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Musikalisches Kabarett vom Feinsten

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Silke Stein (links) begleitete sich und Anja Clementi bei ihren witzig-philosophischen Liedern auf dem Flügel. (Foto: Janoschka)

Dem Kulturverein Ainring ist es gelungen, ein Frauen-Duo zu engagieren, das für Kabarett erster Güte bekannt ist: Silke Stein und Anja Clementi sind (nicht nur) mit dem lautmalerisch betitelten Programm »Donna und Doria« auf vielen Bühnen unterwegs, vor allem aber in Salzburg.


Die beiden sprachen und sangen über ihre »Fünf-Elemente-Lehre der Frauen«, die sie »simultan für die Herren der Schöpfung« übersetzten und nahmen sich selbst auf die Schippe – und dadurch natürlich auch den gesellschaftlichen Anspruch an »die Frau«. Doch sie blieben nicht im ironischen Jammern stecken – »Manchmal wäre ich gern anders, als ich bin« –, sondern hatten am Schluss eine tröstende Botschaft, die sie mit einem Regen aus Papierherzen unterstrichen: »Ich bin ich, und das ist gut so«, und die Devise trotz allerhand Missgeschicke soll heißen: »Ist mir egal, ich lass das jetzt so, und hast du eine Krise, sei trotzdem froh.«

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Professioneller Gesang in verschiedenen Stilrichtungen

Silke Stein und Anja Clementi sangen hoch professionell in verschiedenen Stilrichtungen – Pop, Musical, Operette oder Chanson. In ihren Songtexten verarbeiteten sie Probleme, die Frauen eben so haben, wie zum Beispiel im »Cellulite City Blues«. Ihre Themen erstreckten sich von der Menopause und der »Fettmigration« in ihrem Körper bis zur »Pigmentfleckenexplosion« und »Altbausanierung für die Visage«.

Silke Stein und Anja Clementi überschlugen sich im ironischen Vergleich ihres unerwünschten Haarwuchses bei der Frage, wer denn die größeren Probleme hat (»Ich sehe bald aus wie ein Hobbit«). Die Rollen, in die sie schlüpften, waren aus ihrem Leben gegriffen, aus der Zeit, als sie noch als Kinder oder als Teenager in imaginäre Mikrofone sangen, als sie sich als »Rinnsteinprinzessin« fühlten und sich nach ihrem Zauberprinz sehnten.

Viel drehte sich um ihr Leben als unter 50-Jährige: Was will Anja bis zu diesem denkwürdigen Geburtstag alles erlebt haben? Auf Platz 5 der Liste, die zu fortgeschrittener Zeit auf einem Bierdeckel entstand, war, »ein Klavierkonzert auf einer Bühne« zu geben. Und anstatt Platz 1, nämlich eine Nacht mit Matthias Schweighöfer oder Florian David Fitz für Anja zu ermöglichen, hatte Partnerin Silke keine Mühen gescheut, »diesen Flügel im Haus der Kultur und genau dieses wunderbare Publikum zu organisieren«.

Silke Stein führte Anja Clementi also mit verbundenen Augen auf die Bühne und wollte ihr eine perfekte Überraschung bieten – das vorbereitete Publikum spielte mit und klatsche frenetisch. Doch die Überraschung entpuppte sich eher als Alptraum, denn Anja war diesbezüglich traumatisiert, sagte sie. Alle Redekünste der »Traumabewältigungstherapeutin« Silke waren umsonst – »Du prokrastinierst, du hast eine Erledigungsblockade, wie beim Tango, zwei Schritte vor, einer zurück«. Identifikationstherapie für die Zuschauer inklusive.

Statt des Klavieralbums hatte Anja Clementi ihr Poesiealbum mitgebracht und beschoss ihre Partnerin mit »Sprüchen, die genau auf sie zugeschnitten waren«. Mit Wortwitz oder Wortspielen wie »Burn-out, das ist was für Anfänger, ich hab schon Fuck off« war ihr kabarettistisches Feuerwerk gespickt, ebenso mit Wortakrobatik wie in der von Silke Stein rasant gesprochenen Rechtfertigung der ehemaligen Mitschülerin Elvira nach ihrem Versuch, ein angeblich tollwütiges Eichhörnchen zu erschießen. Sämtliche Fremdwörter purzelten dabei durcheinander.

Von der Wortakrobatik zu den »Verhörern«

Schließlich landeten sie bei den »Verhörern«: So sang Silke inbrünstig »Anneliese Braun« statt »All the leaves are brown« in »California Dreamin«. Doch als Silke »Kiss me, Kate« angeblich nicht kannte, setzte sich Anja Clementi kurzerhand selbst ans Klavier und merkte gar nicht, wie spitzbübisch ihre Partnerin sie beobachtete. Anja Clementis Rollen waren zum Brüllen komisch – egal ob sie als Kölner Putzfrau Uschi in Glitzerleggins als »Bodendompteuse« in der Funktion eines »environmental improvement technician« auftrat und mit ihrem multifunktionalen Besen »Ich möchte wieder Teenager sein« zum Besten gab, oder ob sie im Cocktailkleid auf dem Flügel saß und Schlagfertigkeit demonstrierte.

Die beiden Damen seien während der vergangenen Stunden um zehn Jahre jünger geworden, behaupteten sie und hofften, auch zur ewigen Jugend des Publikums beigetragen zu haben. Ihr Finale war großartig, auf Popsongs vom Smartphone sangen sie zum Thema passende Texte, die die vergangenen zwei Stunden zusammenfassten. Mit »Donna und Doria« fühlte sich das Publikum spätestens jetzt als »Maniacs« und als »Dancing Queen« und hatte ganz bestimmt »die beste Zeit seines Lebens«. Brigitte Janoschka