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Musikalische Glanzlichter

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Das Publikum in Bad Reichenhall zeigte große Begeisterung für die virtuose Cellistin Raphaela Gromes, die ihr ganzes Können unter Beweis stellte. (Foto: Aumiller)

Das Orchesterkonzert der Bad Reichenhaller Philharmonie unter der anfeuernden Leitung von Christoph Adt reihte der »AlpenKlassik«-Festwoche einen weiteren Edelstein hinzu. Das Konzert markierte gleichzeitig einen Baustein im Programmangebot des »Musiksommers zwischen Inn und Salzach«. Die Meisterinterpreten Nils Mönkemeyer, Raphaela Gromes, Nabil Shebata und Antti Siirala gaben als Solisten dem Abend besonderen Glanz.


Mit der bezaubernden Romanze für Viola und Orchester op. 85 von Max Bruch gab Nils Mönkemayer das Niveau für den Konzertverlauf vor. Mönkemeyer formte auf das Schönste romantisch-melodische Kantilenen in innigem Ausdruck und brachte farbig schattiert mit der warmen Tonqualität der Viola die Romanze zu bezaubernder Blüte. Das Orchester, zwischendurch von der Flöte oder den Holzbläsern überglänzt und auch mal mit Streicherpizzikati verziert, übernahm die Themen, führte sie fort und entwickelte dynamische Steigerungen, um schließlich in verlöschender Zartheit zu enden.

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Von anderem Charakter war die »Große Fantasie für Violoncello und Orchester« von Adrien-François Servais, der darin Motive aus Gioachino Rossinis Oper »Il barbiere di Siviglia« verarbeitete und brillant variierte. Technische Perfektion führte die junge Cellistin Raphaela Gromes bei der Bewältigung dieser anspruchsvollen Fantasie vor – der Solopart verlangt Musikern alles ab, was technisch am Cello möglich ist. Dieses Feuerwerk der Effekte ist der Gipfel der Cellokunst. Raphaela Gromes zeigte, was sie bei Wen-Sinn Yang gelernt hat und dafür zollte ihr das Publikum Bewunderung und Anerkennung. Adt trug sie mit dem Orchester auf Händen.

Eine gegensätzliche Stimmung spiegelte Nino Rotas Divertimento Concertante für Kontrabass und Orchester wider. Auf eine ganz andere Weise fächerte das Orchester schwelgerische Klänge als Duopartner von Nabil Shehatas virtuosem Kontrabass in dem viersätzigen vergnüglichen Opus auf. Die Musik suggerierte beim Hören unweigerlich imaginäre Bilder. Die vier Sätze brachten unterschiedliche Stimmungen mit heiterem Marschrhythmus, einer elegischen Romanze oder einem witzigen Finale in der Art eines Perpetuum mobile. Nabil Shehata beeindruckte nicht nur mit der Bravourleistung auf seinem monströsen Instrument, sondern ebenso durch das Formen musikalischer Linien und Inhalte.

Beethovens Klavierkonzert Nr. 3 c-Moll op. 37 zielt weniger auf Zurschaustellung pianistischer Effekte als vielmehr auf eine vielschichtige musikalische Aussage in Beethovens expliziter und hier modulationsreicher Klangsprache. Adt brachte mit dem Orchester eine relativ zügige Einleitung vor dem Einsetzen des Klaviers, das dann in einen Dialog mit dem Orchester trat. Der Pianist Antti Siirala bestach durch seine klare Formgebung in der Phrasierung und im Anschlag.

Er führte eine enorme Bandbreite von feinsinniger Pianoqualität bis zum pianistisch kraftvollen Zupacken. Am meisten berührte er in den feinen lyrischen Passagen, träumerisch versponnen im Ausdruck. Als besonders brillant zeigten sich seine Triller, eleganten Verzierungen und seine Repetiertechnik in glasklarem Anschlag. Feine Stimmung kam auf im Mittelsatz, wobei auch mal Flöte und Fagott mit dem Klavier ein hübsches »Schwätzchen« hielten. Lebhaft beweglich duettierten Klavier und Orchester im Rondo und finalen Allegro im frischen Lauf auf das Ende zu. Für diesen großen Musikabend gab es viel Applaus. Elisabeth Aumiller