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Nächtliche Rettungsaktion am Hohen Göll

Berchtesgaden – Einen aufwendigen, neunstündigen Nachteinsatz bei starkem Regen hat die Bergwacht Berchtesgaden hinter sich (wir berichteten kurz). Zehn Einsatzkräfte bargen in der Nacht von Montag auf Dienstag einen 64-jährigen Bergsteiger aus Nordrhein-Westfalen, der sich beim Abstieg vom Hohen Göll in der Westwand verstiegen hatte und schließlich am sogenannten Jagerwiesl unterhalb des Mannlgrats nicht mehr weiter kam.

Zehn Bergretter der Berchtesgadener Bergwacht waren in der Nacht auf Dienstag neun Stunden am Göll im Einsatz, um einen in Bergnot geratenen Bergsteiger zu holen. Foto: Bergwacht

Der erschöpfte Mann meldete sich am Montag gegen 18.30 Uhr bei der Bergwacht Berchtesgaden, konnte aber nicht genau sagen, wo er sich befand. Beim Abstieg vom Gipfel des Hohen Göll, den er trotz schlechten Wetters erreicht hatte, hatte sich der Bergsteiger verirrt und war erschöpft.

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Der angeforderte Rettungshubschrauber »Christoph 14« musste den Suchflug wegen Nebels abbrechen, was den Einsatz noch erschwerte. Um 19.30 entdeckten die Kräfte der Bergwacht den Mann beim sogenannten Jagerwiesl. Er war vom Göllgipfel kommend Richtung Mannlgrat fälschlicherweise in die Zellerschlucht abgestiegen, in der es immer wieder zu tödlichen Abstürzen kommt. Von dort war er auf das Jagerwiesl gelangt, wo er auf einer Höhe von 1 770 Meter nicht mehr weiterkam.

Um 19.40 Uhr stieg eine Fußmannschaft mit vier Bergrettern, darunter ein Bergwacht-Notarzt, zum Jagerwiesl auf, und das bei starkem Regen. Die zweite Rettungsmannschaft startete um 20 Uhr mit weiterem Seilmaterial und Wärmepackungen. Die Bergwachtleute fixierten Seilversicherungen am Steig.

Gegen 21.50 Uhr erreichten die Bergretter den 64-jährigen Bergsteiger auf dem Jagerwiesl. Sie wärmten den Mann, der dort bei kühlen Temperaturen lange ausharren musste, auf und versorgten ihn mit Getränken. Schließlich trat die Truppe mit dem in Bergnot geratenen Bergsteiger um 22.15 Uhr den Rückweg an.

Das nasse, steile Felsgelände erforderte höchste Konzentration bei allen. Zusätzlich musste der Mann von 1 770 auf 1 350 Meter abgeseilt werden. Bis 3.30 Uhr dauerte der Einsatz, dann hatten alle das sichere Tal erreicht. Annabelle Voss