weather-image

»Müssen lernen, mit dem Virus zu leben« – Petition für dauerhaften Präsenzunterricht an den Schulen

5.0
5.0
Traunstein/Reichenhall: Petition für dauerhaften Präsenzunterricht in Schulen trotz Corona-Virus
Bildtext einblenden
Haben eine Petition gestartet: Julia Schmied (links) und Anja Haberstroh setzen sich für einen dauerhaften Präsenzunterricht ein.

Anja Haberstroh und Julia Schmied haben beide drei Kinder. Sie sind berufstätig und haben aufgrund ihrer Arbeit viel Erfahrung – vor allem auch mit jenen Buben und Mädchen, die es nicht so leicht im Leben haben. Nun haben die beiden Sozialpädagoginnen eine Petition gestartet.


»Wir fordern dauerhaften Präsenzunterricht für unsere Kinder und Jugendlichen«, betonen sie. In kurzer Zeit hat ihre Onlinepetition (Direktlink) über 3700 Unterstützer gefunden.

Anzeige

In den Monaten März bis Juli hätten die Schüler bereits einen massiven Unterrichtsausfall aufgrund der Corona-Pandemie hinnehmen müssen, sagt Julia Schmied. »Nun konnten Erfahrungen gesammelt werden. Im Präsenzunterricht mit den üblichen Maßnahmen wie Handhygiene, Masken und dem regelmäßigen Lüften wurden gute Ergebnisse erzielt«, findet die Reichenhallerin. Und sie ergänzt: »Keine Schule hat eine Super-Spreader-Situation ausgelöst.«

Die 43-Jährige und ihre Freundin betonen, definitiv keine Corona-Leugner zu sein. »Wir wissen, dass ein verantwortungsbewusstes Verhalten unabdingbar ist.« Doch die Frage sei, wie man das Ganze die kommenden Jahre gestalten wolle.

»Die Corona-Pandemie wird uns in wechselnder Intensität aller Wahrscheinlichkeit nach leider noch mindestens ein, zwei Jahre begleiten, selbst für den Fall, dass es eine effektive Impfung gibt«, sagt Anja Haberstroh. Das sehe auch das Robert-Koch-Institut so. »Für uns bedeutet diese Erkenntnis, dass wir lernen müssen, mit dem Virus zu leben – ohne eine permanente Einschränkung unserer Grundrechte«, sagt die 50-Jährige.

Der dauerhafte Wechsel zwischen Homeschooling und Präsenzunterricht und die ständige Ungewissheit beunruhige die Kinder. »Das kann langfristige, negative psychosoziale Folgen haben«, betont die Mama von drei Kindern. Anja Haberstroh hat lange mit Familien gearbeitet, in denen ein Elternteil psychisch krank ist. Ein Lockdown treffe alle Kinder hart, diese aber besonders, sagt die Sozialpädagogin.

Julia Schmied arbeitet bei der Caritas-Suchtberatung. Auch sie hat es also mit Familien zu tun, in denen das Umfeld für die Kinder oft schwierig ist. Mit aus diesem Grund – aber auch, weil Präsenzunterricht für alle Buben und Mädchen wichtig sei – setzen sich Anja Haberstroh und Julia Schmied dafür ein. »Das soziale Gefüge und die Abwechslung im Unterricht machen einen großen Teil der Lernerfolge unserer Kinder aus«, sagen die beiden. Einseitiges Lernen zuhause am Bildschirm oder mit Arbeitsblättern könne dies nicht ersetzen.

Die beiden führen verschiedene Gründe an. Die fehlenden konstanten Erfahrungen im Klassenverbund und im Schulalltag könnten im familiären Umfeld nicht ersetzt werden. Außerdem könne es hier zu massiven Spannungen kommen, wenn Eltern die Lehrerfunktion übernehmen müssten. Des Weiteren sei bekannt, dass viel Zeit am Bildschirm »große gesundheitliche Auswirkungen für Kinder hat«, betont Julia Schmied.

Sie und Anja Haberstroh finden, dass eine Umstrukturierung des Schulalltags möglich sein müsse, »um allen Kindern Präsenzunterricht zu ermöglichen«. Sie haben auch einige Vorschläge. So könnten die Unterrichtsstunden verkürzt werden, damit nach jeder Unterrichtsstunde fünf Minuten stoßgelüftet werden kann.

Zudem wäre eine längere Pause von 20 Minuten nach jeder zweiten Unterrichtsstunde hilfreich. So kämen die Kinder regelmäßig an die frische Luft und könnten ihre Masken absetzen. Außerdem sollten auch die Klassenräume entsprechend umgerüstet werden – zum Beispiel mit Trennwänden oder Lüftungsanlagen. »Hier sollte Geld investiert werden, nicht in Leihgeräte«, betonen Anja Haberstroh und Julia Schmied.

Mit ihrer Onlinepetition wollen sie vor allem auf das Thema aufmerksam machen. »Wir wissen, dass wir damit nicht sofort etwas umstürzen werden«, betont Anja Haberstroh. »Aber wir können dadurch deutlich machen, wie wichtig Eltern Präsenzunterricht ist.« Die Unterschriften werden an das Kultusministerium übergeben. Wer sich beteiligen möchte, kann dies auf der Internetseite von Openpetition unter dem Titel »Dauerhafter Präsenzunterricht für unsere Kinder« tun. KR

Direktlink zur Petition.


Einstellungen