weather-image
18°

Narrisch auf den Schlüssel

Berchtesgaden - Jetzt sind sie im Besitz des Rathausschlüssels: Das frisch eingeführte Grafenpaar der Berchtesgadener Faschingsgilde hatte ein Date mit Bürgermeister-Stellvertreter Karl Seiberl. Der war gut gelaunt: »Ich gebe zwar noch nicht den Löffel ab, dafür aber unseren Schlüssel.« Wenigstens für Faschingszeit.

Wer kriegt den Schlüssel? Ihre Lieblichkeit, Gräfin Maria I. von und zu Lichtenfels, Bürgermeister-Stellvertreter Karl Seiberl und Seine Tollität, Graf Peter I. von und zu Lichtenfels. Anzeiger-Fotos

Seine Tollität, Graf Peter I. von und zu Lichtenfels und Ihre Lieblichkeit, Gräfin Maria I. von und zu Lichtenfels, haben sich herausgeputzt. Er im Kostüm eines Blauen Funken stattlicher Größe - 1,95 Meter - sie als seine liebliche Begleiterin im reizenden Kleid. Er, ein gebürtiger Rheinländer mit Wurzeln in der Nähe von Aachen, sie, eine waschechte Königsseerin, die 30 Jahre lang im Rheinland lebte.

Anzeige

Karl Seiberl kommt gar nicht mehr raus aus dem Staunen, der Handkuss für Ihre Lieblichkeit wird mehrmals wiederholt, weil die Faschingsgildenpräsidentin Karin Schröer noch ein Foto machen möchte. Das braucht sie für das eigene Archiv. »Ich bin stolz auf die beiden«, sagt Schröer über das Grafenpaar. Sie ist zufrieden, weil sie ein Paar gefunden hat, das die Faschingsgilde würdig nach außen hin vertritt.

Dann geht es langsam ans Eingemachte. Die Schlüsselübergabe steht auf dem Programm: »Sie sind gekommen, um heute den Rathausschlüssel abzuholen«, spricht Karl Seiberl. Den Schlüssel hat er griffbereit neben sich liegen: »Ich erwarte ihn mir sauber und geputzt am Aschermittwoch im Rathaus zurück«, so seine Forderung, die das Grafenpaar mit einem Lächeln erwidert. »Wir werden Berchtesgaden gut vertreten«, verspricht Seine Tollität, Graf Peter I. von und zu Lichtenfels, während er den Schlüssel mit der linken Hand umklammert hat. Karl Seiberl befürchtet in diesem Moment, dass es nicht einfach werden dürfte, den Rathausöffner wieder zurückzuerhalten. »Mit dem Schlüssel wächst der Graf an Größe«, so lautet Seiberls Vermutung.

Andererseits: In der Gemeinde ist nicht viel zu holen. Außer ein Berg von Schulden und der schicke Flatscreen im Bürgermeister-Zimmer ist der Besitz der Kommune überschaubar. »Der Schlüssel kommt zurück«, gibt das Paar, das im Gasthaus »Lichtenfels«, der Hofburg, zu Hause ist, schließlich zu Protokoll. Spätestens am Aschermittwoch beim Fischessen könne einer der drei Bürgermeister den weiten Weg antreten und den Schlüssel wieder abholen. Für Karl Seiberl ist die Info wichtig. »Notieren Sie das mal, Frau Sekretärin«, sagt er in Richtung Silvia Miller. Das müsse man sich noch überlegen. Immerhin liege die Hofburg »Lichtenfels« im »Feindesland« - in Schönau am Königssee. »Das war ein Scherz«, fügt Seiberl gekonnt hinten an. »Für's Protokoll.«

»Es freut mich, dass Sie nun zu Werbeträgern von Berchtesgaden werden«, sagt er dann. In der Tat hat das Grafenpaar während der Faschingszeit jede Menge zu tun. Rund 30 Termine stehen an. »Wir machen das aus tiefster Überzeugung«, sagt das Grafenehepaar. »Ich wünsche dem Markt, dass er aus den roten in die schwarzen Zahlen kommt«, sagt der Graf. Seiberl entgegnet, man sei ja eigentlich schwarz. Nicht politisch, sondern finanziell. Fast zumindest.

Dann geht es an die Ordensverleihung. Die Berchtesgadener Faschingsgilde hat einen neuen Orden gestaltet - 55 Jahre, ein schickes Ding zu einem runden Jubiläum. Logisch, dass Karl Seiberl der Erste ist, der den neu designten Orden verliehen bekommen soll. »Auf die Knie«, so die Anweisung der Gildenmitglieder. Dann kommt Ihre Lieblichkeit, Gräfin Maria I. von und zu Lichtenfels, und hängt dem Gemeindeoberhaupt das bunt gestaltete Emblem um den Hals. Der obligatorische Handkuss des Bürgermeisters folgt.

»Der Graf möchte aber auch noch Bussis geben«, sagt die Gräfin keck. Also wird auch Rathaussekretärin Silvia Miller unter Beschlag genommen und mit der Faschingsehrung bedacht. Danach gibt es Sekt in Hülle und Fülle. Auf Kosten des Hauses, sehr spendabel. Wer nicht auf Alkohol steht, greift zum Orangensaft oder mischt. »Wir haben jetzt gleich noch zwei Termine«, sagt Karin Schröer, Gildenvorsteherin und heute auch Autofahrerin. Betrunken kommt da nicht gut an.

Wer das Grafenpaar live erleben möchte, hat die Gelegenheit beim offiziellen Hofball im Kongresshaus. Dieser findet am Samstag, 19. Januar, statt. Karten gibt es bei Karin Schröer unter Telefon 08652/ 2614. kp