betrunken zwei Mülleimer die Treppe zu einer Berchtesgadener Diskothek hinunter geworfen, zwei Polizeibeamte beleidigt und nach ihnen getreten. Der Mann aus Bischofswiesen ist kein unbeschriebenes Blatt, dennoch kam er gestern Mittwoch am Laufener Amtsgericht noch einmal mit einer Bewährungsstrafe davon.

Wie viel er denn bei dieser Betriebsweihnachtsfeier getrunken habe, wollte Richter Dr. Christian Liegl von dem Angeklagten wissen. Dessen Antwort: »Genug«. Gleichwohl wollte er noch nicht nach Hause gehen und ließ sich nach Mitternacht vor einer Berchtesgadener Diskothek absetzen. »Ab dem Zeitpunkt weiß ich nichts mehr«, beteuerte der Arbeiter.

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Zwei Mülleimer Treppe runter geworfen

Die zwei Mülleimer, die er den Treppenabgang zu einer Diskothek hinunter warf, trafen glücklicherweise keinen der dort stehenden Raucher.

»Wir sind eher zufällig dazu gekommen«, berichtete der 55-jährige Polizeibeamte der Inspektion Berchtesgaden, zwei Männer hatten sich ein »Verfolgungsrennen« geliefert; der Verfolgte sei der Angeklagte gewesen.

»Er weigerte sich, seinen Namen zu nennen«, so der Polizist, »und hat dann mit den Füßen nach uns getreten«. Die zwei Beamten mussten den Betrunkenen zu Boden ringen und ihm Handschellen anlegen. »Wichser, Arschlöcher und Bullenschweine« soll er die Beamten genannt haben und dies auf der Fahrt zur Dienststelle wiederholt.

2,3 Promille

Ein Alkoholtest hatte 2,3 Promille ergeben. »Wir haben seine Lebensgefährtin angerufen, ob sie ihn abholen will«, erinnerte sich der Polizeibeamte, »die aber meinte: ‘Lieber nicht’«. Und so habe der Mann in der Zelle seinen Rausch ausgeschlafen.

Bei Polizisten entschuldigt

Als man ihm am nächsten Morgen die Geschichte erzählt habe, habe er sich bei den Beamten entschuldigt, betonte der Angeklagte. »Das hat mir wieder gezeigt: Mit Alkohol bin ich nicht zu bremsen«, zeigte er sich einsichtig. Er trinke zu Hause gar nichts mehr, gehe selten weg und auch dann halte er sich sehr zurück, beteuerte der Mann.

»Ich kenne ihn von früher«, erzählte der Beamte, »er ist eigentlich ein netter Kerl. Aber leider: der Alkohol.« Laut Gutachten des Landgerichtsarztes war zum Tatzeitpunkt aufgrund des Alkoholpegels eine verminderte Schuldfähigkeit nicht auszuschließen.

Acht Vorstrafen

Acht Einträge finden sich inzwischen im Bundeszentralregister, die letzten beiden Verurteilungen erfolgten wegen vorsätzlicher Körperverletzung und Beleidigung. Am 10. Februar 2013 wäre die Bewährungszeit abgelaufen.

Eine Bewährung wäre »gerade noch mal vertretbar«, weil der Angeklagte hier in der Hauptverhandlung einen »positiven Eindruck« gemacht habe, meinte Staatsanwalt Dr. Anton Burger, allerdings müsste die Zeit mit vier Jahren länger ausfallen. 1 000 Euro Geldauflage erschienen Burger angemessen, dazu eine Suchtberatung und ein Antiaggressionstraining.

Günstige Sozialprognose

Verteidiger Hans-Jörg Schwarzer mochte eine günstige Sozialprognose für seinen Mandanten erkennen. »Alle Umstände sprechen für eine faire Chance«, so der Anwalt. Er habe auch nichts gegen eine Geldauflage, »mit 300 Euro aber sollte es genug sein«.

Christian Liegl entschied dennoch auf 1 000 Euro zugunsten der Caritas-Suchtambulanz Berchtesgadener Land. Der Richter schloss sich mit dem Strafmaß von sechs Monaten dem Staatsanwalt und dem Verteidiger an; auch Liegl wählte für die Bewährungszeit wegen der einschlägigen Vorstrafen und der noch offenen Bewährung vier Jahre. An fünf Einzel- oder Gruppengesprächen bei der Caritas hat der Bischofswieser teilzunehmen.

»Ich wollte, ich könnte das rückgängig machen«, gab sich der Verurteilte reumütig, »Ich werde mich bemühen, dass so was nicht mehr vorkommt«. Das Urteil wurde noch im Gerichtssaal rechtskräftig. Hannes Höfer