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Musikalische Dampflok mit viel Gefühl

Gefährlich finster, mit satt stampfenden, dunklen Bass-Schritten stellten die »Rakez« den geheimnisvollen »Hoochie Coochie Man« von Muddy Waters dem Publikum bei ihrem Konzert im Traunsteiner Lokal Tres vor.

Die markante Stimme von Franz Tichy, die ein wenig an den großartigen Dr. John erinnert und der wie dieser auch einen beeindruckenden Cowboyhut trägt, rollte wie eine unermüdliche Dampflok volle Kraft voraus und doch mit viel Gefühl durch die musikalisch fein geschmiedete Blues- und Rock-Landschaft des Abends. Die auf hoher Kante gespielten Gitarrensoli von Werner Kluge, irrlichternd, aber auch messerscharf, psychedelisch-ekstatisch und geschmeidig, begeisterten die vielen Zuhörer, die sich unter anderem auch darüber freuten, dass die Wirtin Andrea die schon heiß ersehnte Konzertsaison wieder eröffnet hat. Am Bass kostete Henning Müller mit seinem Spiel die ganz dunkle Seite dieses Instruments aus: schön tiefgelegt und mit einem Touch Industrial im Klang. Ein musikalisch finsterer Kerl saß mit Frank Ebert auch am Schlagzeug. Er traktierte die Fußtrommel ordentlich, sodass ein ordentlicher rhythmischer Wumms mit entschlossener Schubkraft für gute Laune sorgte.

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Mit ihren eher selten bei Live-Konzerten gespielten Nummern wie »Waitin’ for the Bus«, »Heavy Love«, »Blow, Wind Blow«, »Hart to Handle« und dem »Jesus left Chicago« hatten sie die volle Aufmerksamkeit des Publikums. Im dritten Set gab es einen überraschenden Schwenk in Richtung Britpop: Mit »Come together« »Hush«, »Batter Batter« und »One Night« sowie mit der Ballade »Bird on a Wire« driftete die schöne »Böse Buben«-Stimmung der ersten zwei Sets dann völlig in ruhigere musikalische Gefilde hinein, die nicht bei allen Zuhörern das Interesse weckten, trotz des ausgetüftelten Harmoniegesangs. Irgendwie war an dieser Stelle dann die Luft schon ein wenig raus. Mit »Before you accuse me« und vor allem mit dem genialen »Voodoo Chile« legten sie aber noch mal nach, und bedankten sich hiermit bei ihrem Publikum, für den Nachschub fordernden Applaus. Barbara Heigl