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Musiksommerkonzert in Prien mit der Chorgemeinschaft und dem Collegium Musicum

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Rainer Schütz (rechts) beim Musiksommerkonzert in der Pfarrkirche Mariä Himmelfahrt in Prien vor dem Collegium Musicum und der Chorgemeinschaft. (Foto: Kaiser)
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Die »Missa in tempore belli« ist wohl die erste der sechs großen Messkompositionen, die Franz Joseph Haydn (1732 bis 1809) nach seinen zwei erfolgreichen Englandaufenthalten (1791 bis 1792 und 1794 bis 1795) komponiert hat. Sie ist beeinflusst von dem durchstrukturierten und zugleich »populären« Stil, den Haydn in seinen zwölf »Londoner Sinfonien« entwickelt hatte. Diese Festmesse bildete den Schwerpunkt des 10. Konzerts im Musiksommer zwischen Inn und Salzach in der Pfarrkirche Mariä Himmelfahrt in Prien.


An den Beginn des Abends hatte Kirchenmusiker Rainer Schütz eine Kostbarkeit des Altmeisters Haydn gestellt, die man selten und dann meist in der Chorfassung zu hören bekommt: sein »Salve Regina« in g-Moll für Soloquartett, Streicher und Orgel Hob.XXIIIb:2. Nach der getragenen, von der konzertierenden Orgel angeführten Einleitung stellte sich das exquisite Quartett Jenavieve Moore (Sopran), Vera Semieniuk (Alt), Taro Takagi, (Tenor) und Thomas Schütz (Bass) mit »Salve, salve« in perfekt harmonierendem Zusammenklang vor. Den gesamten Text dieser dreiteiligen Antiphon gestalteten die Solisten eindrucksvoll in freudiger Hingabe, mit Seufzern und Tränen bis hin zur drängenden Bitte, vom zarten Piano bis zum kraftvollen Forte in einer zu Herzen gehenden Deutung des marianischen Textes.

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Ein instrumentaler Höhepunkt war dann das »Adagio und Allegro molto« für Horn, Altposaune und Orchester« des jüngeren Bruders Johann Michael Haydn (1737 bis 1806). Der Hornist Franz Draxinger und Wolfgang Diem an der Altposaune umspielten sich im Adagio sehr melodiös und jubelten in strahlenden Parallelen, vom Orchester eingefühlt begleitet. Eine feine Kadenz mit Echoeffekten beendete den 1. Satz. Schon sehr »molto«, doch jederzeit von den Solisten und dem Orchester beherrscht, kam das Allegro. Es entwickelte sich ein faszinierendes »Duell« von zwei musikbegeisterten Bläsern, das wiederum in eine spannende Kadenz mündete, bei der sich beide aufmerksam anspielten.

Bei der »Missa in tempore belli« in C-Dur Hob.XXII:9 spannte Rainer Schütz von Anfang an ein dichtes Netz der Konzentration über die Chorgemeinschaft, die Solisten und das Collegium Musicum. Bereits am Anfang des Kyrie meldeten sich die Pauken, blieben allgegenwärtig bis zu den brutalen Schlägen im Agnus Dei. »Paukenmesse« hat sie deshalb der Volksmund getauft, doch die »Messe in der Kriegszeit« kennt auch andere Facetten, wie die Erlösungsbitten im Kyrie, mit denen sich Sopran- und Altsolistin vorstellten, das vom Solo-Cello umrahmte »Qui tollis«-Adagio im Gloria, mit dem Thomas Schütz zeigte, dass er seine Oratorienstimme voll entwickelt hat und sinnvoll mit ihr umzugehen weiß.

Auch das intensive »Et incarnatus est« des Soloquartetts und das frohe, fast tänzerische »Et vitam venturi saeculi« mit dem nachdrücklich bestätigenden »Amen« zählen dazu. Das »Hosanna« des Sanctus gewährte dem Tenor eine leider sehr kurze Vorstellung seiner Strahlkraft. Das Benedictus war, wie oft bei Haydn, die Domäne des Soloquartetts. Schmiegsam und farbig sangen die Vier den Melodienreichtum aus, den der Komponist diesem Text gespendet hat. Im »Agnus Dei« schließlich brach nach den drei Agnus-Rufen des Chores das militärische Paukenmotiv herein, der allumfassende Schrecken der Kriegszeit. Im Verein mit den Trompeten leiteten die Pauken über zur eindrücklichen, reich modulierten »Dona nobis pacem«-Bitte, die vom Soloquartett noch vertieft wurde.

Nach der nötigen Zeit der Stille brach sich der freudige Jubel der Zuhörer Bahn. Engelbert Kaiser

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