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Musikalische Höhenflüge mit ekstatischer Wirkung

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Der Gitarrenvirtuose Alberto Mesirca und seine Musikerfreunde begeisterten die Zuhörer in der St. Walburg-Kirche nicht nur mit Boccherinis Fandango-Quintett. (Foto: Benekam)

Der Chiemgauer Musikfrühling bringt viele musikalische Blüten zum Blühen – wie das Gitarrenkonzert »Gitarrenzauber: Alberto Mesirca and Friends« in der kunstvollen Kirche St. Walburg des Kultur- und Bildungszentrum Kloster Seeon. Mit ihrer hervorragenden Akustik und kunstvollen Kirchenmalerei bietet die im seltenen Manierismusstil gehaltene Frauenkirche Kunstgenuss für alle Sinne – ein Ort, wie geschaffen für ein Gitarrenkonzert mit dem mehrfach ausgezeichneten italienischen Gitarristen Alberto Mesirca.


Mit einem Werk von Niccolo Paganini, »Cantabile für Violine und Gitarre« waren die Konzertbesucher bestens eingestimmt. Wie Mesirca zu Konzertbeginn erklärte, hatte der berühmte Geigenvirtuose Paganini, der selbst auch Gitarrist war, viele Werke für Gitarre geschrieben. Die an Opernarien angelehnte Bezeichnung Cantabile (liedhaft) hätte nicht deutlicher erklärt werden können: Eric Schumann an der Violine ließ sein Instrument in Begleitung zu Mesircas Gitarre, ähnlich einer Opernarie, eine traumhaft schöne Melodie »singen«.

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Im Anschluss daran bekamen die Zuhörer in drei Werken für Sologitarre einen Eindruck davon, wie spektakulär dieses Instrument – von einem Virtuosen gespielt – solistisch klingen kann. Mesirca tauchte voller Hingabe mit seiner Gitarre in die variationsreichen Kompositionen dreier Werke ein: »Asturiras für Gitarre Solo« von Isaac Albeniz, »Danza espanola No. 5 für Gitarre Solo« von Enrique Granados und »Recuerdos de la Alhambra für Gitarre Solo« von Francisco Tarrega. Feingefühl, musikalischer Spürsinn gepaart mit höchstem technischem Können an der Gitarre ließen die Zuhörer in bewunderndem Staunen versinken, sodass sich auch das Konzertmotto erschloss: Gitarrenzauber. Ein wahrer Klangrausch auf sechs Saiten, wie er seinesgleichen sucht.

Trotzdem kam nach dem kaum überbietbaren Ohrenschmaus noch ein weiterer musikalischer Höhenflug: das Fandango-Quintett G 448 von Luigi Boccherini. Das viersätzige Werk Boccherinis verwendet im Finalsatz »Fandango« einen ausgiebig variierten spanischen Tanz, den er auch in anderen Besetzungen herausgebracht hat: Er zitiert eine Originalmelodie aus Andalusien, die auch in Glucks Ballett »Don Juan« auftaucht – eine Melodie mit hohem Wiedererkennungswert.

Die fünf Musiker – Philippe Graffin und Eric Schumann (Violinen), Vladimir Mendelssohn (Viola), Julian Arp (Cello) sowie Alberto Mesirca (Gitarre) – überzeugten im Zusammenspiel dermaßen, dass die Zuhörer einen gemeinsamen Puls mit synchronisiertem Atemrhythmus zu spüren glaubten.

So hatte der »Fandango«, den das Quintett als Zugabe ein zweites Mal spielte, auf die restlos begeisterten Konzertbesucher eine ekstatische Wirkung. Die Zuhörer reckten die Hälse, um die Technik des am Cello-Korpus imitierten perkussiven Klang von Kastagnetten zu sehen – die Lust, aufzustehen und zu den rasanten Rhythmen mitzutanzen stieg. Besser geht es wirklich nicht. Riesenapplaus und zwei Zugaben nach einem außergewöhnlichen Konzerterlebnis. Kirsten Benekam