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Musikalische Zuckerl

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Eine Bühne voller Musiker mit Weltklasseformat: »Der Klang unserer Stadt«, Motto und selbst ernannter Auftrag der Münchner Symphoniker klang auch im Traunreuter k1 grandios. (Foto: Benekam)

»Der Klang unserer Stadt« lautet das Motto und zugleich der selbst ernannte Auftrag der Münchner Symphoniker. Diesen Klang tragen die Symphoniker in ihren hochkarätigen Produktionen aus den Bereichen Klassik, Oper, Filmmusik und Show bis weit über die Stadtgrenzen seiner Heimatstadt München hinaus – in einem abwechslungsreichen Konzert unter der Leitung von Olivier Tardy erreichte der Klang auch das Traunreuter k1 und erfreute die zahlreichen Konzertbesucher.


Werke von Mendelssohn-Bartholdy bis Leroy Anderson ließen die Herzen der Zuhörer höher schlagen und zauberten ein glückliches Lächeln auf die Gesichter der Konzertbesucher – schon beim ersten Stück, der Ouvertüre zu »Ein Sommernachtstraum« (Allegro di molto) von Felix Mendelssohn-Bartholdy.

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Das große Genie dieses Komponisten zeigte sich schon früh: Mit einem Höchstmaß an Feinsinn gelang es dem erst 17-Jährigen, die Stimmung von Shakespeares Schauspiel in die Sprache der Töne zu übersetzen. Die Münchner Symphoniker ließen mit ihrem leidenschaftlichen Spiel an ihren Instrumenten die märchenhafte Welt der Elfen, Kobolde und Rüpel nachempfinden – der musikalische Funke war schon mit den ersten Takten übergesprungen.

Aus Rücksichtnahme auf den angesagten Klarinettensolisten Daniel Ottensamer, so scherzte Tardy, habe man für dieses Konzert einmal, alternativ zum viel gespielten Mozart, ein weniger bekanntes, dafür aber, wie sich herausstellen sollte, nicht minder grandioses Klarinettenkonzert ausgewählt: das Klarinettenkonzert von Jean Francaix (1912 bis 1997) in vier Sätzen. Eine Offenbarung für alle Klarinettenfans, eine kaum zu bewältigende Tour de Force, selbst für die Besten der Besten an diesem Instrument. Daniel Ottensamer war in keinem Moment der hohe Schwierigkeitsgrad und die extrem hohe technische Anforderung des Werks anzumerken. Ganz im Gegenteil: Locker, entspannt, fast verspielt wie ein Kind, wirkte er an seiner Klarinette.

Zuweilen hatten die Zuhörer den Eindruck, das Gehörte könnte aus diesem Moment heraus, aus Ottensamer selbst heraus, improvisiert worden sein. Im Hochgeschwindigkeitstempo rasten mit fingerbrecherischer Bravour seine Finger über die Klappen seiner Klarinette, ohne dabei die klanggestalterischen Finessen, die satte Portion musikalischen Humors, die Francaix in sein Werk gepackt hat, zu vernachlässigen – ganz große Kunst und Ohrenschmaus erster Güte, nicht zuletzt auch dank des akzentuierten und harmonischen Zusammenwirkens mit den Symphonikern, die im symbiotischen Austausch mit Ottensamer über sich hinauswuchsen. Nur sehr ungern entließ das Publikum den jungen Klarinettenvirtuosen von der k1-Bühne, sodass nach tosendem Applaus noch eine Zugabe kredenzt wurde.

Der zweite Konzertteil gestaltete sich nicht weniger spektakulär: Aram Chatschaturjans temperamentvoller Walzer aus der »Maskerade« wiegte die hingerissenen k1-Gäste im Dreivierteltakt. Weiter ging es mit einem fünfsätzigen Werk »Tänze aus Galanta« des ungarischen Komponisten Zoltan Kodaly (1882 bis 1967). 1933 komponiert, ist dieses von namhaften Philharmonien gespielte Orchesterwerk eine Sammlung von volkstümlich inspirierten Tänzen der Roma und Sinti aus der Gegend um Galanta. Dort hatte der Verfasser sieben Jahre seiner Kindheit verbracht.

Die fünf ineinander übergehenden Sätze weisen die charakteristisch folkloristische Farbigkeit dieses Musikgenres auf. Wunderschöne Klarinetten- und Flötensoli, mitreißend temperamentvolle Tanzrhythmen und im Schlusssatz ein fulminantes und lautstarkes Finale, ließen die Konzertbesucher begeistert aufhorchen.

Im Anschluss genossen die k1-Gäste »Clair de Lune«, das berühmteste Klavierstück von Claude Debussy (1862 bis 1918). Mit Leroy Andersons »Serenata« gab es noch ein Zuckerl zum Schluss. Nach einem kräftigen Applaus gab es sogar noch eine Zugabe von Olivier Tardys vorzüglich geführten Münchner Symphonikern. Kirsten Benekam