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Musikkollegium spielt sich in die »Sinfonische Liga«

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Den diesjährigen Zyklus Sinfonischer Konzerte in der Aula der Berufsschule Traunstein im Wechsel mit der Reichenhaller Philharmonie beendete das Musikkollegium unter der Leitung von Augustin Spiel. Das farbige Programm aus Oper, Konzert und Sinfonie fand beim aufgeschlossenen und kundigen Publikum beste Resonanz.


Am Anfang stand die Ouvertüre zur Oper »Lodoiska« von Luigi Cherubini aus dem Jahr 1791. Neben »Medea«, seiner wichtigsten Oper, erfuhr diese Heldenkomödie aus der Gattung »Rettungsoper«, vor dem Hintergrund der Französischen Revolution 1789 in Polen angesiedelt, im ersten Jahr 200 Aufführungen. Ihre Handlung ist banal-melodramatisch, doch die Musik spricht an. Die Ouvertüre beginnt gelassen und ruhig, von Hornsignalen gestützt. Dann nimmt sie zu Paukenwirbeln Fahrt auf; die Ersten Geigen entfalten eine sangliche Melodie, die sich zu festlichem Glanz erhebt. Nach abwartenden Dreiklang-Motiven sucht die Kantilene noch einmal Fuß zu fassen, muss aber einer Unruhe weichen, die erst die Klarinette vertreibt. So kommt es zu einem harmonischen Schluss, der durch Fanfarensignale festlich verstärkt wird. Mit dieser Einleitung fand das Musikkollegium die Aufmerksamkeit der Zuhörer und weckte die Hoffnung auf mehr.

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W. A. Mozart erfüllte sie. Die Sopranistin Friederike Duetsch, seit längerem der Region verpflichtet, stellte sich der klagenden Arie der Ilia »Zeffiretti, lusinghieri« aus der Oper »Idomeneo«. Trotz einer Erkältung fest im Sattel in Sachen Intonation verlieh sie der Liebenden mit klar geführter Stimme in angenehmer Zurückhaltung und Konzentration glaubwürdigen Ausdruck. Das Publikum feierte sie.

Noch einmal Mozart, noch eine große solistische Leistung. Der in der Region ebenfalls bestens bekannte Oboist Peter Tavernaro widmete sich mit dem Musikkollegium dem (in Konzertführern leider immer noch beiläufig abgetanen) lebensfroh-offenen Konzert für Oboe und Orchester C-Dur KV 324. Nach einem fein-konzentrierten Orchestereinspiel begab sich die Oboe mit kecken Trillern in ein fröhliches musikantisches Konzertieren mit dem gut aufgelegten Orchester. Die ausführliche Kadenz kredenzte alle nur denkbaren ausgesuchten Finessen.

Es folgte ein Adagio voller Wärme und Liebe, mit edler Tongebung zelebriert. Die kurze Kadenz war meisterlich. Beim beherrschenden Thema des 3. Satzes, einem dauerwirksamen Ohrwurm, ging einem beim Zuhören das Herz auf. Köstliches Imitationsgespräch zwischen Solist und Orchester, auf den Punkt genau präsentiert, und eine Kadenz mit interessanten Motivverknüpfungen animierte das Publikum zu verdientem, brausendem Beifall. Zum Orchester sei angemerkt: für diese Interpretation unter dem entspannten Dirigat von Augustin Spiel hat sich das Ensemble das Attribut »Mozart-Orchester« verdient!

Mit einer Beethoven-Sinfonie betrat Augustin Spiel »Musikkollegium-Neuland«, mit der Sinfonie Nr. 1 C-Dur op. 21. Nach langer Vorbereitungszeit mit orchestralen Werken hatte Ludwig van Beethoven seine »Erste« im Jahr 1800 vollendet. Trotz der spektakulären Einleitung des 1. Satzes mit einem Dominantseptakkord ist dieses Werk eher harmonisch problemlos und schwerelos optimistisch. Eine feinsinnig ausgekostete Abfolge von Spannung und Entspannung, von Aufregung und Ruhe bestimmte den 1. Satz. Im 2. Satz in gemessenem Dreiviertel-Rhythmus wurde die tänzerische Stimmung konsequent durchgehalten. Der 3. Satz (Menuetto, Allegro molto e vivace) war tatsächlich kein »Menuett« mehr, eher die Geburt des Scherzos. Der beschwingt-heitere, vitale Schlusssatz fand mit einem marschartigen Motiv der blendend musizierenden Holzbläser einen strahlenden Abschluss.

Mit diesem Konzert hat sich das Musikkollegium schon mal in die »Sinfonische Liga« gespielt – die Zuhörer dankten es ihm und seinem Dirigenten mit intensivem, ausdauerndem Applaus. Einer von ihnen brachte es auf den Punkt: »Immer mehr werde ich zu einem Gustl-Fan!« Engelbert Kaiser